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Modelleisenbahn
„Die Eisenbahn soll eine Geschichte erzählen“

Schon seit fünf Jahren arbeitet Bernhard Wernicke aus Wadgassen an seiner Modelleisenbahnanlage, die viele Gebäude aus Völklingen, Püttlingen und Wadgassen in originalgetreuen Nachbauten zeigt.
Schon seit fünf Jahren arbeitet Bernhard Wernicke aus Wadgassen an seiner Modelleisenbahnanlage, die viele Gebäude aus Völklingen, Püttlingen und Wadgassen in originalgetreuen Nachbauten zeigt. FOTO: Ruppenthal
Wadgassen. Bernhard Wernicke aus Wadgassen hat zahlreiche Szenerien entlang der Strecke von Völklingen nach Wadgassen nachgebaut. Von Barbara Scherer

Die Kirche von Wadgassen steht im Keller von Bernhard Wernicke. Außerdem der Abteihof und die Tankstelle des Ortes, das alte Rathaus von Völklingen, das Kloster in Püttlingen, der dortige Bahnhof und viele weitere unverkennbare Bauwerke. Natürlich nicht in Originalgröße, sondern im Maßstab 1:160, einer gängigen Größe im Modelleisenbahn-Bau.


Angefangen hat alles vor fünf Jahren, als der gebürtige Völklinger das Haus in Wadgassen bezog und sich eine Modelleisenbahn-Anlage bauen wollte. Der Startpunkt: leere Tische in einem Raum im Keller, ein paar Gleise und der Bahnhof von Völklingen. „Die Idee war: Ich will nicht irgendeinen Bahnhof hinstellen, von dem ich nicht weiß, wo er steht“, erläutert Wernicke. Deshalb beschloss er, möglichst originalgetreue Gebäude zu benutzen.

Um den Bahnhof nachzubauen, hat der 57-Jährige zunächst das Original fotografiert und dann alles genau ausgemessen. Die Baumaterialien: Kunststoff- und Kartonplatten, „und das Dach ist 100er Nassschleifpapier“, erläutert er. An Materialien verbaut er in seiner Anlage so ziemlich alles: Aus Trauben­ästen, Kokosfasern und Streumaterial entstehen Bäume, aus geviertelten Streichhölzern die Leitpfosten an der Straße. Die Bist, die durch die Lande fließt, besteht aus Window-Color, das Schilf an ihrem Ufer ist eingefärbter Dichtungshanf. „Kein Geld zu haben macht kreativ“, lacht Wernicke – allerdings will er auch gar keine teuren Standard-Teile, sondern individuelle, selbst gemachte. Das geht vom selbst in Werbeln gesammelten Sand bis zur Zweckentfremdung des Vanillezuckersiebs seiner Frau zur Begrünung der Anlage.



Der Grundstock der Landschaften in Wernickes Keller sind Styrodur-Platten, die zugeschnitten und aufeinandergelegt werden. Es folgen Gips, eine Schicht Farbe, Sand und schließlich die Begrünung. Bei der Gestaltung der Landschaft legt er Wert auf Details. „Die Eisenbahn soll auch eine Geschichte erzählen“, betont er und plaudert gleich lebhaft über das, was die winzigen Figuren in der Anlage erleben. „Das ist Onkel Heinrich“, berichtet er und zeigt auf eine Figur, die in einem Schrebergarten neben dem Püttlinger Bahnhof steht und Unkraut jätet. Ob Onkel Heinrich der Lärm der vorbeifahrenden Züge denn nicht stört? „Er hat sich daran gewöhnt“, antwortet Wernicke schmunzelnd. Denn schließlich hat Onkel Heinrich 40 Jahre bei der Bahn gearbeitet.

Neben der unzähligen kleinen Details sind die „großen“ Highlights die Gebäude von Völklingen bis Wadgassen. Für den Großteil dieser Nachbildungen arbeitet Wernicke mit dem Schweizer Künstler Manfred Feiss zusammen. Wernicke macht Fotos der Gebäude und schickt diese an Feiss, der daraus Bastelbögen aus Karton macht und zurückschickt. Vereinfacht gesagt muss Wernicke die Teile dann nur ausschneiden und zusammenkleben. Doch bei den oft zahlreichen Kleinteilen sind präzises Arbeiten und sehr viel Geduld gefragt.

Bis die Anlage fertig ist, werden nach Wernickes Schätzung weitere fünf Jahre ins Land gehen. Geplant hat er noch einiges: den ganzen Bereich Wadgassen fertigstellen, die Wadgasser Straßenbahn wieder zum Leben erwecken und der ganzen Szenerie mit einem Fotohintergrund mehr Leben verleihen zum Beispiel.

Völlig dem Original entsprechen wird die Anlage nicht, aber das ist auch nicht Wernickes Anspruch. „Man muss Sachen weglassen“, betont er, und das Zusammenspiel der Züge, Gebäude und des geplanten Hintergrundes ist nicht historisch aufeinander abgestimmt. Doch der Wiedererkennungswert der Gebäude ist ihm wichtig – und auch ganzer Straßenzüge oder Bereiche. So verläuft die B  51 im Modell genauso wie in der Realität in einer S-Kurve unter der Hauptstrecke hindurch. Wenn jemand die Szenerien sofort erkennt, ist Wernickes Ziel erreicht: „Ich baue eine Anlage, bei der ich nicht alles erklären muss.“

Onkel Heinrich arbeitet in seinem Schrebergarten. Zahlreiche Geschichten wie diese verstecken sich in der hübschen Modellbau-Welt.
Onkel Heinrich arbeitet in seinem Schrebergarten. Zahlreiche Geschichten wie diese verstecken sich in der hübschen Modellbau-Welt. FOTO: Ruppenthal
. . . oder auch die Kirche von Wadgassen.
. . . oder auch die Kirche von Wadgassen. FOTO: Ruppenthal
. . . wie der Bahnhof in Püttlingen . . .
. . . wie der Bahnhof in Püttlingen . . . FOTO: Ruppenthal
Das Alte Rathaus in Völklingen ist genauso Teil der Anlage . . .
Das Alte Rathaus in Völklingen ist genauso Teil der Anlage . . . FOTO: Ruppenthal