Überherrn setzt auf Versuch um Weltrekord beim Schwenken

Fest eröffnet : Überherrn versucht sich am Schwenker-Weltrekord

Iwwerherrner Erlebnistage mit der „längsten Theke des Saarlandes“, Profi-Schwenkern und Weltrekordversuch

„Ein Iwwerherrner Fest, das über die Grenze geht, die uns verbindet“, das sollen die ersten Iwwerherrner Erlebnistage rund um den Europa-Sender 1 sein, fasste Bürgermeister Bernd Gillo bei der Eröffnung am Donnerstagvormittag zusammen: Ein Fest im Sinne der deutsch-französischen, der europäischen Freundschaft, deshalb passe gerade die Europäische Schwenkmeisterschaft, der Höhepunkt der viertägigen Feierei, so gut an den Sender, quasi direkt auf der Grenze. Gemeinsam mit dem Botschafter der Republik Montmartre, der in voller Tracht erschien, Jean Yves Ordner, der gleichzeitig Präsident des Partnerschaftsvereins L’Hopital und „in Überherrn bekannt wie ein bunter Hund“ ist, eröffnete Gillo vor rund 150 Zuschauern das Fest offiziell; die beiden sind gute Freunde und „der Frieden und die Freundschaft“ zwischen den Ländern müsse gefeiert werden, schloss sich auch Ordner an.

Dass der Fassanstich ohne die Fallschirmspringer aus Düren erfolgen musste, stand spätestens nach dem ausgiebigen Regen und Wind am Morgen fest. Organisatorin Erika Weber von der Gemeinde Überherrn warf mehr als einen sorgenvollen Blick zum Himmel. Doch es hielt: Zur Eröffnung selbst zeigte sich am Sender, mit Fernblick über den Saargau, dann doch ab und zu die Sonne, zwischen beeindruckenden Wolkenformationen. Über den Wind freuten sich vor allem die Drachenflieger vom Drachenclub Nepomuk, die weithin sichtbar ihre Kunstwerke steigen ließen. Die Marktbuden und besonders die Gourmetmeile war schon gegen Mittag gut besucht, auch der riesige Parkplatz auf der angrenzenden Wiese füllte sich rasch. Während der Freitag ganz im Tag des Bieres steht, mit Dutzenden Sorten Craft-Beer an der „längsten Theke des Saarlandes“, steht am Samstag um „Freunde und Familie“, dazu gibt es den ganzen Abend Live-Musik. Am Sonntag folgt dann der Höhepunkt: Die Europäische Schwenkmeisterschaft, bei der 23 Teams aus dem Saarland und Europa wettschwenken. Zubereitet und von der Jury bewertet wird ein Drei-Gang-Menü, das bis zum Dessert komplett auf dem Schwenker zubereitet wird. Zum Teil bauen die Teams, die Namen wie „Gut Glut Gau“, „Die Grilldeiwel“ oder „Burning Men“ tragen, mehrere Schwenker an ihren Ständen auf, reisen mit einem Feuerwehrauto oder anderem ungewöhnlichen Equipment an, verrät Ralf Lauer vom Organisationsteam „Side by Side BBQ“. Aufgebaut wird der Wettbewerbsplatz ebenso wie der „High-end-Grill Hydra“ erst am Sonntag.

Schon gegen Mittag verzeichneten die Iwwerherrner Erlebnistage, die ihre Premiere am ehemaligen Europasender Berus feierten, trotz des durchwachsenen Wetters regen Andrang. Foto: Ruppenthal

Aber es ist nicht nur das umfangreiche Programm und die Aussicht auf Schwenker und andere kulinarische Genüsse, die die Leute anzieht: Es ist auch der ungewöhnliche Ort. Das Gelände rund um den Europa-Sender ist üblicherweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, viele nutzten deshalb schon am Donnerstag die Gelegenheit, dem außergewöhnlichen Denkmal, das viele Jahre im Dornröschenschlaf lag, mal ganz nahe zu kommen und drückten sich die Nasen an den vielen Scheiben der Sendehalle platt oder machten Selfies vor dem architektonischen Wunderwerk. Das überaus große Interesse an dem historischen Gebäude zeige sich auch daran, betonte Gillo: „Alle Führungen an den vier Tagen sind restlos ausgebucht.“

Über 70 Führungen gab es in diesem Jahr bereits, zum Tag des Offenen Denkmals im September rechnet die Gemeinde wieder mit 3000 Besuchern wie im Vorjahr, berichtet Gillo, der über den Europa-Sender schnell ins Schwärmen gerät: „Die Geschichte des Senders ist ebenso einzigartig wie der Standort.“ Von dort aus wurden Sendungen in ganz Europa ausgestrahlt, es war „der größte Langwellensender der Welt, ein Weltrekord“.

Dass ein weiterer Weltrekord, nämlich der des Dauerschwenkens auch unbedingt ins Saarland, am besten nach Überherrn gehört, hob er ebenfalls hervor. Darum bemüht sich ab Freitag, 15 Uhr, gut 50 Stunden lang ein Team rund um die Überherrner Firma Kunzler Fleischwaren; der Schwenker muss, mit Schwenker belegt, ununterbrochen in Bewegung gehalten werden, natürlich auch nachts. Organisator Detlef Jessen ist zuversichtlich, dass dies gelingt: „Ich bin mir sicher, dass wir am Sonntag jubeln können.“

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