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"Kulturgut" weicht der "Vernunft"

"Kulturgut" weicht der "Vernunft"

Kreis Saarlouis. Warum der Führerschein umgangssprachlich auch "Lappen" genannt wird, wissen viele junge Menschen schon gar nicht mehr. Bislang hatte jeder Fahrer einen einzigen Führerschein auf Lebenszeit - und auch aus der Fahrerlaubnis eines 60-Jährigen grinste einem Polizisten bei der Kontrolle vom Passfoto noch ein 20-Jähriger entgegen

Kreis Saarlouis. Warum der Führerschein umgangssprachlich auch "Lappen" genannt wird, wissen viele junge Menschen schon gar nicht mehr. Bislang hatte jeder Fahrer einen einzigen Führerschein auf Lebenszeit - und auch aus der Fahrerlaubnis eines 60-Jährigen grinste einem Polizisten bei der Kontrolle vom Passfoto noch ein 20-Jähriger entgegen. Seit gut einer Woche ist eine neue europäische Richtlinie gültig, nach der neue Führerscheine nur noch 15 Jahre gültig sind - und alle, die es schon gibt, nur noch bis zum Jahr 2033. Danach muss ein neuer Führerschein her, mit aktuellem Foto, für mehr Sicherheit, heißt es.Die Menschen im Landkreis Saarlouis sind sich einig, dass es vernünftig ist, das Foto im Führerschein alle paar Jahre mal zu aktualisieren. Ein Argument dagegen hat dann aber doch fast jeder. "Die zusätzlichen Kosten sind natürlich ärgerlich. Aber sinnvoll ist es natürlich schon", findet Christine Kindel aus Überherrn.

"Unter objektiven Gesichtspunkten ist es sicherlich vernünftig, weil ein aktuelleres Foto bei einer Kontrolle natürlich eine schnellere Identifikation ermöglicht", sagt Florian Zerfaß. "Aber irgendwo ist der gute alte Lappen doch auch ein Kulturgut! Anhand der alten Fotos in den Führerscheinen konnte man immer so schön die Modegeschichte der Jahrzehnte nachverfolgen!" Das ist auch Niels Mengs Argument, warum er die neue Regelung am liebsten gleich wieder abschaffen würde. "Ich finde es schade", sagt er, "diese alten Fotos sind so lustig und haben schon viele Abende sehr bereichert".

Manfred Schmieden findet es "unnötig", den Führerschein alle 15 Jahre zu erneuern. Sein graues Heftchen hat er 1971 bekommen. Er sagt: "Letztendlich geht es doch nur darum, all unsere Daten immer wieder neu zu erfassen und zu speichern." Seine Ehefrau Teresa Schmieden hat ihren Lappen vor Jahren gegen ein Plastikkärtchen getauscht. "Weil ich nach der Heirat einen neuen Nachnamen hatte", sagt sie.

Marc Zundel findet: "Es bringt ja auch einen Verwaltungsaufwand mit sich, der nicht unbedingt nötig wäre." Er trägt noch das rosafarbene Heftchen im Portemonnaie mit sich. Auch Sandra Wedel aus Saarlouis hat noch ihren alten Lappen mit dem ersten Passbild von 1996. "Aber ich sehe auch wirklich noch genau so aus wie damals", erzählt sie, "nur die Frisur und die Brille sind neu".

"Es ist sinnvoll, ja", findet Magdalena Schafer, "aber letztendlich doch nichts als Abzocke". Dagegen fällt Brigitte Brämer ein: "Na ja, beim Personalausweis läuft es ja eigentlich ganz genau so."

Aus diesem Grund findet auch Tanja Biewer aus Hülzweiler die neue Regelung sehr sinnvoll. "Ich habe meinen Personalausweis jetzt seit vier Jahren und werde bei Kontrollen trotzdem immer gefragt, ob ich das auch wirklich bin", sagt sie. "Man verändert sich ja auch im Laufe der Jahre", räumt auch Nadine Nickels aus Schwalbach ein. "Und dann passt ein altes Foto im Führerschein eben nicht mehr."