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Bücher
Betrachtungen mit Tiefgang

Patrik H. Feltes mit seinen neuen Büchern im Deutschen Zeitungsmuseum.
Patrik H. Feltes mit seinen neuen Büchern im Deutschen Zeitungsmuseum. FOTO: Johannes A. Bodwing
Wadgassen. Patrik H. Feltes stellte im Wadgasser Zeitungsmuseum zwei neue Werke vor. Von Johannes Bodwing

Bei rosafarbenen Wolken denkt Patrik H. Feltes an künstlichen Marmor. Kugelförmige Enden von Platanenästen erinnern ihn an „Käpp“. Was ihn inspiriert hält er auf Fotos fest, denen er mit Gedichten neue Facetten zufügt. Über zwei aktuelle Bücher sprach Feltes in diesen Tagen, den passenden Rahmen bildeten das Zeitungsmuseum Wadgassen sowie die ehemalige Kristallerie.



Von Haus aus hat Feltes Komparatistik studiert, vergleichende Literaturwissenschaft. In der Vielfalt von Historie, Kunst und Fantasie spannt er seine Texte auf. Großen Anteil hat dabei die Geschichte seines Heimatortes Wadgassen. „Meine Familie, das waren Glasmacher“, erzählte er. So verwundert es nicht, dass sein Großonkel mit einem Foto im Buch vorkommt und ein Gedicht bekommen hat. „De Glaascaraff“ heißt es. Das Buch selbst trägt den Titel „memento vitri abbatiæque“ (Erinnerungen an Glas und Abtei). Es ist quadratisch und hat 78 Seiten.

„Das ist kein Geschichtsbuch“, verdeutlichte Feltes. Es enthalte auch wenig in Mundart. Aber die vielfältige Historie schimmert überall durch, Bilder und Texte erinnern an viele verloren gegangene Motive. Seien es die Aufbauten der Kristallerie, die lange Rampe zum ersten Stock oder Details aus dem Inneren der Gebäude. „Das ist ja alles nicht mehr da“, sagte Feltes und blätterte im Buch. „Und der Zerfall des Kristalleriegebäudes hat einen Bezug zum alten Kloster. Das ist ebenfalls verfallen.“

Diese beiden historischen Ebenen hat er in lyrischer Form verarbeitet. Dazu findet sich beispielsweise eine Elektroinstallation mit offenen Schaltschränken. Daneben das Gedicht „advent“ mit der ersten Zeile „die grauen türchen geöffnet hüttenadventskalender geschichtenzentrale ...“. „Lyrik verkauft sich ja nicht wirklich gut“, merkte er an. Trotzdem macht er Bücher mit Gedichten und Fotos.

Auf die Frage nach dem Warum antwortete er: „Ich möchte mich an Leser wenden, die noch unbefangen an so etwas herangehen.“ In einer Welt, die überflutet werde von optischen Eindrücken, möchte er die Wahrnehmung auf einzelne Aspekte konzentrieren. Auf Zusammenhänge, Hintergründe und freie Assoziationen. Dazu gehört auch ein schmales Bändchen im Querformat mit dem Titel „Von Bildern und Dingen Tröst- und Nachdenkliches“.



Dieses enthält Eindrücke aus einem Umkreis bis Metz, Nancy und Colmar. Auf 60 Seiten destilliert Feltes aus Alltäglichem poetische Betrachtungen. „in rost versperrt der wunsch nach guten zeiten“, heißt es neben dem Foto eines Vorhängeschlosses. Oder nach einem Ausflug nach Metz und mit der Aufnahme von Fenstern: „im sonnenglas das häuserbild von metz ...“. Als Besonderheiten sind zwei Auszüge aus der Lutherbibel enthalten. Die Geschichte von Jonas und dem Wal sowie Jesus auf dem See Genezareth. Die neuen Bücher sind nicht im Handel erhältlich. „Ich verkaufe sie zum Selbstkostenpreis.“

Info: Tel. (06 81) 30 39 53 03, Internet: