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Zukunftswerkstatt Überherrn mit ambitionierten Projektplänen

Große Pläne : Zukunftswerkstatt arbeitet auf Hochtouren

Das Projekt in der Modellkommune Überherrn hat viele verschiedene und durchaus ambitionierte Ideen für die Gemeinde auf seiner Agenda.

Die 12 500 Einwohner zählende Grenzlandgemeinde Überherrn ist neben Nalbach und Wallerfangen eine von drei Modellkommunen im Landkreis Saarlouis, die eine lokale Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln. „Unsere Gemeinde soll bis 2030 CO2-frei sein“, verkündet Bürgermeister Bernd Gillo. „Wir sind dabei, ein vielschichtiges ,Green Concept’ für Überherrn zu entwickeln und streben eine Zusammenarbeit mit lothringischen und saarländischen Nachbargemeinden an.“

Bereits 2007 hätten die Kommunalen Dienste Überherrn (KDÜ) gemeinsam mit der Gemeinde ein Energiekonzept initiiert und dies teilweise schon umgesetzt, erläutert Gillo. Der Bürgermeister bedauert allerdings, dass der vor Jahren geplante Bau einer Biogas- und Solaranlage gescheitert sei. Umso mehr setzt der 67-jährige Verwaltungschef im letzten Jahr seiner Amtszeit auf neue nachhaltige Projekte für seine Kommune. „Wir beteiligen uns an dem vom Birkenfelder Institut für angewandtes Stoffmanagement (IfaS) begleiteten Projekt ,Global-Nachhaltige-Kommune’“, sagt Gillo.

IfaS-Geschäftsführer Peter Heck werde das Projekt, in dem interessierte Bürger zur Mitarbeit aufgefordert sind, Ende Mai öffentlich in Überherrn vorstellen. Stolz ist Gillo, dass sich seine Kommune für die Teilnahme am Ideenwettbewerb „Reallabor Energiewende“ beim Bundeswirtschaftsministerium beworben hat. „Ich habe das Bewerbungsschreiben über unser innovatives ,Green Concept’ Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier persönlich in Berlin übergeben“, sagt Gillo.

Die Bewerbungsunterlagen seien fristgerecht elektronisch hochgeladen worden. Werde die Bewerbung angenommen, gäbe es Fördergelder, um in einem ganzheitlichen Ansatz neue Technologien und Geschäftsmodelle für die Energiewende unter realen Bedingungen zu erproben. Dabei setzt Überherrn auch auf Forschungsprojekte der Universität in Stuttgart sowie des Fraunhofer- und Leibniz-Institutes.

Im „Green Concept“ der Gemeinde geht es beispielsweise um Müllvermeidung und nachhaltige Energiegewinnung. „Wir wollen Jahrzehnte früher als dies EU-weit angestrebt wird, CO2-frei sein“, hofft Gillo. Hierfür seien bereits neuartige Heizungsanlagen in der Erprobung. „Diese vergasen Holzhackschnitzel zu Biokohle, mit der dann Strom, Wärme, aber auch Kälte erzeugt wird“, verrät Gillo. Hierbei entstehendes CO2 soll durch Algen vollständig eliminiert werden.

Beschlossen sei zudem, die Elektromobilität auszubauen und am Rathaus, auf dem Marktplatz sowie bei einem privaten Unternehmen Ladestationen für elektrische Autos und Fahrräder zu installieren.

Als ein Premium-Zukunftsprojekt bezeichnet Gillo die künftige Nutzung der ehemaligen Senderhalle von Europe 1. „Das einzigartige Gebäude wird denkmalgerecht saniert und soll künftig für kulturelle sowie kreative Veranstaltungen, Tagungen, Ausstellungen, Messen, aber auch für gastronomische Zwecke genutzt werden“, sagt Gillo.

Die Finanzierung für die Umgestaltung des Gebäudes soll laut Gillo durch Fördergelder für Denkmalpflege, inklusive Kultur- und Wirtschaftsförderung, Sponsoring, Miet-, Pacht- sowie Werbeeinnahmen sichergestellt werden. Im ersten Schritt werde nach Erteilung der Genehmigung der frühere Fernsehturm saniert. Zudem sei geplant, eine Standort-Entwicklungsgesellschaft und einen grenzüberschreitenden Beirat zu gründen.