Crosslauf: Die letzten Mohikaner haben ihren Spaß

Crosslauf : Die letzten Mohikaner haben ihren Spaß

Beim Überherrn-Cross der LG Berus suchten am Sonntag 173 Querfeldeinläufer ihre Kreismeister.

Der Kurs um den Sportplatz Häsfeld ist knackig und hügelig. Bei den Crosslauf-Kreismeisterschaften geht es rauf und runter, die Wiese ist rutschig, die Muskeln brennen. Diesen einen Abhang noch, ein heikler Drift durch die finale Kurve, schon kraxelt Johannes Hermann den knackigen Schlussanstieg empor. Zum fünften und letzten Mal erreicht das 77 Jahre alte Ausdauer-Ass der LSG Schmelz-Hüttersdorf am Sonntag das Flachstück auf dem Sportplatz Häsfeld. Unter dem Beifall der vor Kälte schlotternden Zuschauer biegt der älteste Teilnehmer des Tages auf die Zielgerade ein und passiert nach 31:17 Minuten die Uhr – erschöpft und zufrieden.

„Der Boden war glitschig, und es ist härter, als es auf den ersten Blick scheint. So wie früher – wie es sich für einen echten Crosslauf gehört“, schnaubt der Kreismeister der Klasse M 75 und schwelgt in Erinnerungen.

Als vor einer halben Stunde der Startschuss zum Lauf über 5850 Meter fiel, schneite es in Altforweiler. Der Wind blies den 42 Männern eiskalt ins Gesicht. „Der Wintereinbruch zur Wochenmitte muss auch viele abgeschreckt haben. Dabei ist Schnee ein Faktor, der Crosslauf noch interessanter macht“, sinniert Joachim Rousselange über das geringe Teilnehmer-Interesse. Mit 173 Läuferinnen und Läufern habe man die anvisierte 200er-Marke verfehlt, resümiert der Orga-Chef der LG Berus. Nach gutem Beginn mit 64 Startern in den Rennen der acht- bis 13-Jährigen habe sich eine Lücke aufgetan. Egal. „Berge hoch und wieder runter, das war cool“, meint Mathea Benzrath, 10, vom LC Rehlingen, die beim Sieger-Lauf in der Klasse W 11 Spaß hatte.

Die Starterfelder in den Altersstufen zwischen 14 und 30 Jahren waren dagegen dünn besetzt. „Es fehlte nicht die Qualität, eher die Quantität“, seufzte Rousselange.

 Crossläufe sind hart, aber sie härten auch ab. Früher waren sie fester Bestandteil im Wintertraining der Läufer. Heutzutage sind sie selten geworden. Im Saarland werden Querfeldeinrennen nur noch von wenigen Klubs ausgerichtet. Mit viel Idealismus, lohnen tut es sich nicht. „Wir sind die letzten Mohikaner“, scherzt Rousselange und freut sich über das Lob des anwesenden Vizepräsidenten Breitensport des Saarländischen Leichtathletik-Bundes. „Die Strecke war abwechslungsreich, gut einsehbar, und man lief überwiegend auf Wiese. Das ist kein Waldlauf, sondern ein richtiger Crosslauf“, urteilt Raphael Schäfer, der ehemalige deutsche Meister im Langstrecken- und Hindernislauf.

Zustimmung erfahren Rousselange und Schäfer auch von zwei Crosslauf-Veteranen, die im Zielbereich von alten Zeiten schwärmen. Volker Vollrath schaute heute nur zu. Der Vorsitzende der LSG Saarlouis ist aber der Erste, der dem gleichaltrigen Kreismeister M 75 die Hand reicht. „Wiese, Matsch, aufgeweichter Boden, bissige kleine Stiche – so wie früher, Johannes. Gratuliere. Ich greife dann in der M 90 wieder an“, scherzt Vollrath, und der einstige und immer noch aktive Rivale nimmt die Kampfansage schmunzelnd an.

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