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Interview mit Bernd Kissel
Wenn ein Deutscher auf eine Französin trifft. . .

Der Comic-Zeichner Bernd Kissel lebt und arbeitet in Berus.
Der Comic-Zeichner Bernd Kissel lebt und arbeitet in Berus. FOTO: Florian Brunner
Überherrn. Die Ausstellung „Rendez-vous à Berlin“ rund um einen Comic-Strip von Kissel und Flix startete im Überherrner Rathaus. Von Barbara Scherer

Zum 50. Geburtstag des Élysée-Vertrags haben der saarländische Comic-Zeichner Bernd Kissel und sein Kollege Flix aus Berlin eine Comic-Serie gestaltet. Das ist mittlerweile fünf Jahre her. Die Comic-Strip-Reihe „Rendez-Vous à Berlin“ ist seitdem als Ausstellung in Deutschland und Frankreich unterwegs. Nun kehren Kissels Zeichnungen sozusagen zurück zu ihrem Urheber: Seit Sonntag, 19. August, sind sie im Rathaus seiner Heimatgemeinde Überherrn zu sehen. Mit der SZ sprach der Zeichner über seine Arbeit an „Rendez-vous à Berlin“, aber auch über seine kommenden Projekte.


Herr Kissel, was ist in der Ausstellung „Rendez-vous à Berlin“ in Überherrn zu sehen?

KISSEL Die Ausstellung besteht aus der ganzen Comic-Strip-Reihe, die Flix und ich für das Goethe-Institut in Nancy erdacht und gezeichnet haben. Außerdem sind Skizzen und Tuschezeichnungen zu sehen. Man kann also den Werdegang einer Folge nachvollziehen.



Was ist die Geschichte von „Rendez-vous à Berlin“?

KISSEL Wir sollten zum Jubiläum des Élysée-Vertrages eine deutsch-französische Comic-Strip-Reihe gestalten. Peter Schott vom Goethe-Institut in Nancy hat das Ganze initiiert und uns freie Bahn gelassen. Es kam dann die Idee auf, dass sich ein Deutscher und eine Französin in Bordeaux am Flughafen über den Weg laufen. Weil gerade die Piloten streiken, ist der komplette Flughafen lahmgelegt. Die beiden müssen sich dann einen Mietwagen teilen, weil beide ein Rendez-Vous in Berlin haben. Mit einem Smart fahren sie von Bordeaux in Richtung Berlin. Es ist sozusagen ein Road-Movie in Comic-Form. Man erfährt allerhand über die beiden und vor allen Dingen über das Bild, das der Nachbar vom jeweils anderen hat: Was denkt der Deutsche über den Franzosen und was denkt – in dem Fall – die Französin über den Deutschen? Das ergibt sehr lustige Episoden, mit denen sich jeder ein bisschen identifizieren kann – gerade hier in der Grenzregion.

Wie ist es für Sie, die Ausstellung vor der eigenen Haustür zu haben?

KISSEL Es ist ein interessanter Gedanke, zu sagen, dass die Zeichnungen auf Reisen gegangen und dann wieder zurückgekommen sind. Es ist natürlich auch schön, dass in meiner Heimatgemeinde mal so eine Ausstellung angeboten wird. Im Hinblick auf die Vernissage ist es eine schöne Sache, dass man – hoffentlich – ganz viele bekannte Gesichter sieht und ihnen ein bisschen was von seiner Arbeit erzählen kann.

Wie ist es für Sie, dass das eigene Werk schon seit fünf Jahren unterwegs ist?

KISSEL Es gehört zum Auftrag des Goethe-Instituts, die deutsche Sprache im Ausland zu bewerben und anzubieten. Diese Ausstellung sollte Teil dieses Konzepts sein, um Leute dafür zu interessieren, die man anders nicht anspricht. Gerade weil man sich getraut hat, so was eher Ungewöhnliches zu machen, hat es mich gefreut, dass es so lange unterwegs ist und dass man die Ausstellung immer noch bekommen kann – und dass sie so hochwertig gestaltet hat. Es macht schon Spaß, seine eigenen Sachen so schön aufbereitet an der Wand hängen zu sehen.

Die Ausstellung entstand in einer Zusammenarbeit mit Flix – nicht das einzige gemeinsame Projekt. Sind für die Zukunft weitere Zusammenarbeiten geplant?

KISSEL Im Moment haben wir konkret nichts geplant. Nach dem Münchhausen-Projekt, das vor zwei Jahren gemacht wurde, hat jetzt jeder sein eigenes Projekt: Gerade ist der erste deutsche Spirou erschienen, den Flix gemacht hat, und ich bin gerade dabei, mein neues Projekt fertig zu stellen. . .

. . .den „Freistaat Flaschenhals“?

KISSEL Genau. Der erscheint Anfang 2019, pünktlich zum Jubiläumsjahr der Gründung dieses Kuriosums. Es geht darum, dass nach dem Ersten Weltkrieg – aus einem Messfehler der Alliierten heraus – ein Bereich am Rhein quasi zum Niemandsland wurde. Ringsum waren französische Besatzungszonen. Die paar Tausend Leute, die da in der Nähe von Lorch und Kaub am Rhein wohnten, mussten sich – oder konnten sich – durch clevere Schmuggeleien und andere Trickserei 15 Jahre lang über Wasser und am Leben halten. Es ging sogar soweit, dass die eigene Briefmarken und eigenes Geld hatten. Geschrieben hat die Geschichte Marco Wiersch, der sein Debüt gibt, was den Comic angeht. Normalerweise schreibt er Drehbücher für Filme.

Wird es in Zukunft auch wieder etwas mit Saarland-Bezug geben?

KISSEL Ja, sogar in gar nicht allzu ferner Zukunft: Bei meinem nächsten Projekt, das schon gleich im Anschluss kommt, geht es wieder um mein Spezialgebiet, die Geschichte des Saarlandes. Es wird keine Serie, sondern eine lange Geschichte, die es in Buchform geben wird und die 2019 erscheinen wird. Und die Reihe „Saarlouis – Im Fluss der Zeit“ mit dem Wassergeist Fluxus, der dem Leser die Geschichte der Stadt Saarlouis und ihrer Vororte nahebringen möchte, geht auch weiter. Zurzeit ist Folge 29 auf der Webseite des Städtischen Museums gratis zu sehen.

Die Fragen stellte Barbara Scherer.