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Große Bauwerke ganz klein
Er baut seine Heimat in Klitzeklein nach

Bernhard Wernicke aus Wadgassen hat zahlreiche Gebäude im Maßstab 1:160 nachgebaut – darunter auch den Abteihof.
Bernhard Wernicke aus Wadgassen hat zahlreiche Gebäude im Maßstab 1:160 nachgebaut – darunter auch den Abteihof. FOTO: Ruppenthal
Wadgassen. Bernhard Wernickes Modelleisenbahn fährt nicht durch anonyme Landschaften, sondern durch Wadgassen und Co. Von Barbara Scherer

Der Abteihof in Wadgassen ist ein imposantes Gebäude – selbst dann, wenn er nur als Modell im Maßstab 1:160 dargestellt ist. Die kleine Nachbildung des charakteristischen Baus steht im Keller von Bernhard Wernicke in Wadgassen. Der 57-Jährige hat in den vergangenen fünf Jahren eine umfangreiche Modelleisenbahn-Anlage in seinem Keller angelegt. Das Besondere: Anstatt mit Standard-Gebäuden der bekannten Hersteller hat er sie mit typischen Gebäuden und Straßenzügen von Völklingen bis Wadgassen ausgestattet.


„Mein Uropa hat mir 1966 eine batteriebetriebene Eisenbahn gekauft, die ist im Oval gelaufen“, erinnert sich Wernicke zurück. Das Blechspielzeug ist irgendwann kaputt gegangen, die Liebe zu den Zügen im Miniaturformat ist geblieben. „1977 habe ich angefangen mit Miniclub“, erzählt er, also Zügen im Maßstab 1:220. Viele Jahre lang hat er Eisenbahn-Magazine gekauft, gelesen und vieles aufbewahrt. Als er dann vor fünf Jahren nach Wadgassen zog, startete er das Großprojekt in seinem Keller.

Wichtig ist Wernicke dabei neben der klaren lokalen Verortung der Anlage deren Preis. „Es ist ein bezahlbares Hobby“, betont er. Für viele Gebäude greift er auf günstige Materialien zurück und baut sie selbst. Die Bäume, die er aus Traubenästen bastelt, kosten ihn gerade mal zehn Cent pro Stück. An einer Stelle der Anlage steht eine verfallene Scheune. „Die besteht aus Rührstäbchen, Furnierholz und Tempo“, beschreibt er die Materialien. Die Scheune ist zudem ein gutes Beispiel für die Liebe zum Detail: „Da steht auch ein altes Auto drin“, sagt Wernicke – und tatsächlich: Bei einem genauen Blick durch das kaputte Scheunentor entdeckt man das Fahrzeug.



„Man muss sich die Anlage mit den Augen erarbeiten“, sagt Wernicke. In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Von den Ortsschildern an den Straßen über muntere Mini-Schweinchen beim Bauern bis hin zu einer Malerkolonne irgendwo in Völklingen. „Der Lehrling hat den Auftrag bekommen, das Fenster zu streichen“, erzählt Wernicke und schmunzelt mit Blick auf die von der Figur in Weiß gestrichene Scheibe: „Das hat er sehr wörtlich genommen.“ Auch seinen Arbeitgeber hat Wernicke verewigt: Saarstahl, wo er in der Werkskantine arbeitet.

Bis alles fertig ist – der Abschnitt Wadgassen ist im Bau – gehen nach seiner Schätzung noch fünf Jahre ins Land. Ideen für die weitere Gestaltung hat er aber schon einige. „Dahinten kommt noch die alte Volksschule hin“, erzählt er und zeigt auf einen bislang noch leeren Bereich. „Und hier wird auch noch eine Straßenbahn fahren“, ergänzt er – so, wie sie es früher von Wadgassen nach Saarlouis getan hat.

Die Anlage zeigt viele kleine Alltagsszenen: Hier hat der Lehrling seinen Auftrag, das Fenster zu streichen, etwas zu wörtlich genommen.
Die Anlage zeigt viele kleine Alltagsszenen: Hier hat der Lehrling seinen Auftrag, das Fenster zu streichen, etwas zu wörtlich genommen. FOTO: Ruppenthal