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Vom perfekten Vortrag bis zur Ekstase

Vom perfekten Vortrag bis zur Ekstase

Saarlouis. Im Mittelpunkt stehen vier junge Menschen, ehemalige Studenten des angesehenen Saarlouiser Pianisten Wolfram Schmitt-Leonardy, der an der Musikhochschule in Saarbrücken und an der École normale de Musique de Paris Alfred Cortot unterrichtet: die Belgierin Stéphanie Proot, die Koreanerin Eun-Jae Chung sowie die Russen Viktor Urvalov und Petr Limonov

Saarlouis. Im Mittelpunkt stehen vier junge Menschen, ehemalige Studenten des angesehenen Saarlouiser Pianisten Wolfram Schmitt-Leonardy, der an der Musikhochschule in Saarbrücken und an der École normale de Musique de Paris Alfred Cortot unterrichtet: die Belgierin Stéphanie Proot, die Koreanerin Eun-Jae Chung sowie die Russen Viktor Urvalov und Petr Limonov. Alle haben 2009 hoch dotierte Preise in internationalen Wettbewerben gewonnen, erläutert Schmitt-Leonardy, der sichtlich stolz ist über ihre Erfolge.Kraftvolles SpielStéphanie Proot spielt die Rigoletto-Paraphrase von Liszt und "La Valse" von Ravel, Stücke, die neben Fingerfertigkeit nach Charakterschilderung und Stimmungen verlangen. Während sie bei Liszt trotz ihres kraftvollen Spiels noch Unsicherheiten zeigt, auch ein bisschen zu viel Pedal benutzt, gelingt es ihr bei Ravel, die Kontraste zwischen explodierenden Ausbrüchen und tänzerischen Passagen erlebbar zu machen.Mit der Sonate Nr. 1 des australischen Komponisten Carl Vine (geboren 1954), einem eher intellektuellen als emotionalen Werk mit Anleihen an den Jazz präsentiert sich Eun-Jae Chung.Überschäumende, rasende Läufe und wiederkehrende Akzentuierungen markieren klangliche Abstürze und meditative Sequenzen, die absolute Virtuosität und Souveränität verlangen. Viktor Urvalov gehört wohl nicht zu den Musikern, die angesichts schwelgerischer Klangkaskaden selbst ins Schwelgen geraten. Chopins Impromptu Op. 51 Ges-Dur, seine Etüde Op. 25 e-Moll und die Barcarolle Op. 60 Fis-Dur bewältigt er daher zwar analytisch wie virtuos perfekt, doch das Gespür für eben jene Tonlagen von Chopin, die sich dem harten Zugriff entziehen, fehlt. So leidet auch die Liszt-Etüde Nr.10 f-Moll unter dem Mangel an Differenzierung.Farbe für jeden Ton Bei allen Unterschieden fällt es schwer, jeder musikalischen Persönlichkeit gerecht zu werden, wenn sie den Vergleich mit Ausnahmetalenten wie Eun-Jae Chung und erst mit Petr Limonov aushalten müssen.Limonov, der bereits 2009 mit Rachmaninoffs 1. Klavierkonzert in Saarlouis Aufsehen erregte, macht das Publikum mit zwei Sonaten in Fis-Dur (Op. 53 Nr. 5 und Op. 30 Nr. 4) sowie zwei "Poems Op. 32" von Skrjabin vergessen, dass es ums Klavierspielen geht. Er hört sich selbst zu, gibt jedem Ton Farbe und entspricht somit dem Wunsch des Komponisten nach sinnlicher Ekstase: unangestrengte Tonmalerei, die ihn als Klang-Ästheten auszeichnen. Alle vier Pianisten bedanken sich mit einer Zugabe für reichlich Applaus.