Die Angst vor der Armutsfalle

Schaffhausen. "Armut darf man nicht unter den Teppich kehren", betonte der saarländische DGB-Vorsitzende, Eugen Roth. Denn dahinter steckten "systemische Anreize, die immer mehr Arme und immer weniger Reiche hervorbringen"

Schaffhausen. "Armut darf man nicht unter den Teppich kehren", betonte der saarländische DGB-Vorsitzende, Eugen Roth. Denn dahinter steckten "systemische Anreize, die immer mehr Arme und immer weniger Reiche hervorbringen"."Armut im Saarland" war am Dienstagabend das Thema einer Informations- und Diskussionsveranstaltung im Katholischen Pfarrheim Schaffhausen. Eingeladen hatten die Katholische Arbeitnehmerbewegung Schaffhausen-Hostenbach und der DGB-Ortsverband Wadgassen. Die gesellschaftliche Schieflage sowie einige der wesentlichen Ursachen sprach vor etwa 50 Personen Referent Egbert Ulrich an, Vorsitzender der Saarländischen Armutskonferenz.

Die Diskussion habe sich verlagert von der Frage "haben wir Armut?" hin zu "ist die Armut wirklich so schlimm?". Die gebe es in den westlichen Bundesländern vor allem im Ruhrgebiet und im Saarland.

Viele Menschen und Familien seien im Saarland von prekären Lebensverhältnissen betroffen. Ihr Anteil "ist überproportional hoch im Vergleich zu den restlichen Bundesländern".

Eine Veränderung erfordere frühzeitige politische Weichenstellungen, merkte Ulrich an. Doch Hartz IV zeige eine andere Richtung. Denn gleichzeitig damit sei der Niedriglohnsektor etabliert worden. Und egal, wie lange jemand gearbeitet hat, nach zwölf Monaten falle er in die Grundsicherung. Wer das verhindern wolle, müsse jede Arbeit zu jeder Bedingung annehmen.

"Die Angst vor Hartz IV im Nacken hat uns mürbe gemacht, statt dagegen aufzustehen", wies Ulrich auf die auf breiter Basis fehlenden Proteste hin. Eine ältere Frau im Publikum sprach an, dass durch vielfach fehlende Sozialbeiträge die Bedingungen für Altersarmut begünstigt würden. Deshalb forderte Ulrich Mindestlöhne und Sozialabgaben ab dem ersten verdienten Euro.

"Armut ist nicht nur Hartz IV", machte Gastgeber Peter Kleber vom DGB-Ortsverband Wadgassen deutlich. "Sie ist überall". Und es sei nicht akzeptabel, dass zwei bis drei Jobs notwendig wären, um angemessen leben zu können.

Daten über die Situation im Saarland entnahm Egbert Ulrich der "Sozialstudie 2009". Diese findet sich per Suchbegriff im Internet.