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Es war das Geschäft ihres LebensChrista Reiter und ihr rostiges Andenken, das in der Garage steht"Wenn man langsamer fahren wollte, fuhr man rückwärts" Wer hat die meisten T-Shirts aus dem Hardrock-Café?Josef Rupps Michaux-Fahrrad steht im Museum

Es war das Geschäft ihres LebensChrista Reiter und ihr rostiges Andenken, das in der Garage steht"Wenn man langsamer fahren wollte, fuhr man rückwärts" Wer hat die meisten T-Shirts aus dem Hardrock-Café?Josef Rupps Michaux-Fahrrad steht im Museum

Kreis Saarlouis. Als Hildegard Presti ihr Fahrrad zum ersten Mal gesehen hatte, wollte sie es haben. Vor einem Supermarkt in Fraulautern hatte sie es entdeckt, und so lange daneben gewartet, bis sein Besitzer zu ihm zurückgekehrt ist. Alt sah das heute rund 100 Jahre alte Rad schon damals aus, aber für Hildegard Presti war es perfekt

Kreis Saarlouis. Als Hildegard Presti ihr Fahrrad zum ersten Mal gesehen hatte, wollte sie es haben. Vor einem Supermarkt in Fraulautern hatte sie es entdeckt, und so lange daneben gewartet, bis sein Besitzer zu ihm zurückgekehrt ist. Alt sah das heute rund 100 Jahre alte Rad schon damals aus, aber für Hildegard Presti war es perfekt.Das älteste Rad im Kreis Saarlouis hat beide Weltkriege überstanden und so schon vor seiner Zeit mit seiner heutigen Besitzerin einiges mitgemacht. In Gütersloh hatte die Firma Miele das Rad Anfang des 20. Jahrhunderts hergestellt, auf dem Schutzblech des Vorderrads prangt noch das alte Logo der Firma.

Ein nagelneues Fahrrad hatte Hildegard Prestis Mann ihr Ende der 1990er Jahre geschenkt. "Ich bin körperlich beeinträchtigt und brauche deshalb ein Rad mit sehr tiefem Einstieg." Und den hatte das rostige Rad, das sie damals vorm Supermarkt entdeckt hatte. Mit dem Besitzer hat sie dann verhandelt: sein altes, rostiges Rad gegen ihr neues, unbenutztes, plus 30 Mark. "Das Geschäft meines Lebens", sagt Presti und lacht.

Und das Fahrrad hat ihr treue Dienste geleistet. "Damit habe ich sogar schon mal einen Weihnachtsbaum transportiert!" Heute steht das Rad als Dekoration in Hildegard Prestis Garten, Blumenkübel über Sattel und Gepäckträger, Pflanzen schlängeln sich durch die Speichen. "Ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht, es wegzuwerfen", sagt Presti.

Zwei Fahrräder aus den 1940-er Jahren hat Elsbeth Servet-Gillert aus Dillingen zum Kreisrekord angemeldet, ein Damen- und ein Herrenrad. Trotz seiner 70 Jahre auf dem Buckel ist das Damenrad noch immer fahrbereit.

1947 bekam Manfred Ladwein aus Pachten als Zwölfjähriger sein erstes Fahrrad: Diesen stolzen Besitz hält er bis heute in Ehren. Auch Claudia Dietrich-Petgen aus Nalbach hütet noch einen alten Schatz: Das Fahrrad ihrer Oma stammt aus den 1940er Jahren. Inge Grüneisen aus Hemmersdorf hat ebenfalls noch ein altes Rad im Keller: Das Fahrrad der französischen Marke "Terrot" stammt aus dem Jahr 1948.

Zu Beginn ihrer Lehre schaffte sich Mechthild Hinsberger aus Eidenborn ihr erstes Fahrrad an: Im Jahr 1951 kam der Drahtesel der Firma "Miele" ins Haus - dort wird er immer noch geschätzt. Auch Marie-Luise Julien aus Saarlouis hat noch ein richtig altes: Ihr Fahrrad stammt aus dem Jahr 1952. Nur ein bisschen jünger ist das NSU-Sportfahrrad von Herbert Wolf aus Schwalbach: Baujahr 1955. Aus den 50er Jahren hütet auch Helmut Hartel aus Überherrn eine kleine Rarität: Das genaue Baujahr seines Militärrades weiß er aber leider nicht.Kreis Saarlouis. Die Saarbrücker Zeitung sucht alle 14 Tage außergewöhnliche Rekordhalter für die Serie "Kreisrekord":

Für den nächsten Serienteil suchen wir den Besitzer der meisten T-Shirts aus Hardrock-Cafés dieser Welt. New York, Amsterdam Sydney oder einfach Köln: Wenn Sie Sammler-Shirts haben, bewerben Sie sich bis Sonntag, 23. Oktober. nic

Adresse: Saarbrücker Zeitung, Redaktion Saarlouis, Adlerstraße 3, 66740 Saarlouis, oder melden Sie sich per Tel. (0 68 31) 9 49 84 55, per Fax (0 68 31) 9 49 84 59 oder per E-Mail: redsls@sz-sb.de.

Nalbach. Etwa aus dem Jahr 1925 stammt das Fahrrad in Christa Reiters Garage in Nalbach. Es hatte einst den Nachbarn ihrer Tante gehört. "Nach deren Tod wurde ihr Haus verkauft und vorher entrümpelt; der ganze Kram wurde an Freunde verschenkt und ich habe das Fahrrad bekommen", erzählt die 70-Jährige.

Selbst gefahren ist sie auf dem alten, silberfarbenen Drahtesel der Marke Victoria mit dem inzwischen zerfledderten ledrigen Sattel nie. Sie hat das Rad lediglich aufbewahrt, als Andenken an die ehemaligen Besitzer. "Ich weiß noch, der Nachbar Johann ist jeden Tag mit diesem Rad ins Dorf gefahren. Die beiden hatten nie ein Auto! Wenn sie etwas gekauft hatten, haben sie es immer auf dem Gepäckträger transportiert."

Christa Reiter hat Gefallen an alten Dingen, die voller Erinnerungen stecken. "Ein Anderer hätte es sicher längst auf den Sperrmüll geworfen. Aber dafür ist es doch viel zu schade! Man muss Liebe zu den Dingen haben", sagt Reiter, "und Platz, um sie aufzuheben." kj

Elm. Hermann Hoffmanns Fahrrad war jahrelang der Star auf Artistik-Shows und Fastnachtsumzügen. 1923 hatte der frisch gegründete Kunstradfahr-Verein Edelweiß Knausbach das Fahrrad gekauft. Hoffmanns Vater war Kunstradfahrer im Verein, "die sind freihändig gefahren, haben auf der Lenkstange gesessen und dann hat noch einer Handstand auf deren Schultern gemacht!", sagt der 74-Jährige. Als sich der Verein 1934 auflöste, kaufte Hoffmanns Vater die Requisiten.

1974 hatte das Stahl-Fahrrad mit dem Ledersattel und den Holzgriffen seinen letzten Auftritt, beim Schwalbacher Karnevalsumzug, "dafür hatte mein Vater es extra neu lackiert."

Hermann Hoffmann hat das Fahrrad seines Vaters aufgehoben. "Als Andenken! Sowas wirft man doch nicht weg!", sagt er. Das Fahrrad hat für die Kunststücke einen extra tiefen Sattel und die Pedale sind so eingestellt, dass man damit auch rückwärtsfahren kann. "Eine Bremse gibt es nicht", sagt Hoffmann, "wenn man langsamer fahren wollte, fuhr man rückwärts." kj

Christa Reiters Rad ist 86 Jahre alt. Foto: Jenny Kallenbrunnen.

Saarlouis. Außer Konkurrenz läuft wohl das Fahrrad von Josef Rupp aus Saarlouis: Sein Tretkurbelfahrrad, ein Vorläufer des heute bekannten Rades, stammt aus dem Jahr 1862 - und steht im Städtischen Museum in Saarlouis. Als Dauerleihgabe stellt Rupp, ehemaliger Radsportler und Vorsitzender des Saarländischen Radfahrerbundes, sein französisches Michaux-Fahrrad dort aus. 1991 erwarb der Saarlouiser es in Brügge für rund 43 000 belgische Franken und übergab es 1998 dem Museum, wo das seltene Stück immer noch zu bestaunen ist. Das Porträt von Josef Rupp und seinem Rad malte 2001 der Künstler Bernd Freichel für die Ausstellung "Menschen in Lisdorf". nic