Bürgermeister aus Überherrn Bernd Gillo wird verabschiedet

Bernd Gillo : „Es gab keinen Tag Langeweile“

Ende September wird der Überherrner Bürgermeister Bernd Gillo (CDU) in den Ruhestand treten. Wir haben gemeinsam mit ihm eine Bilanz seiner achtjährigen Amtszeit gezogen.

Ein dicker Aktenordner liegt bei unserem Termin auf dem Tisch in Bernd Gillos Büro. „Meine letzten Arbeitstage im Rathaus Überherrn“ steht auf dem Ordnerrücken. „Das alles werde ich noch bis zum 29. abarbeiten“, sagt Gillo und gießt sich ein Glas abgefülltes Leitungswasser aus der Glasflasche auf seinem Tisch ein. Er trinke nur noch dieses Wasser, denn es sei einfach hervorragend, sagt er. Kein Wunder, stammt es doch aus genau jenem Wasserwerk, mit dem sich Gillo bereits vor Jahren einen seiner Lebensträume erfüllt hat.

1988 hatte Bernd Gillo, der bis dato in aller Welt Großanlagen geplant und gebaut hatte, eine Stelle als Betriebsingenieur bei der Gemeinde Überherrn angenommen – und war als solcher zuständig für Wasserwerk, Abwasserwerk, Bauhof, Schwimmbad, Campingplatz sowie die öffentlichen Gebäude. Bereits damals hatte er einen ehrgeizigen Plan im Kopf: Nämlich ein Energie-Gesamtkonzept, um die Gemeinde Überherrn energieautark zu machen. Und das zu einer Zeit, als das Wort Nachhaltigkeit noch kaum bekannt war.

Seit 2007 hat er – anfangs in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der Kommunalen Dienste Überherrn (KDÜ), später als Bürgermeister – dieses Konzept Schritt für Schritt umgesetzt. „Wir sind etwa bei 70 Prozent“, sagt er stolz. Vor allem im Wasserbereich sei es zu 100 Prozent gelungen. „Wir haben ausreichende Wasserrechte und darüber hinaus Anlagen auf einem sehr guten Niveau.“ Man stehe bereits mit den Nachbargemeinden in Verhandlung über den Verkauf von Wasser.

Das sei aber nicht immer so gewesen. „Als ich das Wasserwerk 1988 übernommen habe, steckte es in tiefroten Zahlen. Das Leitungsnetz war völlig marode, und wir hatten rund 80 bis 100 Rohrbrüche im Jahr“, erinnert er sich. An seinem ersten Arbeitstag stand er mit aufgekrempelten Ärmeln bei einem dieser Rohrbrüche in der Baugrube. Aber: „Die KDÜ entwickelte sich zusehends – und die Finanzen ebenso. Ich hinterlasse eine wohlgeordnete KDÜ und einen gut geordneten Abwasserzweckverband. Jede Kommune kann stolz sein, wenn sie solche Betriebe hat.“

Dass er im Jahr 2011 die Bürgermeisterwahl gewann, sei für ihn allerdings überraschend gewesen. Auch hier lockte ihn die Herausforderung, die Finanzen zu ordnen. „Wir haben die Kredite zurückgefahren, dennoch Investitionen getätigt und dabei immer alle Zuschüsse abgerufen.“ Dabei ist es ihm trotz des strengen Sparkurses gelungen, den Rat geschlossen hinter sich zu vereinen: „Von acht Haushalten wurden sieben einstimmig verabschiedet.“ Und: „Wenn der Saarlandpakt kommt und bei der Gemeinde Überherrn so wie bisher gewirtschaftet wird, können die strukturellen Liquiditätskredite in den nächsten Jahren gegen Null gefahren werden.“ Bei der Kommunalaufsicht gelte Überherrn als mustergültige Gemeinde. Ein Beispiel für sein Motto „Eisern sparen und intelligent investieren“ sei auch das Überherrner Rathaus. „Das Gebäude entspricht auch nach jetzt 21 Jahren den aktuellen Standards.“

Und was wünscht sich Gillo für ein zukünftiges Überherrn in zehn Jahren? „Dass sich unsere Bevölkerung wohlfühlt und wir Zuwachs haben, dass es gute Einkaufsmöglichkeiten in der Gemeinde gibt, der neue Kindergarten gebaut ist und die Kitas Felsberg wie auch Berus erweitert sind. Zu den vorhandenen 3500 Arbeitsplätzen sollen noch 1000 weitere hinzukommen. Es soll bezahlbaren Wohnraum in Überherrn geben, das Schwimmbad soll noch existieren und ein beheiztes Becken haben. Und der Sender soll zu dem geworden sein, was er verdient.“ Den Plan, wie das Schwimmbecken nachhaltig beheizt werden kann, hat er übrigens bereits in der Schublade. Die entsprechenden Voraussetzungen sind geschaffen.

Wenn Bernd Gillo von der Zukunft des Senders spricht, blitzen seine Augen vor Begeisterung. „Die Machbarkeitsstudie werde ich noch in diesem Monat den Fraktionen präsentieren.“ Das Symbol der deutsch-französischen Freundschaft soll zu einer europäischen Begegnungsstätte werden mit vielfältigen kulturellen Veranstaltungen, von Oper bis Schwenker-Meisterschaften. Gillo hofft außerdem auf ein Radio-, Fernseh- und Filmmuseum. Im „Reallabor“ soll eine Anlage zur nachhaltigen Energie-Gewinnung in einem autarken Wirtschaftskreislauf entstehen – mit Technik zum Anfassen und Verstehen. Rohstoffe aus der Region werden durch Pyrolyse zu Holzkohle, diese wird als Dünger weiterbenutzt. Das dabei entstehende CO2 wird zur Produktion von Algen benutzt. Diese wiederum werden verkauft. „Und mit der überschüssigen Wärme können die Nachbargemeinden versorgt werden.“

Investoren und renommierte Projektpartner hat Gillo bereits aufgetan, unter anderem die Uni Stuttgart. 2024 sollen Museum und Reallabor eröffnet werden, 2027 sollte das geplante Projekt komplett umgesetzt sein. Mit dem Reallabor und der Idee, neue Konzepte zur Gewinnung regenerativer Energien zu schaffen, schließt sich letztendlich der Kreis für den scheidenden Bürgermeister, der in jungen Jahren Groß-Kraftwerke geplant hat. „Diese Ideen lassen mir keine Ruhe. Die Energiegeschichte möchte ich auch weitermachen.“

Also zunächst kein Gedanke an den Ruhestand. Obwohl: „Meine zwei Enkelkinder erfüllen mich und meine Frau mit sehr viel Leben. Und ich möchte auch wieder mit meiner Frau tanzen gehen.“ Seiner Nachfolgerin Anne Yliniva-Hoffmann wünscht er „allzeit eine glückliche Hand und dasselbe Engagement, das ich auch heute noch habe“. Letztendlich sei es ihm keinen Tag langweilig gewesen.

Die offizielle Verabschiedung von Bernd Gillo ist an diesem Freitag.

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