Der Journalist Pierre Bonte zu Gast im Europa-Sender in Berus

Besuch im Europasender : Ein besonderes Rendezvous im Europasender

Zwei Zeitzeugen kehrten an ihren früheren Arbeitsplatz zurück - und viele Bürger und Bürgermeister genossen die Vorstellung.

Einer der großen Reporter der Zeitgeschichte der Nachkriegszeit, Pierre Bonte (86), ist für einige Stunden an den Sender Europe 1 nach Berus zurückgekehrt, für den er 30 Jahre lang von 1950 bis 1980 über 4800 französische Gemeinden bereist, erkundet und über deren Probleme und Ereignisse berichtet hatte. Der Überherrner Bürgermeister Bernd Gillo hieß eine Vielzahl französischer Bürgermeister und Mandatsträger sowie die Repräsentanten deutsch-französischer Kulturvereine und Gremien willkommen.

Pierre Bonte plauderte und diskutierte in legerer Form über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des ehemaligen großen Langwellensenders. Mit Roland Biesen traf er dabei vor Ort einen weiteren Zeitzeugen, der 38 Jahre im Sender als Techniker gearbeitet hatte und noch heute alle Geschehnisse rund um den Sender dokumentiert. „Bonjour Monsieur le Maire – Guten Tag Herr Bürgermeister“ hieß die Sendung, in der Pierre Bonte aus allen französischen Regionen und vielen französischen Gemeinden berichtete.

Auch am 5. Juni 1970 war Bonte vor Ort, als die Tour de France in Berus Station machte und Alain Vasseur als Sieger den Zielbogen vor dem Europasender passierte. Eddi Merx gewann übrigens seinerzeit die Tour. Pierre Bonte war insgesamt 15 mal beim größten und bedeutendsten Radrennen der Welt dabei, um von den Geschehnissen bei der und rund um die Tour zu berichten.

Zum Auftakt hatte Bürgermeister Bernd Gillo den Europasender als großes Wahrzeichen für die Region bezeichnet. Und zwar für die Deutschen und die Franzosen sowie für die Gesamtregion „Grand Est“. Der Sender habe bereits Geschichte geschrieben und soll auch in Zukunft ein fester Bestandteil unserer Heimat sein.

Um das Sendergebäude der Nachwelt zu erhalten, hatte die Gemeinde Überherrn es samt Nebenanlagen und einer Gesamtfläche von nahezu 23 Hektar erworben. Das Ensemble sei ein wichtiges Identifikationsobjekt sowie ein Baustein der Gemeindeentwicklungsgeschichte. Und es sei ein wertvolles Zeugnis der Wirtschaftsentwicklung der heutigen Gemeinde Überherrn. Es stelle auch eine große Herausforderung dar. „Daher ist dies nicht nur ein Projekt der Gemeinde Überherrn, sondern der gesamten Großregion“, betonte Gillo. Er verwies darauf, dass das Projekt mit all seinen Zukunftsperspektiven nicht allein von der Gemeinde Überherrn getragen werden könne. Vielmehr bedürfe es einer Vielzahl von Beteiligten und Mitstreitern, um das kunsthistorische Bauwerk der Nachwelt zu erhalten.

„Die Geschichte des Senders ist so einmalig, dass man stundenlang darüber berichten könnte“, betonte der Bürgermeister. Gillo würdigte das Gebäude als eine architektonische Meisterleistung französischer Baukunst.

Zum Abschluss der Veranstaltung überreichte Bürgermeister Denis Butterbach aus dem französischen Valmunster Pierre Bonte ein Europabäumchen, das er als Professor seinen Hochschul-Studenten als Symbol für ein vereinigtes Europa kreiert hat und verwies damit auf die besondere Symbolik des einstigen stärksten Langwellensenders der Welt.

Pierre Bonte wartet übrigens immer noch auf einen Interviewtermin mit dem französischen Ratspräsidenten Emmanuel Macron. Da die Gemeinde Überherrn auch auf einen Gesprächstermin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Sachen Europasender wartet, regte Bernd Gillo an, dieses Treffen doch als kleinen deutsch-französischen Gipfel im Beruser Europasender durchzuführen.

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