IG Metall demonstriert bei Motus Headliner in Überherrn

Warnstreik : Um 0.01 Uhr machen die Beschäftigten Dampf

In frostiger Nacht haben Arbeitnehmer bei der Überherrner Firma Motus Headliner ihrem Ärger Luft gemacht. Sie folgten dem Warnstreik-Aufruf der IG Metall.

Der Tarifkonflikt in der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie spitzt sich zu. In der Nacht auf Freitag rief die IG Metall Völklingen um 0.01 Uhr mit Ende der Friedenspflicht die Beschäftigten von „Motus Headliner“ in Überherrn zum Warnstreik auf. Die IG Metall fordert für die Beschäftigten der Textil- und Bekleidungsindustrie 5,5 Prozent mehr Vergütungen sowie eine verbesserte Altersteilzeitregelung und mehr Arbeitszeitsouveränität für die einzelnen Beschäftigten. „Inakzeptabel“ nennt die Gewerkschaft das bislang letzte Angebot der Arbeitgeber.

Insgesamt waren um Mitternacht über 120 Kundgebungsteilnehmer vor Ort; 60 von dem Überherrner Unternehmen und 60 Kolleginnen und Kollegen, Vertrauensleute und Betriebsräte von Betrieben wie Ford in Saarlouis, Saarstahl und der Dillinger Hütte, die sich mit den Leuten von Motus solidarisierten. „Es tut gut, euch alle hier solidarisch Seit an Seit mit den Kolleginnen und Kollegen der Textilindustrie zu sehen“, begrüßte Lars Desgranges, 2. Bevollmächtigter der IG Metall in Völklingen, die Nicht-Textiler.

Nach Angaben der IG Metall boten die Arbeitgeber bisher neben mehreren Einmalzahlungen zwei Stufen mit jeweils 1,7 Prozent mehr Lohn und Gehalt bei einer Laufzeit von 28 Monaten. „Dieses Angebot ist inakzeptabel“, sagte Alfonso Liuzzo, zuständiger Gewerkschaftssekretär der IG Metall. „Sollte es bei der nächsten Verhandlungsrunde kein gescheites Angebot geben, sind wir auch bereit, eine Schippe draufzulegen“. Die nächste Verhandlungsrunde soll am 12. Februar in Bielefeld stattfinden.

Gisela Tiefensee-Naaber, die Betriebsratsvorsitzende von Motus Headliner Überherrn rief den Kolleginnen und Kollegen zu: „1,7 Prozent ist eine Provokation, die wir so nicht hinnehmen werden.“ Die Forderung für eine verbesserte Altersteilzeit kam auch zur Sprache. „Wir brauchen für die Älteren endlich eine Altersteilzeitregelung“, sagte Udo Preuß, Vertrauenskörper-Vorsitzender bei Motus, „viele Kolleginnen und Kollegen sind über 60 Jahre alt und haben Jahrzehnte lang den Betrieb in Überherrn aufrecht gehalten. Irgendwann kann man nicht mehr, dann ist auch mal Schluss.“

Liuzzo schildert es so: „Ein klares Signal ging in dieser Nacht an die Arbeitgeber: Sollte es am 12. Februar zu keinem akzeptablen Angebot kommen, dann sind die Kolleginnen und Kollegen bereit, den Druck zu erhöhen. Sie sind hoch motiviert und sind bereit, für ihre Forderungen zu kämpfen.“

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