130 Musiker zogen alle Register

Der Besuch des Neujahrskonzerts des Orchestervereins Wadgassen scheint für viele Familien, insbesondere die Angehörigen von Orchestermitgliedern, ein Herzensanliegen zu sein. Die Glückauf-Halle war mit 700 Besuchern restlos ausverkauft. Nicht zuletzt ist das Konzert für viele auch ein Treffpunkt zu Beginn des neuen Jahres.

Los ging's mit dem Einzug des Traditionsmusikkorps 30. Infanterieregiment "Graf Werder", das unter der Leitung von Björn Jakobs mit dem Fredericus-Rex-Marsch und Preußens Gloria das Publikum bereits in festliche Stimmung brachte und mit dem Radetzky-Marsch das Terrain wieder verließ, um den Musikern auf der Bühne das Feld zu überlassen.

Was wäre der Orchesterverein Wadgassen wohl ohne die Jakobsbrüder? Während Björn Jakobs das Schülerorchester 1 leitet, steht Holger Jakobs dem mit Schlagwerk besetzten Großen Blasorchester vor. Auch die nächste Generation, Julian Jakobs, ist bereits von der Leidenschaft, ein gut aufgestelltes Blasorchester zu dirigieren, erfasst. Im Wechsel mit Anna Nicolay schult er das Schülerorchester 2 - Sieben- bis Zwölfjährige, die Jüngsten im Verein. Kein Wunder, dass sie aufgeregt auf ihren Einsatz warteten. Sie folgten dem Motto "Filmmusik" und spielten unter anderem Highlights aus den Harry-Potter-Filmen sowie die Titelmusik zu "Star Wars".

Nach einer rockigen Zugabe übernahm Björn Jakobs den Dirigentenstab. Auch hier standen Melodien aus Filmen wie "Star Trek", "The Big Panther" und "Swanee" von Gershwin auf dem Programm. Mit einem gewissen Jazz-Feeling brachten die sauber intonierten Bläser durchaus "the easy way of living" rüber. Tempi-, Tonarten- und Taktwechsel sowie Klangeffekte wurden professionell beherrscht und mit reichlich Applaus belobigt, so dass auch hier eine Zugabe heraussprang.

Ein Ständchen leitete den zweiten Teil des Abends ein. Das Große Blasorchester gratulierte seinem Dirigenten Holger Jakobs zum Geburtstag. Danach erwartete die Besucher anspruchsvolle Literatur. Den Auftakt machte das Bizet-Opus "Les Toréadors" der Carmen Suite Nr.1, das die Stimmung wieder aufheizte. Dagegen war das dreisätzige Werk "The White Tower" des zeitgenössischen Komponisten Otto M. Schwarz eher schwere Kost. Wie Moderatorin Martha Schmitt erläuterte, handelt es sich um eine vertonte Räubergeschichte aus dem 18. Jahrhundert. Immer wiederkehrende Tonpassagen auf den vor allem virtuos gespielten Xylophonen vermittelten den Eindruck von Gefahr und Tumult, der durch Stimmengewirr sowie Trommel- und vier Kesselpaukenschläge verstärkt wurde. 20 Minuten Lautmalerei auf hohem Niveau, wobei alle Parameter guter Blasmusik beherrscht wurden. Rossinis Ouvertüre aus "L'Italiana in Algeri" beruhigte die Gemüter. Auch das perfekte Spiel von Anna Nicolay und Florian Zipfel begeisterte. Sie schmissen (im übertragenen Sinn) mit Verve "Klarinettengutsje" ins Publikum.

Nach drei Stunden war der Zauber zu Ende. Mit "Bahn frei", der rasanten Polka von Eduard Strauss, und dem Radetzky-Marsch entließ der Orchesterverein seine Gäste.