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Mit Kunstwerken Deutsch lernen

Angeleitet von dem Überherrner Bildhauer Gerhard Fischer (links) fertigten acht syrische Schülerinnen und Schüler kleine Kunstwerke aus Speckstein und lernen dabei auch Deutsch. Foto: Johannes A. Bodwing
Angeleitet von dem Überherrner Bildhauer Gerhard Fischer (links) fertigten acht syrische Schülerinnen und Schüler kleine Kunstwerke aus Speckstein und lernen dabei auch Deutsch. Foto: Johannes A. Bodwing FOTO: Johannes A. Bodwing
Überherrn. Im Garten von Gerhard Fischer in Überherrn saßen am Dienstag acht junge Syrer im Schatten eines Baumes. Hinter ihnen kleine Kunstwerke aus Speckstein, die am Freitag im Rathaus ausgestellt werden. Johannes A. Bodwing

"Wolkenstein", "Galaxy" und "Starker Berg" heißen einige der Steine, die am Dienstag mit Öl und Wachs zum Glänzen gebracht wurden. An den kleinen Kunstwerken aus Speckstein haben drei syrische Mädchen und fünf Jungs in den vergangenen Wochen gearbeitet. Unter Leitung des Bildhauers Gerhard Fischer vertieften sie auch ihre Deutschkenntnisse. "Ich bin seit so zwei Jahren in Deutschland", sagte Mohammad. Ähnlich lange ist Bashar, 15, hier. Beide sind ohne Eltern da, andere sind mit Familie hier, ergänzte Heike Wettstein-Meißner. Sie leitet das Zufluchten-Projekt im Rahmen des Fortgeschrittenen-Kurses der Schule am Warndtwald Überherrn.


Damit werden die Mädchen und Jungs in der deutschen Sprache fit gemacht für die Hauptschulprüfung im nächsten Jahr. "Mündlich sind sie schon ziemlich gut", sagte Schulleiter Carsten Broy. "Wo noch was zu machen ist, ist das Schriftliche." "Der, die, das", seien ein Problem, erklärte Mohammad. So etwas gebe es nicht im Arabischen. Zum Deutschlernen werden auch Smartphones genutzt, bestätigte Batoul für die drei Mädchen. Damit werden Texte erkannt und übersetzt. Die Gruppenstärke variiere, je nach Fortschritten, sagte Broy. In einer zweiten Gruppe an seiner Schule sind Kinder und Jugendliche mit geringeren Deutschkenntnissen. Diese Fördergruppen sind zusätzliche Chancen, neben der Teilnahme an den jeweiligen Klassenstufen.

!I love Kobanê!, steht auf dem schwärzlichen Stein von Khalil, 17. "Love" ist durch ein Herz symbolisiert. Seine Heimatstadt war von September 2014 bis Januar 2015 bei Angriffen des IS hart umkämpft. Sie gilt inzwischen als befreit, aber massiv zerstört. Deutschland ist für diese Jugendlichen ein Land, das Frieden verspricht. Denn überall unterwegs sei es hart und oftmals unerträglich gewesen. "Ich war in Syrien in der ersten bis fünften Klasse", sagte Mohammad, "in Jordanien in der sechsten und siebten, hier mache ich die achte und neunte Klasse". "In Jordanien mag man keine Syrer", fuhr er fort. Mit dem Boot und zu Fuß sei er dann nach Griechenland gekommen, von dort aus weiter. Viele von ihnen haben Schlimmes erlebt, stellte Wettstein-Meißner dar. Einer der Jungs sei für tot gehalten worden, ertrunken im Meer. Bis er Gott sei Dank wieder auftauchte. Zwei von ihnen, zwölf und 16 Jahre alt, seien in einem türkischen Gefängnis misshandelt worden. "Bei uns ist Krieg", sagte dazu Bashar. "Ich wollte nur Sicherheit, hier ist es viel besser." Die Chance auf Bildung wollen sie alle nutzen. "Abitur machen, dann Universität", sagte Bashir, 12. Er will später zurück in die Heimat und helfen, sie wieder aufzubauen. Etwa die Hälfte der acht wollen ebenfalls wieder zurück, wenn der Krieg aufhört. Die anderen bleiben hier oder sind noch unentschlossen.



Die bildhauerischen Werke der jungen Syrer sind ab Freitag, 2. Juni, 17 Uhr, im Foyer des Rathauses in Überherrn ausgestellt. Bei der Vernissage wird auch ein Buchprojekt vorgestellt, das Erlebnisse von Flüchtlingen enthält.