Überherrn und Saarwellingen als familienfreundliche Kommunen ausgezeichnet

Auszeichnung : Orte zum Leben, nicht bloß zum Schlafen

Überherrn und Saarwellingen sind als familienfreundliche Kommunen ausgezeichnet worden.

Mit Saarwellingen und Überherrn wurden jetzt gleich zwei Kommunen im Landkreis Saarlouis mit dem Siegel „familienfreundliche Kommune“ ausgezeichnet. Damit – gerade in ländlichen Regionen – die Gemeinde nicht nur eine „Schlafsiedlung“ ist, sondern wirklich ein Ort zum Leben, wo Familien wohnen, Kinder in Kita und Schule gehen, die Eltern arbeiten und die Familien ihre Freizeit verbringen können, ist die Kommune gefragt. Als familienfreundlich werden sie erlebt, wenn Bürger sich in ihrer Gemeinde wohlfühlen und die Anliegen von Familien ernst genommen werden.

„Dabei setzen wir nicht auf kurzfristige Projekte, sondern es ist uns wichtig, dass alle Maßnahmen langfristig angelegt und in festen Strukturen verankert sind“, betont Tamara Wagner, stellvertretende Leiterin des Amtes für Jugend, Senioren und Soziales der Gemeindeverwaltung Saarwellingen. Für Familien gibt es beispielsweise ganz konkrete finanzielle Entlastungen, durch Ermäßigung bei den Kinderbeiträgen für kinderreiche Familien oder ein Willkommensgeld für Neugeborene in Höhe von 150 Euro. In Sachen Kinderbetreuung tut sich einiges: So soll die alte Grundschule zu einem Kindergarten mit Krippen- und Kita-Plätzen für sieben Gruppen umgebaut werden.

Das Amt für Jugend, Senioren und Soziales in Saarwellingen ist als zentrale Beratungsstelle Ansprechpartner für alle Belange, „wir betreuen den Jugendtreff und das Internetcafé sowie verschiedene Jugendgruppen, vom Skateboardtreff bis zu den Umweltdetektiven. Ferienaktionen und Freizeiten werden regelmäßig organisiert“, erzählt Tamara Wagner.

Als Interessenvertretungen wurden schon vor Jahren der Behindertenbeirat (1995) und der Jugendrat gegründet (1997), im vergangenen Jahr auch ein Seniorenbeirat.

Das 1995 gegründete Haus der Jugend in Saarwellingen ist ein Erfolgsmodell: Auf vier Ebenen finden unterschiedliche Gruppen der Kinder- und Jugendarbeit ein Zuhause. Im Kellergeschoss ist das Internetcafé „Surfer‘s Paradise“ untergebracht, im Erdgeschoss treffen sich Eltern-Kind- und Pekip-Gruppen. Im Obergeschoss hat der Jugendtreff seine Bleibe und im Dachgeschoss treffen sich verschiedene Gruppen wie Jugendrat, Spiel- und Musikgruppen und Jugendgruppen aus Vereinen. Im Laufe der Zeit sind auch immer mehr generationsübergreifende Aspekte dazugekommen. So sind viele Veranstaltungen im Internet-Café speziell auf Senioren zugeschnitten und im Dachgeschoss gibt es zwei Tai-Chi-Kurse für ältere Personen. Weiterhin finden im Haus der Jugend die von der KEB betreuten Treffen für Flüchtlinge statt.

Familienfreundlichkeit in der Kommune hat viele Facetten: Das kann auch Erika Weber von der zentralen Verwaltung in Überherrn bestätigen. Schließlich müsse man gleichermaßen Angebote für die Jugend und die Älteren vorhalten, erklärt sie. Das reicht vom Windelzuschuss über das Haus der Jugend bis zum Interkulturellen Elterncafé, das Begegnungsstätte für Eltern und Kinder ist.

Ein besonderes Merkmal im Grenzort Überherrn – bis nach Frankreich sind es nur drei Kilometer – ist das bilinguale Betreuungsangebot für Kinder. „Viele deutsche Familien wohnen in Frankreich und die Kinder gehen in Deutschland in den Kindergarten oder in die Schule. Daher lernen die Kinder schon im Kindergarten die französische Sprache“, sagt Erika Weber. Die Öffnungszeiten der Kindergärten sind so gestaltet, dass die Familien leichter Beruf und Familie vereinbaren können. Dafür wurde auch ein Kindergartenbus eingerichtet.

Bewährt hat sich das Spielplatzkonzept in Überherrn: Anstatt vieler kleiner unattraktiver Spielplätze wurde für jeden Ortsteil ein liebevoll gestalteter Spielplatz errichtet.

Die Weihnachts-Päckchen-Aktion der Gemeinde Überherrn unter dem Motto „Kindern Freude schenken“ war von Anfang an ein Erfolg und ist mittlerweile, nach sieben Jahren, eine liebgewonnene Tradition. Auch für Senioren gibt es eine Weihnachtsüberraschung.

Dass das Gemeinwesen funktioniert, beweisen auch die vielen Projekte in der Flüchtlingshilfe: Zwei syrische Übersetzerinnen, die bei der Gemeinde angestellt sind, sind das Bindeglied zu den ausländischen Familien. „Wir haben ein Möbellager eingerichtet. Die Möbel werden bei den Spendern von unserem Bauhof abgeholt und je nach Bedarf zu den Flüchtlingsfamilien gebracht“, so Erika Weber. Ehrenamtliche Helfer kümmern sich um die Familien. Regelmäßige deutsch-syrische Kochabende bieten Gelegenheit zu Begegnung und Austausch.

Stephan Kolling, Staatssekretär, mit Erika Weber, Kulturamt und Bernd Gillo, Bürgermeister von Überherrn. Foto: Carolin Merkel/Ministerium

Und weitere Projekte sind in Vorbereitung – Pekip-Gruppen zur frühkindlichen Förderung und ein Mountainbikepark. Schließlich will man das frisch erworbene Siegel auch behalten.

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