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CDU legt im Wahlkreis Saarlouis zu

CDU legt im Wahlkreis Saarlouis zu

Die Abweichungen des Ergebnisses bei der Landtagswahl vom Wahlkreis Saarlouis zum Landesergebnis sind gering. CDU und SPD liegen allerdings leicht über Landesschnitt, die Linkspartei leicht darunter.

Kreis Saarlouis. "Spitz auf Knopf." "Das wird eine ganz enge Kiste." "Unter ein Prozent, das wird dauern, bis die nach- und nachgezählt haben." Keiner hier im Landratsamt Saarlouis, der einen klaren Wahlsieg vorhersagen mag. Es ist kurz vor 18 Uhr. Hier werden die Ergebnisse aus den 20 Städten und Gemeinden der beiden Landkreise Saarlouis und Merzig-Wadern einlaufen. Das sollte spannend werden.Punkt sechs: Die Prognose im SR. Gute fünf Prozentpunkte Vorsprung für die CDU vor der SPD. Wie ein Luftballon am Kaktus entweicht die Spannungsluft. Von jetzt an wird es kleinere "Ahs" und "Ohs" geben, wenn einer von den wenigen Gästen des Abends die Ergebnisse seiner Kommune hört. Ungewissheit gibt es außerdem nur noch bei den Grünen - 5,0, 5,3 kurz mal 4,9 dann wieder über fünf Prozent. Am Ende des Abends wird es heißen, dass es hauchdünn gereicht hat für die Grünen.

Der neu gewählte Saarlouiser Landrat Patrik Lauer schüttelt den Kopf. "Ich hab zwar das Gefühl gehabt, dass die CDU hinten raus stärker wurde", sagt er, "aber dass die so klar vor uns sind." Der Sozialdemokrat hatte bis kurz vor der Prognose auf eine Mehrheit für seine Partei gesetzt. Kreiswahlleiter ist Oswald Kriebs, Lauers Parteifreund, der bis zu dessen Amtsantritt die Geschäfte des Landrats geführt hat. "So ganz kann ich das nicht nachvollziehen", sagt er. Lauer und Kriebs stellen bei jedem eingehenden Stadt- oder Gemeindeergebnis fest, dass es bei Landratswahl im Januar viel, viel besser für die SPD gelaufen ist - oder eben nicht für die Partei, sondern für die Person?

Annegret Kramp-Karrenbauer tritt sehr früh vor die Kamera und strahlt Zufriedenheit aus. Ihre CDU hat im Wahlkreis noch besser abgeschnitten als landesweit, 37,2 gegenüber gut 35 Prozent. "Die Leute haben ihr hoch angerechnet, dass sie den Mut gehabt hat, Jamaika zu beenden", glaubt Kriebs.Heiko Maas macht im Fernseh-Interview einen gefassten Eindruck. Er redet nicht vom deutlichen Plus seiner Partei (im Wahlkreis liegt das höher als im Land) sondern gesteht ein, sein Ziel verpasst zu haben. Im großen Saal des Landratsamts beschert ihm das ein paar Respektsbekundungen.

Weitere Hochrechnungen zeigen kaum Bewegung an. Kommentare aus der Linkspartei, die erneut um die SPD wirbt, erntet abfällige Handbewegungen. Hier sind keine Fans von Oskar Lafontaines Truppe dabei. Die erzielt übrigens ein etwa ein Prozent schlechteres Ergebnis als landesweit und fällt von 19,5 aus 15,3 Prozent ab. Die FDP, 2009 mit über zehn Prozent im Wahlkreis, stürzt auf unter 1,5 Prozent ab, die Piraten erreichen mit 6,8 Prozent nicht ganz das Landesniveau.


"Wenn man nicht wählen geht, hat man gar nichts in der Hand"

Mit gemischten Gefühlen an der Wahlurne - Manche wählen aus Hoffnung oder für Neuorientierung, andere trotz Politikverdruss

Am Wahlsonntag herrschte in den Wahllokalen mal reges Treiben, mal mäßiger Betrieb. Manche traten aus Demokratiegefühl, Andere für die Hoffnung an die Urne. Eine Runde durch einige Wahllokale im Landkreis.

Saarlouis. In der Lohwieshalle in Reisbach, einem Saarwellinger Ortsteil, ist ab acht Uhr morgens Betrieb. Innerhalb von drei Stunden haben 220 Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben, das macht am Vormittag eine Wahlbeteiligung von 25 Prozent: "Die Reisbacher sind fleißige Wähler, im Durchschnitt kommen wir hier auf gute Ergebnisse", sagt die Wahlhelferin Petra Bettscheider-Eisenbart. In der Schule von Primsweiler hat gestern Vormittag auch die 47-jährige Elke gewählt. Von geöffneten Baumärkten oder der Gewerbeschau in der Nähe hat sie sich nicht abhalten lassen. Wählen, für sie eine Selbstverständlichkeit: "Ich will meinen Beitrag leisten, wenn man nicht wählen geht, hat man gar nichts in der Hand."

Vor dem Mittagessen wollen Viele noch ihren Wahlzettel ausfüllen, manche spekulieren schon über den Ausgang. Damit es aber am Abend erste verlässliche Prognosen geben kann, bittet Peter Reichert von der Forschungsgruppe Wahlen die Wähler im Wahllokal in der Limbacher Talbachhalle um einen Gefallen. Stichprobenartig sollen sie einen anonymen Fragebogen auszufüllen, sollen angeben, welche Partei sie gewählt haben, ob sie diese Partei wegen des Kandidaten oder den Inhalten gewählt haben, außerdem welches Alter und welches Geschlecht sie haben, wie oft sie zur Kirche gehen. Mit diesen Ergebnissen berät die Forschungsgruppe die Wahlsendungen des ZDF. Bis zwölf Uhr mittags haben 29 Limbacher teilgenommen, nur ein Wahlberechtigter lehnte ab. "Hier werden sicher viele CDU wählen, aber wer es am Ende wird, weiß ich auch nicht", sagt Reichert.

Wer es am Ende auch wird, er oder sie sieht sich Hoffnungen gegenüberstehen. "Ich verspreche mir einen Umschwung und einen sozialen Neubeginn", sagt Agnes, die in Dorf im Bohnental, dem kleinsten Gemeindebezirk der Gemeinde Schmelz, ihre Stimme abgegeben hat. Die vergangenen sieben Jahre war sie nicht wählen, weil sie mit der Partei, der sie beigetreten war, politisch unzufrieden war. "Aber diesmal habe ich einen persönlichen Bezug zu einem der Kandidaten gefunden, weil ich ihn einfach gut finde."

Im Lebacher Stadtteil Knorscheid sind die Wahlhelfer gegen 13 Uhr in der Halbzeit angelangt. Mit 49 Prozent Wahlbeteiligung, damit ist der stellvertretende Wahlleiter Peter Pontius nicht zufrieden. "Wir hoffen auf die Spätaufsteher, wahrscheinlich kommt nach dem Mittagessen noch ein großer Schwung", hofft Pontius. Auch wenn in Lebach Plakate der Piratenpartei oder der Freien Wähler hängen, "ich denke, dass die Leute hier in Knorscheid mehrheitlich doch zu den großen Parteien tendieren", sagt Pontius.

Ob groß, ob klein, sein Vertrauen in die Parteien hat der 72-jährige Ernst aus Siersburg offenbar verloren: "Glaubwürdig sind die alle nicht, man möchte die Guillotine aufstellen, so wie die mit unseren Millionen rumschmeißen." Wählen war er aber doch. "Weil meine Enkel auch mal Kinder wollen."

Im Wahllokal des Wallerfanger Ortsteils Bedersdorf sind um 15 Uhr etwa 40 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne getreten, man erwartet hier insgesamt 60 Prozent. Ortsvorsteher Alois Tasch geht von einem knappen Wahlergebnis aus: "Der Wahlkampf hat sich nicht viel unterschieden, das lag an der Kürze und auch daran, dass er weitgehend fair war."

"Also mich hat der Wahlkampf weder gestört noch angeregt", sagt die 66-jährige Maria, die am späten Nachmittag ihre Stimme in Überherrn abgegeben hat. Nach Jahrzehnten hat sie diesmal eine andere Partei als sonst gewählt: "Ich erwarte mir mehr Gerechtigkeit bei den Löhnen." René hat sich mit den Wahlprogrammen beschäftigt. "Aber was die Parteien letztlich umgesetzt haben, war für mich auch wichtig", erklärt der junge Überherrner seine Wahl.

Meinung

Klare Verhältnisse angesagt

Von SZ-RedakteurMathias Winters

Prima. Das ist für mich zunächst mal das Prädikat für eine Wahlbeteiligung von über 60 Prozent, obwohl das Gefühl "es geht ja eigentlich um nichts" so stark ausgeprägt schien. Wenn auch die Nichtwähler-Partei die größte ist, so können sich die bei auf den Plätzen zwei, die CDU, und drei, die SPD, auf eine solide Basis stützen.

Ohne die Kaffeesatz-Leserei aus den Zahlen des Wahlabends übertreiben zu wollen, so lässt sich doch erkennen, dass CDU und SPD bei uns im Wahlkreis Saarlouis (sogar noch etwas mehr als im Landesschnitt) zugelegt haben. Das ist kein "trotz", sondern muss ein "wegen" der angekündigten großen Koalition sein. Nach aller Parteienlehre hätte diese Ankündigung nämlich die kleineren Parteien stärken müssen.

Der 21-jährige Jens Wilhelm aus Limbach nimmt an einer Umfrage für die Wahlprognose teil. Peter Reichert (rechts) von der Forschungsgruppe Wahlen hat ihn darum gebeten. Fotos: Heike Theobald
Silke Hans und Josef Rath kümmern sich um die Wahlergebnisse aus dem Landkreis Saarlouis.
Der 21-jährige Jens Wilhelm aus Limbach nimmt an einer Umfrage für die Wahlprognose teil. Peter Reichert (rechts) von der Forschungsgruppe Wahlen hat ihn darum gebeten. Fotos: Heike Theobald

Ein zweites Prima vergebe ich deshalb für die Ansage klarer Verhältnisse. Hoffentlich werden wir in den kommenden fünf Jahren auch zu klaren Entscheidungen sagen dürfen.