Ferdinand Hess aus Wadgassen erhält den Eisernen Meisterbrief

Eiserner Meisterbrief : Eiserner Meisterbrief für Ferdinand Hess

Ferdinand Hess aus Wallerfnagen wurde für 65 Jahre Friseurmeister in der Congresshalle Saarbrücken ausgezeichnet.

Ferdinand Hess ist unter Saarlands Friseuren kein Unbekannter. Er hat Wettbewerbe mitgemacht und gewonnen, als er noch beruflich aktiv war. Heute ist er in Rente. In Saarbrücken erhielt er jetzt den Eisernen Meisterbrief, weil er von 65 Jahren die Meisterprüfung abgelegt hat. In der Congreßhalle gab es einen Festakt dazu.

An die frühen Jahre erinnert er sich gut: Als die Amerikaner nach Deutschland einmarschierten, brach er das Gymnasium ab. „Die Mama war Friseurin und sagte mir, ich müsse unbedingt etwas lernen. Da fing ich mit der Lehre an.“ Seine erste Stelle war in Neustadt, die letzten Monate leistete er in Völklingen ab. Damals lief er zu Fuß vom Wohnort in Differten zur Ausbildungsstelle. Abends zuhause angekommen, bediente er noch Kunden im Salon seiner Mutter. „Ich war ehrgeizig und wollte schnellstens den Meister machen. Sein Gehalt waren im dritten Lehrjahr 900 Franken. „Für jedes Trinkgeld war ich froh.“ „Bei Nürnberg habe ich die Meisterschule besucht, dann bei den Saar-Meisterschaften mitgemacht und auch gewonnen“, erzählt Ferdinand Hess.

Der Karriereweg war nun vorgezeichnet, das versäumte Abitur vergessen. Inzwischen hat er sein Wissen an den Sohn weitergegeben, der sogar internationale Wettkämpfe im Friseurhandwerk bestreitet. Er selbst zog sich auf die Rolle des Jurors zurück und begutachtete die Leistungen anderer Friseure. Der Beruf sei mit dem Ausbildungsstand heute nicht mehr vergleichbar. „Als ich angefangen habe, konnte man nicht richtig färben. Strähnchen gingen gar nicht, Farben musste man selbst mischen, und die sind dann stets verlaufen. Heute gibt es viel hochwertigere Produkte. Dafür war die Dauerwelle populär, nach der kaum noch gefragt wird. Dafür werden heute, gerade weil es keine Dauerwellen mehr gibt, die Haare viel sorgfältiger geschnitten“, plaudert Hess aus dem Erfahrungsschatz eines Altmeisters. Heute seien Frisuren viel individueller, ein Friseur müsse heute auch die Struktur der Haare im Blick haben. Das habe man zu seiner Zeit nicht gekannt.

Den Meisterbrief, den er schon seit 65 Jahren hat, hält er für „unbedingt zeitgemäß“. Der zeichne für die hohe Qualität im deutschen Handwerk aus und sei in einigen Bereichen abgeschafft worden, was er nicht verstehen könne. „Wir arbeiten mit Menschen und mit Chemie. Da muss man etwas können und gut ausgebildet sein. Auf den internationalen Wettbewerben haben wir immer gesehen, was die deutsche Ausbildung Wert ist“, sagt er heute. Bei Friseuren sieht er heute das Problem, dass der Nachwuchs gut bezahlt werden muss und von dem Job leben können muss. Arbeitgeber sollten über den Mindestlohn hinausgehen und ihren Mitarbeitern Freizeit gewähren. Diese vom reinen Lohn unabhängigen Leistungen seien enorm wichtig. Hinter seinem Salon (heute dem Salon seines Sohnes) liegt ein kleiner Garten. „Mich darum zu kümmern, hält mich jung. Dort bin ich jeden Tag“, sagt Hess.

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