Vortrag in der Reihe „KSK im Dialog“ bei der Kreissparkasse Saarlouis

KSK im Dialog : So spannend kann Materialforschung sein

Er ist ein erfolgreicher Wissenschaftler mit breitem Betätigungsfeld: Professor Frank Mücklich war zu Gast bei „KSK im Dialog“. Es ging um zukunftsweisende Themen.

(red) „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung“, zitierte der Materialforscher Frank Mücklich den letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. Als Beleg dafür, „dass (technologische) Wahrheit immer nur vorläufig ist, dafür sorgt die Wissenschaft“. Zwischen beiden Sätzen: ein weitblickender, selbst für Laien äußerst spannender Vortrag darüber, wie die Materialforschung die Energiewende vorantreibt, und welche große Bedeutung auch hierzulande erforschte und entwickelte Hochleistungswerkstoffe für Elektromobilität, Solarzellen und Windräder haben. Rund 200 Gäste, darunter viele Vertreter einheimischer Unternehmen und Betriebe, waren der Einladung der Kreissparkasse Saarlouis zu dem Vortrag in der Reihe „KSK im Dialog“ gefolgt.

Neben Informatik und Biotechnologie ist die Materialforschung der Schlüssel zum technischen Fortschritt in diesem Jahrhundert, ist sich der in Schwalbach wohnende und an der Saar-Uni in Saarbrücken tätige Wissenschaftler sicher. So könnten Ressourcen durch Materialien, die sich an den Vorbildern der Natur orientieren, geschont werden, Leichtbau mithilfe von Super-Stahl möglich sein oder Solar-Werkstoffe mit doppelt so hohem Wirkungsgrad entstehen. Durchaus denkbar sei beispielsweise, dass viele unserer Hausdächer zukünftig mit Solarmodulen anstatt mit Ziegeln gedeckt werden und auch Fassaden für die Energiegewinnung mittels Fotovoltaik genutzt werden.

Für Mücklich ist die Energiewende gerade auch eine Materialwende. So treibe die Materialforschung die Energiewende deutlich voran und habe damit starken Einfluss auf die Energieversorgung der Zukunft. „Eigentlich sind wir erst am Anfang“ sagt Mücklich und beschreibt das Potenzial an Unerforschtem, das es noch auszuloten gilt, am Beispiel der Weiterentwicklung von Stahl. Hier gebe es immer noch große Chancen, international ganz vorne zu sein, gibt sich der Wissenschaftler optimistisch.

Aus Sicht der Materialforschung habe Deutschland alle Chancen und Möglichkeiten sowie die nötige Vielfalt an Werkstoffkompetenz, die Energiewende zu bewältigen. Mücklich selbst hält mehrere Patente in diesem Bereich. Wichtig sei aber, dass nicht nur auf eine bestimmte Anzahl ausgewählter Technologien gesetzt wird, sondern gleichermaßen auf alle verfügbaren Techniken und Materialien. Von daher sei die Politik gut beraten, der Wissenschaft keine inhaltlichen Vorgaben zu machen.

Frank Mücklich, der zu seinem Vortrag von KSK-Vorstandsmitglied Stefan Klein freudig begrüßt wurde, ist Professor für Funktionswerkstoffe an der Universität des Saarlandes und Gründungsdirektor des Material Engineering Center Saarland. Gleichzeitig leitet er als Vorsitzender die von ihm gegründete Europäische Schule für Materialforschung EUSMAT. Seit vorigem Jahr ist er auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde.

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