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100 Jahre alte Häuser mit Charme

 Hellgelbe Fassaden und rote Dächer kennzeichnen das Ensemble der ehemaligen Bergmannssiedlung "Im Bungert" in Schaffhausen. Foto: Johannes A. Bodwing
Hellgelbe Fassaden und rote Dächer kennzeichnen das Ensemble der ehemaligen Bergmannssiedlung "Im Bungert" in Schaffhausen. Foto: Johannes A. Bodwing
Schaffhausen. Einen ganz eigenen Charme besitzt die ehemalige Bergmannssiedlung "Im Bungert" in Schaffhausen. 1911/13 für Bergleute der Grube Schaffhausen erbaut, leben heute Menschen mit unterschiedlichsten Berufen in dem denkmalgeschützten Gebäudekomplex. Von SZ-Mitarbeiter Johannes A. Bodwing

Schaffhausen. Wie der Eingang in eine andere Zeit ist die Einmündung von "Im Bungert" in die Tischenstraße. Zu beiden Seiten stehen hellgelbe Häuser mit roten Dächern und weißen Fensterläden. Als zusammenhängender Gebäudekomplex erstrecken sie sich um die 80 Meter weit bis etwa zur Hälfte zwischen Tischen- und Sengsterstraße in Schaffhausen. Erbaut wurde dieser Komplex 1911/13, teilte das Landesamt für Denkmalpflege mit. Damals ließ der Hüttenbaron Röchling in Schaffhausen eine Siedlung für Beamte und Angestellte errichten. "Das war hier nur für Steiger", sagt Horst Herrmann, ein ehemaliger Bergmann. "Das waren zu der Zeit damals hoch angesehene Leute." Ein Eindruck, den die Häuserreihen noch heute vermitteln.Doch weshalb baut ein Hütten-Unternehmer Häuser für Bergleute? Das sei im Zusammenhang mit der in den 30er Jahren geschlossenen Grube Hostenbach erfolgt. "Die aus da Kolonie" habe es lange Zeit geheißen, sagt Schaffhausens Ortsvorsteher Albert Wagner. Mehrfach habe der Eigentümer gewechselt, mal war das die Hütte, mal die Grube. Später wurden die Häuser eine Zeit lang für Sozialfälle genutzt, und in den 80er Jahre war sogar ein Abriss im Gespräch. "Wir waren die Ersten, die hier hergezogen sind", sagt Horst Herrmann.


1987 war das. In dem Jahr wurde der gesamte Komplex als Bergmannssiedlung prämiert und die Straße wurde neu gemacht. Immer mehr Anwohner treffen sich zwischen den Gebäuden und erzählen. Vom Bäcker bis zu den notwendigen Geschäften für den Alltagsbedarf sei alles nicht weit weg, heißt es da. In dem kurzen Straßenabschnitt gebe es etwa zehn Kinder. Eine fruchtbare Ecke sei das, meint jemand lachend.

"Wir sind in die Straße reingefahren", erzählt einer, "da hat meine Frau schon gesagt: Ist das schön!" Schwieriger könnte es aber werden, wenn man älter werde und gebrechlicher. "Denn die Bäder liegen bei fast allen ganz oben."



Zwei Stockwerke sind es jeweils, darüber liegen Wohnräume unter dem hohen Dach. Keller gebe es nicht. "Statt in den Keller", sagt eine Frau, "schleppt man dann alles hoch auf den Speicher". Ein Eigentümer wohnt in der Kurve. Sein Haus ist vorne um die sechs Meter breit, nach hinten weitet es sich auf 13 Meter. Während Ortsvorsteher Wagner mit den Anwohnern einen Termin für eine Pflanzaktion klar macht, zeigt jemand, wie es hinter den Häusern aussieht. Gebogene Tore führen von der Straße weg. Gepflegte Gärten liegen dort und kleine gemauerte Räume wie schmale Abstellkammern. In denen wurde früher die Kohle gebunkert. Aber davon stamme der Name "Im Bungert" nicht, erklärt Günter Kreis. "Ein Bungert war früher eine Obstwiese, so wie ein Wingert ein Weingarten war."

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 Hellgelbe Fassaden und rote Dächer kennzeichnen das Ensemble der ehemaligen Bergmannssiedlung "Im Bungert" in Schaffhausen. Foto: Johannes A. Bodwing
Hellgelbe Fassaden und rote Dächer kennzeichnen das Ensemble der ehemaligen Bergmannssiedlung "Im Bungert" in Schaffhausen. Foto: Johannes A. Bodwing