"Bemitleidenswerter Auftritt"

Kreis Saarlouis. Christian Wulff hat sich in seinem Fernseh-Interview am Mittwochabend zu den Vorwürfen gegen ihn geäußert. Hat der Bundespräsident sich damit blamiert, oder konnte er alles geradebiegen? Soll er sein Amt behalten, oder ist es doch eine Nummer zu groß für ihn? Den meisten befragten Menschen im Kreis Saarlouis reichen Wulffs Erklärungen nicht aus

Kreis Saarlouis. Christian Wulff hat sich in seinem Fernseh-Interview am Mittwochabend zu den Vorwürfen gegen ihn geäußert. Hat der Bundespräsident sich damit blamiert, oder konnte er alles geradebiegen? Soll er sein Amt behalten, oder ist es doch eine Nummer zu groß für ihn? Den meisten befragten Menschen im Kreis Saarlouis reichen Wulffs Erklärungen nicht aus."Dieses Interview hat an seinem Ruf meiner Meinung nach überhaupt gar nichts geändert", sagt Horst Hert aus Ensdorf. "Seine Erklärungen kamen zu spät. Aus meiner Sicht sollte er zurücktreten. Noch tiefer kann er sich nicht reinreiten." Rolf Sadowski aus Saarlouis stimmt zu: "Wulff hat sich als das Leichtgewicht herausgestellt, für das ich ihn von Anfang an gehalten habe. Diesem Druck wird er jetzt nicht mehr lange standhalten können, mit dieser Geschichte am Bein kann er sich nicht mehr in diesem höchsten Amt halten. Ich bin sicher, dass er zurücktreten wird und das erwarte ich auch."

Bernd Staschinski ist nicht der Meinung, dass der Bundespräsident sein Amt abgeben müsste. "Dann müssten auch noch ganz andere zurücktreten", sagt er, "das ist in der Politik eben so üblich: Man gibt immer nur das zu, was einem auch nachgewiesen werden kann. Er ist in Kreisen tätig, in denen das eben normal ist." Seine Frau Martina Staschinski stimmt zu: "Etwas Verbotenes hat er ja nie getan. Er hat nur seinem Ruf geschadet."

Elke Lauer aus Heusweiler findet: "Wulffs Erklärungen kamen zu spät, sehr zögerlich und immer nur häppchenweise. Ich bin schon länger der Meinung, er sollte zurücktreten."

Das Ehepaar Inka und Heinz Wagner aus Überherrn schüttelt den Kopf. "Ich kann nicht nachvollziehen, dass er nicht selbst merkt, dass er aus der Sache nicht mehr herauskommt. Ich fordere nicht, dass er zurücktritt, aber ich denke, es wäre auf jeden Fall das beste für ihn selbst. So wird man sich nur weiter über ihn lustig machen", sagt Inka Wagner. Und Heinz Wagner ergänzt: "Ich weiß nicht, was Wulff mit all seinen Erklärungen erreichen will. Jetzt munkelt die Presse zwar nicht mehr, was da bei ihm alles im Busch steckt, aber sie macht ihn zur Witzfigur. Das muss ihm doch auffallen."

Marietta Hager aus Reisbach sagt: "Jeder andere hätte in einer solchen Situation längst seinen Job verloren. Es wird jetzt immer peinlicher für Wulff, er sollte sein Amt abgeben." Helmut Jacob aus Schwalbach findet noch härtere Worte: "Wulff muss jetzt wirklich zurücktreten. So bemitleidenswert wie der am Mittwoch in diesem Interview aufgetreten ist, ist er für mich kein geeignetes Staatsoberhaupt."