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Kläranlage Überherrn
Wo das schmutzige Abwasser wieder sauber und rein wird

Sauerstoff aktiviert Mikroorganismen für den Nitratabbau im Abwasserbecken. Dies und noch vieles mehr erfuhren die Besucher beim Tag der offenen Tür an der Kläranlage in Überherrn.
Sauerstoff aktiviert Mikroorganismen für den Nitratabbau im Abwasserbecken. Dies und noch vieles mehr erfuhren die Besucher beim Tag der offenen Tür an der Kläranlage in Überherrn. FOTO: Johannes A. Bodwing
Überherrn. Beim Tag der offenen Tür in der Kläranlage Überherrn gab es allerlei Wissenswertes zu erfahren.

Teuer und aufwändig wird es, wenn Bürgerinnen und Bürger ihren Unrat bedenkenlos in Toiletten und Abflüssen entsorgen. Damit erhöhen sie letztlich auch die Gebührenkosten für sich selbst. Das war am Samstag beim Tag der offenen Tür in der Kläranlage Überherrn zu erfahren. Medikamente verschwinden im Abfluss, Watte­stäbchen, Binden und Essensreste. Am Ende von insgesamt rund 20 Kilometer langen Kanälen landet all das als Abwasser in der Anlage des Entsorgungsverbandes Saar (EVS) in der Langwies. Dort steht eine von 140 Kläranlagen des EVS.


„Das ist eine Vorzeigeanlage von uns“, sagte um kurz nach elf Uhr Geschäftsführer Georg Jungmann zur Eröffnung. In Überherrn gebe es Photovoltaik zur eigenen Stromversorgung und Biofilter zur Geruchsreinigung der Abluft. „Wenn dies hier gut funktioniert, kommt es vielleicht auch in andere Anlagen.“ Jungmann kündigte an: „Bis 2020/21 werden wir keine Gebührenerhöhung brauchen.“ Danach aber werde der EVS nicht mehr daran vorbeikommen. Dabei gehe es unter anderen darum, im Abwasser gelöste Medikamente zu entfernen, Mikrokunststoffe aus Kosmetik sowie Keime. Dafür ist eine vierte Reinigungsstufe erforderlich, war in Überherrn zu erfahren. „In den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren werden wir 150 bis 200 Millionen Euro investieren.“

Der Vorläufer der Kläranlage Überherrn wurde 1972 von der Gemeinde in der Langwies gebaut, erinnerte sich Bürgermeister Bernd Gillo. Damals als rein mechanische Reinigung der Grobstoffe. Anfang der 80er Jahre wurde sie vom EVS übernommen. Seit 2007 steht dort die moderne Anlage mit verschiedenen Reinigungsstufen und drei großen Reaktorbecken. Daran angeschlossen sind nahezu alle Orte der Gemeinde Überherrn. Das bedeutet Abwässer von rund 18 000 Einwohnern sowie von Straßen und Plätzen. Lediglich Felsberg ist an Saarlouis angeschlossen.



Jedes der drei Becken ist sechs Meter hoch und hat einen Durchmesser von 26 Meter. „Das Fassungsvermögen liegt bei 3000 Kubikmeter pro Becken“, sagte Frank Grimm. Der Schlosser ist einer von zwei Mitarbeitern, die den Standort Langwies am Laufen halten. Dazu gehören beständige Kontrollen der Anlage sowie chemische Untersuchungen im eigenen Labor. Der Kläranlage werden in ihrem westlichen Teil die Abwässer zugeleitet. In mehreren geschlossenen Gebäuden erfolgt die Grobreinigung und das Entfernen von Sand sowie Fett, erklärte Grimm beim ersten Rundgang des Tages. Acht Meter unter der Erde stehen drei etwa vier Meter hohe Pumpen, um das ankommende Abwasser in die nächsten Becken zu drücken. Am Ende der Kette liegen östlich die drei gewaltigen Becken. Von dort aus gelangt das geklärte Wasser in die Bist. „Das ist interessant“, staunte eine junge Frau. „Das hätte ich so nicht gedacht. Man macht sich ja darüber eigentlich keine Gedanken.“

Auf einer Plattform zwischen zwei der großen Becken startete Grimm die Sauerstoffzufuhr. Feine Blasen stiegen in dem grau-braunen Wasser auf. „Das aktiviert die Tätigkeit von Mikroorganismen, die Nitrat abbauen.“ Am Schluss des Rundgangs zeigte er noch das Labor sowie die wandgroße Schalttafel der Kläranlage, die vollautomatisch betrieben wird. Er und sein Kollege sind von Montag bis Samstag vor Ort.

Bei Störungen erfolgt eine Alarmierung. Selbst längerer Stromausfall sei kein Problem, stellte Grimm dar. „Wir haben etwa acht Stunden Reserve, um Notstromaggregate aufzustellen.“

(az)