Zusammenlegung der Löschbezirke in Altforweiler ist kein Thema mehr

Dorfzentrum Altforweiler : Wendung in Sachen Löschbezirke

Beim Neujahrsempfang der SPD kam die Sprache auf weitere Fördermittel. Die Zusammelegung der Löschbezirke ist damit vom Tisch.

„Der Druck ist jetzt raus“, sagte Überherrns Bürgermeister Bernd Gillo am Montagnachmittag in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Denn seit Jahren stand eine Zusammenlegung der Löschbezirke Altforweiler, Berus und Felsberg am Standort Altforweiler zur Diskussion. Das sei jetzt vom Tisch, erklärte Gillo. Trotzdem gebe es ein neues Gerätehaus sowie Dorfgemeinschaftshaus für Altforweiler. Aus diesem Grund werde er vor Beginn der Ratssitzung am Donnerstag den Punkt Zusammenlegung der Löschbezirke von der Tagesordnung nehmen.

Die überraschende Wendung kam am Sonntag in die Öffentlichkeit. Beim Neujahrsempfang der SPD sprach deren Bürgermeisterkandidatin, Anne Yliniva-Hoffmann, zusätzliche Fördermittel des Umweltministeriums an. Yliniva-Hoffmann ist Referatsleiterin für den ländlichen Raum in diesem Ministerium. Sie sei in die Ausarbeitung der jetzt vorliegenden Lösung „intensiv eingebunden“ gewesen. Doch wegen dieser neuen Variante müsse der Haushalt der Gemeinde am Donnerstag weder abgelehnt noch vertagt werden.

Der Überherrner Haushalt enthält einen Kredit über etwa 1,65 Millionen Euro. Das ist der Anteil, den die Gemeinde für die Baumaßnahme in Altforweiler aufbringen muss. Die restlichen 1,35 Millionen Euro tragen aktuell das Innenministerium mit rund 900 000 Euro und das Umweltministerium mit „mindestens 450 000 Euro“, teilte Umweltminister Reinhold Jost nach Anfrage am Montag mit. Bis zu diesem variablen Lösungsansatz waren über Jahre die Emotionen hochgekocht.

Denn 2014 hatte ein Brandschutzbedarfsplan die Zusammenlegung der Löschbezirke Berus, Felsberg und Altforweiler in Altforweiler als sinnvoll dargestellt. Dazu kam der dringende Bedarf Altforweilers für ein neues Feuerwehrgerätehaus. Im bestehenden Gebäude herrschen beengte Verhältnisse, sagte Ortsvorsteher Gerhard Hewer noch am vergangenen Samstag (wir berichteten). „Die Jugendfeuerwehr ist in Containern untergebracht.“ Doch eine volle Förderung für den Neubau in Höhe von 1,35 Millionen Euro wollte das Innenministerium nur leisten, wenn dort alle drei Löschbezirke zusammengelegt würden.

Anderenfalls gäbe es nur 900 000 Euro. Ein spürbarer Unterschied für eine Sanierungsgemeinde wie Überherrn, die ihre Haushalte mit heißer Nadel strickt. „Für mich ist jetzt das Ding finanziert durch die Zusagen von Bouillon und Jost“, sagte Gillo erleichtert. Das Projekt soll wie geplant am Standort eines ehemaligen Supermarktes in Altforweiler realisiert werden, zwischen Büdenbachweg und Auf der Spees. Das bestehende Gebäude werde abgerissen. Im Untergeschoss entstehe das Feuerwehrgerätehaus, darüber kämen das Altforweiler Dorfgemeinschaftshaus sowie Mannschaftsräume der Wehr. „Es gibt keine Zwangszusammenlegung“, betonte Gillo. „Wir bauen jetzt für die Zukunft ein Haus.“

Als Bauzeit gab er dreieinhalb bis vier Jahre an. Die Altforweiler Wehr ziehe sofort nach Fertigstellung ein. Insgesamt habe Überherrn dann vier Feuerwehrstandorte. Die beiden Hauptstandorte Süd in Überherrn sowie Nord in Altforweiler und die beiden Löschbezirks-Standorte Berus und Felsberg. Die beiden Letzteren „müssen selbst über eine Zusammenlegung entscheiden“, sagte Gillo, „auf freiwilliger Basis.“

„Im Grunde nach förderungsfähig“, sagte Umweltminister Reinhold Jost nach Anfrage unserer Zeitung am Montagnachmittag. Diese Einschätzung habe schon 2016 bei einem Ortstermin in Altforweiler festgestanden.

Danach aber habe sich aus „unterschiedlichen Gründen nichts mehr ergeben“. Er und sein Haus würden sich das Projekt „auch was kosten lassen, im Bezug auf das, was wir fördern können“. So äußerte er sich beim Neujahrsempfang der Altforweiler Ortsinteressengemeinschaft Anfang Januar dieses Jahres. Fördermittel seien möglich, aber von seiner Seite nur für das Dorfgemeinschaftshaus zur Stärkung des ländlichen Raumes.

Am 16. Januar habe er dann ein Gespräch mit Innenminister Klaus Bouillon geführt, um die Möglichkeiten auszuloten. Herausgekommen sei die „große Lösung“ mit „sowohl als auch“ statt „entweder oder“. Nun steuere das Innenministerium 900 000 Euro bei, das Umweltministerium „mindestens 450 000 Euro“. Die letztendliche Summe aus seinem Ministerium hänge von der Nutzungsart ab, sagte Jost. „Das hätte man im Vorfeld anders angehen können“, gestand der Umweltminister. Doch jetzt gebe es die Lösung mit Fördermitteln beider Ministerien. „Mein Wort und das von Bouillon stehen“, die Finanzierung sei gesichert.

Damit können sich die Löschbezirke Berus und Felsberg jedoch nicht völlig entspannt zurücklehnen. Bürgermeister Bernd Gillo sprach an, dass er den nächsten Brandschutzbedarfsplan in Auftrag geben müsse. „Dazu muss alle fünf Jahre der Auftrag vergeben werden. Das ist verpflichtend.“ Aber schon im Juli 2014 hatte der bislang letzte Bedarfsplan die Entwicklung der Personalstärke in Berus und Felsberg langfristig als nicht günstig eingestuft.

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