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Turnen
Pippi begeistert auch im Digital-Zeitalter

 Beim sogenannten Seitspreiz braucht Mia Troia, 6, vom TV Schaffhausen ihre ganze Körperbeherrschung.
Beim sogenannten Seitspreiz braucht Mia Troia, 6, vom TV Schaffhausen ihre ganze Körperbeherrschung. FOTO: Tina Leistenschneider
Hostenbach. Der TV Schaffhausen war zum zweiten Mal nach 2017 Ausrichter des Pippi-Langstrumpf-Pokals. 140 begeisterte Turnerinnen aus dem ganzen Saarland machten mit. Pippi Langstrumpf ist auch heute noch ein Synonym für Stärke. Von Tina Leistenschneider

„Am-e-lie! Am-e-lie!“, rufen die Kinder ihr zu. Mit den Füßen trommeln sie auf den Boden, klatschen in die Hände und machen beachtlich viel Lärm, um die Freundin anzufeuern. Mit einem beherzten Hops fasst die zierliche Fünfjährige das Seil. Ihre kleinen Hände umgreifen das Tau, dann schiebt sie ihre Füße ebenfalls ein Stück nach oben – und kämpft sich Stück für Stück nach oben. Nur noch ein kleines bisschen, dann hat sie es in vier Metern Höhe geschafft – beinahe in Bestzeit. Ihre Trainerin Hannah Schmitt und ihre Freundinnen vom TV Schaffhausen jubeln ihr zu.


Wer es schafft, die vier Meter in 22 Sekunden zu erklimmen, bekommt die höchste Punktzahl im Wettkampf: Zehn Punkte. Amelie war den Wimpernschlag von einer Sekunde zu langsam – dafür erhielt sie sieben.

Überhaupt wird an diesem Sonntag in der Hostenbacher Glückauf-Halle um viele Punkte gekämpft. Namensgeber des Wettbewerbs und Vorbild für die Turnerinnen ist ein freches, starkes Mädchen mit langen, roten Zöpfen und einer Extraportion Mut – Pippi Langstrumpf. Mühelos stemmt Astrid Lindgrens Kinderfigur ihr Pferd „Kleiner Onkel“ in die Luft, während ihr kleines Äffchen, Herr Nilsson, es sich auf ihren Schultern bequem macht. Ob sie so stark wie Pippi Langstrumpf sind, wollten rund 140 Mädchen aus dem Saarland und anderen Bundesländern beim gleichnamigen Pokal wissen. Der Saarländische Turnerbund veranstaltet den Wettkampf seit 2010 und will so den jüngsten Nachwuchs in den Turnvereinen fördern.



Ob im Digital-Zeitalter auch alle Kinder Pippi kennen? „Ja“, kommt es überzeugend unisono aus ihren Mündern, während Nia Scherer die Titelmelodie der Serie anstimmt. „Zwei mal drei macht vier, widdewiddewitt und drei macht Neune“, singt die Fünfjährige vom TV Lebach. Woher sie die Kultfigur kennen? „Aus dem Fernsehen und Kindergarten“, sagt die fünfjährige Hannah Becker vom TV Lebach.

Währenddessen kämpft Selma Kurz vom TV Limbach beim „Schweizer“ um jede Sekunde in der Luft. „Hier braucht man Kraft“, erklärt die Sechsjährige. „Ich will so stark werden wie Pippi“, sagt Helen Birk vom TV Püttlingen stolz. Turnen mache ihr viel Spaß. „Weil ich dann beweglich bin und meinen Freunden im Kindergarten zeigen kann, wie es geht“, erzählt sie stolz.

Die erstplatzierten Turnerinnen jeder Wettkampfklasse erhalten einen Pokal. Wer die athletischen Normen erfüllt und 60 Prozent der Punkte erreicht, bekommt den Titel „so stark wie Pippi Langstrumpf“ verliehen. Verlierer gibt es aber nicht. Wer weniger Punkte erzielt, ist „ziemlich stark“, „sehr stark“ und „fast so stark wie Pippi“.

Mit dabei waren auch alle Turnerinnen des Landeskaders der Altersklassen sechs bis acht der Turn-Talentschule Saarbrücken. Ausrichter des Turniers war der TV Schaffhausen, der 21 Turnerinnen ins Rennen schickte. Die Athletinnen im Alter zwischen vier und neun Jahren bewiesen an zehn Stationen wie Sprint, Seitspreizen und Querspagat ihre Schnelligkeit, Kraftausdauer und Beweglichkeit.

Dass dabei die Mitglieder des Landeskaders die Nase etwas weiter vorne haben, war zu erwarten: Während so mancher Turnerin noch ein paar Zentimeter bis zum Boden fehlen, meistern andere den Spagat nahezu mühelos – da lassen die Kampfrichter auch das Metermaß beiseite. Zum Landeskader gehört auch die sechsjährige Mia Troia vom TV Schaffhausen, die dreimal in der Woche in Saarbrücken trainiert. Auch die „Briefmarke“ gelingt ihr meisterhaft. „Dabei müssen wir uns im Rechteck hinsetzen und versuchen, mit der Brust den Boden zu erreichen“, erzählt sie.

An jeder Station werfen Kampfrichter des STB ein prüfendes Auge auf die Talente und motivieren die Kinder, ihr Bestes zu geben. „Die Kinder machen die Übungen technisch schon sehr sauber“, sagt Judith Groß, Wettkampfleiterin vom STB. Mit ihrer Schätzung, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmerinnen mindestens 60 Prozent der Punkte erreicht, behielt sie recht. Zur Belohnung erhalten sie ein T-Shirt.

Nicht von der Seite ihrer Schützlinge weichen die Trainerinnen. Sie geben Hinweise, wie die Kinder die Füße strecken und den Rücken gerade halten müssen. Mit „komm, du schaffst das“ oder „nur noch ein Stückchen“ motivieren sie die jungen Sportlerinnen immer wieder zu ihrer Bestform. Und zum Ehren-Titel „stark wie Pippi Langstrumpf“.