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Feinjustierung der Energiewende

 Rund 150 Bürger kamen zur Windkraft-Info in den Abteihof in Wadgassen. Foto: Frank Villmen
Rund 150 Bürger kamen zur Windkraft-Info in den Abteihof in Wadgassen. Foto: Frank Villmen FOTO: Frank Villmen
Wadgassen. Bürger bezweifeln den Sinn des einzigen in Wadgassen beantragten Windrades. Sie wollen den Wald erhalten. Johannes Werres

Auch in Wadgassen hält sich weiter Widerstand gegen den Bau von Windrädern im Wald, wie bei einer Infoveranstaltung mit Bürgermeister Sebastian Greiber am Montag deutlich wurde. Am Ende platzte Michael Grittmann, Naturschutzbeauftragter der Gemeinde und stellvertretender Landesvorsitzender des Bundes Umwelt- und Naturschutz (BUND), der Kragen: Man möge doch bitte nicht außer Acht lassen, um was es bei der Energiewende gehe. Und in Wadgassen streite man zäh um ein einziges Windrad - "als jede Menge Wald für den Lisdorfer Berg abgeholzt wurde, hat das keinen interessiert. Und als in Ensdorf ein Kraftwerk gebaut werden sollte, hat Wadgassen zugestimmt."


Das ist eigentlich die Grobrichtung, eigentlich auch die der BI zum Schutz des Wadgasser Waldes, die ja nicht gegen Windkraft ist, sondern nur gegen Windräder im Wadgasser Wald. Trotzdem erntete Grittmann Unmut. Dieser Unmut treibt ebenso wie die Politik der Gemeinde die Feinjustierung der Energiewende vor Ort voran. Da sieht es, sagte Bürgermeister Sebastian Greiber, derzeit so aus: Die Windpotenzialanalyse der Landesregierung von 2011 sah für Wadgassen vier Flächen als geeignet vor. Sie könnten ohne Weiteres mit Windrädern bebaut werden, falls keine sachlichen Gründe entgegenstehen: Lärm etwa oder Naturschutz. Konkretes Interesse hat ein Investor, die Firma Nadeva, an einem Windpark Überherrn-Wadgassen. Wie eine Kette zieht der sich durch den Wadgasser Wald, geplant vier Räder auf Wadgasser und fünf auf Überherrner Seite. Aufgestellt werden, sagte Nadeva-Projektierer Achim Kessler auf Nachfragen aus dem Publikum, neue, knapp 200 Meter hohe Siemensturbinen für Schwachwindgebiete, von denen bislang nur ein Prototyp in Dänemark laufe.

Die Gemeinde Wadgassen hat nun die einzige Möglichkeit genutzt, Einfluss auf die Windräder-Planung zu nehmen. Sie legte für zwei Jahre eine Veränderungssperre über die Flächen und bereitete eine Änderung ihres Flächennutzungsplanes (FNP) vor. Darin weist sie genannte Konzentrationsflächen für Wind aus. Nur da dürfen dann Windmühlen gebaut werden. Der FNP darf den Bau von Windrädern allerdings nicht grundsätzlich verhindern.



In die Vorbereitungen des FNP konnten sich unter anderem der Naturschutz und die Bürger mit Einwänden einbringen.

Der FNP-Entwurf sieht nun das Gebiet "Buchholz" im Wadgasser Wald als einzigen möglichen Standort (Konzentrationsfläche) vor. Das Gelände wurde von anfangs 50 auf jetzt 21 Hektar verkleinert. Drei bisher mögliche Standorte fallen da heraus. Denn der FNP soll den Mindestabstand zur Wohnbebauung auf 1000 Meter mindestens festlegen. Bleibt ein einziger Standort im "Buchholz", der allerdings laut Greiber dann um mehr als 100 Meter verschoben werden müsste.

Für diesen einen Standort hat Nadeva einen Antrag eingereicht. An den übrigen drei bis vier hat sie laut Kessler derzeit schon aus wirtschaftlichen Gründen kein Interesse. Das aber könnte sich mit dem Fortschritt der Turbinen-Technik auch ändern.

Fünf Wadgasser Ortsräte haben zugestimmt, nur der in Wadgassen selbst sagte Nein. Der FNP-Entwurf steht am Dienstag, 4. April, im Gemeinderat zur Abstimmung.

Das Publikum im Abteihof, rund 150 Interessierte, bezweifelte die Rentabilität der Anlagen, wenn die Subventionen herausgerechnet seien. Kurz, Wald werde vernichtet, um "Subventionen brutal abzugreifen".

Ex-Bürgermeister Harald Braun sprach den naturfachlichen Untersuchungen den Wert ab, weil sie die Bewegungsmuster von Tieren falsch erfassten. Unbefriedigend blieben für das Publikum auch Aussagen des Projektentwicklers: dass nur 0,7 Hektar Wald pro Windrad dauerhaft verbraucht würden, und dass vernichtete Waldflächen "eins zu eins" ausgeglichen würden.