| 21:10 Uhr

Blick schweift bis über die Landesgrenze

Hinter der Beruser Pfarrkirche öffnet sich für Ortsvorsteherin Karla Thieser-Aulenbacher der Blick in südliche Richtung bis zum Warndtwald und zur französischen Grenze. Foto: Johannes A. Bodwing
Hinter der Beruser Pfarrkirche öffnet sich für Ortsvorsteherin Karla Thieser-Aulenbacher der Blick in südliche Richtung bis zum Warndtwald und zur französischen Grenze. Foto: Johannes A. Bodwing FOTO: Johannes A. Bodwing
Berus. Der Landkreis Saarlouis verfügt über viele schöne Aussichtspunkte. Von diesen erschließt sich dem Betrachter eine abwechslungsreiche Landschaft mit grünen Wiesen, Wäldern, Äckern und dazwischen vielen kleinen Dörfern. In einer Serie stellen wir einige dieser Aussichtspunkte vor. Heute: Blick vom Friedhof hinter der Pfarrkirche in Berus. Johannes A. Bodwing

Etwas ungewöhnlich ist der Aussichtspunkt hinter der Pfarrkirche im mittelalterlichen Ortsteil von Berus . Dort steht man oberhalb des Friedhofs und pendelt immer wieder zwischen Blicken auf die Gegenwart und Gedanken an die Vergangenheit. Auf historischem Boden stehe die Kirche, weiß Ortsvorsteherin Karla Thieser-Aulenbacher. Denn im Mittelalter war Berus eine befestigte Stadt.



Erstmals erwähnt wurde der Ort 1235 als "Bellus Ramus". Überreste von Stadtmauer und Burg sind heute noch erhalten. Auch unterhalb des Friedhofes am Hang. "Teile davon kann man da noch sehen. Später wurde dort Wein angebaut, auf den dafür angelegten Terrassen folgten später Felder." Der Friedhof liegt ein paar Meter tiefer als die denkmalgeschützte Pfarrkirche St. Martin. 1750 wurde sie eingeweiht. "Aber zurück geht sie auf eine kleine herrschaftliche Marienkapelle, so etwa im 13. Jahrhundert."

Natürlich darf auch der Beruser Esel nicht fehlen. "Der steht jetzt als Figur aus Draht am Ortseingang", sagt Karla Thieser-Aulenbacher. Dort, wo die Straße von Altforweiler kommend eine Kurve macht, mündete einstmals der alte Hauptweg aus dem Tal. Die begann zwischen Altforweiler und Bisten und war "die alte Chossee". Am oberen Ende steht der drahtige Esel. Er erinnert an die Belagerung im Dreißigjährigen Krieg. Damals sollen die Bewohner ihren letzten Esel geschlachtet haben. Im Fell hätten sie auch den letzten Sack Korn eingewickelt und beides auf die Belagerer katapultiert. Die wiederum gingen laut Überlieferung von üppigen Vorräten aus und zogen ab. In Wirklichkeit aber wurde Berus 1635 zerstört.

Rund 100 Meter unterhalb von Berus breitet sich nach Süden hin der Großteil der Gemeinde Überherrn aus. "Das Industriegebiet Häsfeld kann man ebenso sehen wie das, was jetzt auf dem Lisdorfer Berg entsteht. Weiter rechts liegt der Linslerhof", sagt die Ortsvorsteherin.

Selbst wenn das Wetter nicht ganz mitspielt, lohnt sich ein Blick in die Ferne. Der geht von den Kühltürmen des Ensdorfer Kraftwerkes bis zur französischen Grenze etwa bei Creutzwald und Merten. Zum südlichen Horizont hin bildet der Warndtwald ein grünes Band. Die Straßenbahn-Linie 9 fuhr bis 1961 unterhalb von Berus vorbei und beförderte Bergleute zu den Gruben jenseits der französischen Grenze. Nochmals einige hundert Jahre früher transportierten auf diesen Wegen Händler von Metz aus Salz über Merten, Felsberg und weiter bis zum Rhein.



"Für mich ist jede Jahreszeit schön, um die Aussicht von Berus zu genießen", sagt Karla Thieser-Aulenbacher. Aber der Herbst hebe sich davon nochmals mit vielfarbigen Blättern ab. "Wenn dann die Sonne darauf scheint, glänzt das so richtig golden."