| 20:06 Uhr

Vom kraftvollen Forte bis hin zu weichen Schattierungen

Dillingen. Nicht nur Mozart schlug düstere d-moll-Töne an (Requiem), auch Haydn beunruhigte die heile Welt der Wiener Klassik mit einer "in Sorgen und Ängsten" geschriebenen Komposition, der Missa in angustiis - Ausdruck kriegerischer Ereignisse in der "Franzosenzeit". Den Beinamen "Nelsonmesse" verdankt sie dem Sieg Admiral Nelsons über die Franzosen Von SZ-Mitarbeiterin Jutta Stamm

Dillingen. Nicht nur Mozart schlug düstere d-moll-Töne an (Requiem), auch Haydn beunruhigte die heile Welt der Wiener Klassik mit einer "in Sorgen und Ängsten" geschriebenen Komposition, der Missa in angustiis - Ausdruck kriegerischer Ereignisse in der "Franzosenzeit". Den Beinamen "Nelsonmesse" verdankt sie dem Sieg Admiral Nelsons über die Franzosen. Ihm zu Ehren war die Messe aufgeführt worden, als er auf der Rückreise nach England Fürst Nikolaus II. Esterházy, Haydns Auftraggeber, einen Besuch abgestattet hatte. Stephan Langenfeld arbeitete die Struktur des Spätwerks klar heraus und schuf mit den in allen Tonlagen geschliffenen Stimmen des Madrigalchors sowie dem Kammerorchester Wolfgang Kopp ein überzeugend natürliches Klangbild. Die Solisten fügen sich sicher in das Konzept des aus der Partitur erwachsenden Ausdrucks, obwohl sie Mühe haben, sich gegen die Klanggewalt von Chor und Orchester zu behaupten. Bemerkenswert ihre Gabe, sowohl untereinander als auch mit den Choristen zu kommunizieren, ohne das eigene Profil zu verlieren.Warmer SopranWie inbrünstig Haydn seinen Gott um Beistand anruft, vermittelt Anne Kathrin Fetik bereits im Kyrie aufs Eindringlichste. Mit ihrem warmen, runden, unverkennbar intensiv gefärbten Sopran bewegt sie sich sicher in allen Stilen der Musik. Nicht weniger beeindrucken Alt, Tenor und Bass - ein Ensemble, das wunderbar harmoniert. Auch Elena Kochukova mischt sich mit ihrem angenehm timbrierten Alt in das homogene Klangkolorit. Gleichermaßen vereinen Algirdas Drevinskas, Tenor, und Stefan Röttig, Bass/Bariton, Stimmschönheit, Kantabilität und Ausdruck. Dabei stellt sich Stephan Langenfeld mit schlichtem Dirigat, aber präzisem Minenspiel ruhig und überlegt in den Dienst des großen Wetteiferns der Klanggruppen. Die Es-Dur Sinfonie Nr.99 überzeugt dagegen nicht. Abgesehen von Intonationsschwächen werden in schnellen Passagen, etwa beim Übergang vom Adagio zum Vivace im ersten Satz, mangelnde Akkuratesse und Agilität deutlich. Eine Darbietung ohne Reiz. Mit dem festlichen Te Deum für Kaiserin Maria Theresia beendet der Madrigalchor den Haydn-Abend im Saardom.