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Gerhard und Ursula Fischer laden in Überherrn in ihren "Artgarten" ein

Artgarten : Kunst und Lebenskunst in der Natur

In Überherrn sind in einem Artgarten am kommenden Wochenende Kunstwerke zu sehen und zu hören.

Klar, die Bank kann auch woanders hin. Dann legt Gerhard Fischer aber Wert darauf, dass sie nicht schief steht. In seinem Garten hat alles seinen Platz, Veränderungen inklusive. Einmal im Jahr kommt Kunst zwischen die Obstbäume und Rabatte und in die Häuschen. „Artgarten“ heißt es dann, die Kunst (auf Englisch und Französisch „art“) steckt schon im Wort.

In diesem Jahr stellt die Saarbrücker Malerin Vera Loos Gemälde aus, die mehr enthalten, als sie zeigen. Darin geht ein Mann zum Beispiel auf einer Straße. Seine Karriere ist genauso geradlinig, er hat er einen guten Job, fügt sich – am Outfit zu erkennen – den gestellten Erwartungen, geht schnurgerade seinen tristen Weg, weiß aber selber nicht, wohin. Titel: „Die Heimkehr des Odysseus.“ Ob den Anzugträger dieselbe Sehnsucht nach Heimat wie Odysseus leitet? Es lässt sich trefflich meditieren mit den Loos‘schen Bildern.

Ebenso rufen ihre bemalten Buchdeckel Gedanken hervor. Die Gebrauchsspuren, Patina, stehen selber für Geschichten, die vielleicht spannender sind als die Romane und Erzählungen, deren Einband sie waren. „Die haben zwei Weltkriege erlebt“, sagt Loos. Man müsse sich mal vorstellen, welche Menschen zu welchen Zeiten die Bücher in Händen hielten!

Musik ist auch zu hören. Nassir Yassin aus Wadgassen und sein Kommilitone Alexander Baier, beide Studenten an der Saarbrücker Musikhochschule, spielen klassische und romantische Gitarrenstücke. Mit ihrem Konzert klingt die Veranstaltung am Sonntag ab 17.30 Uhr aus.

Willi Schissler aus Fraulautern zeigt kunsthandwerkliche Arbeiten: Scherenschnitt, Intarsien und Kalligrafie. Zu jedem seiner Werke kann er Geschichten erzählen und zeigen, wie es entstanden ist. Zusätzlich hat er Fotoalben dabei, die Projekte an Schulen dokumentieren. Alle seine Arbeiten erfordern „Himmelsgeduld“, wie er sagt. In seiner aktiven Berufszeit als Malermeister brauchte er diese, um für Beschriftungen Schneidfolie mit dem Schablonenmesser vorzubereiten.

Schissler ist oft nachts am Werk, seine Kunst bringt ihn zur Ruhe. Für die filigranen Intarsienarbeiten braucht er aber Tageslicht. Dafür verwendet er 0,5 Millimeter dünne Furniere aus verschiedenen Hölzern. Die Auswahl je nach Maserung ist selbst eine Kunst, ebenso wie das abschließende Hochglanzlackieren.

Der Gastgeber Gerhard Fischer präsentiert auf rostigen Sockeln und Baumstümpfen rund 25 Skulpturen aus Speckstein, Kalkstein, Tuff und Alabaster. „Kosmische Kräfte“ hat er ein Werk aus Tuff genannt, dessen Maserung ihn an den Planeten Jupiter erinnert. „Wenn der Stein geöffnet wird, kommt auch von innen eine Kraft“, erklärt der Bildhauer. Durch die Bearbeitung werde der Stein größer, weil er mehr Oberfläche bekomme. Dem Künstler stelle sich die Frage: „Wie würde ich mich weiter entwickeln, wenn ich der Stein wäre?“

Spätestens jetzt wird deutlich, was alle am Artgarten Beteiligten gemeinsam haben: In ihre Werke legen sie etwas von sich hinein, arbeiten mit Sorgfalt das Einzigartige heraus, ob es auf der Gitarre ein Intermezzo von Johannes Brahms ist, im Speckstein die unverwechselbare Form, in einer Intarsienschatulle die Harmonie der Hölzer oder auf den Gemälden die Nuancen der Farben. Kunst wird zur Lebenskunst. Das gilt auch für die Liebe, die allen Werken mitgegeben wird – wie dem Kuchen, der wie immer auch nicht fehlen wird.

Der Artgarten ist am Samstag und Sonntag, 18. und 19. Mai, von 10 bis 18 Uhr geöffnet (Überherrn, Bahnstraße 21).