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Regionalkonferenz Dorfentwicklung
Aus Landfrust soll Landlust werden

Um Chancen für Dörfer und ländliche Regionen sowie Fördermittel ging es bei der Regionalkonferenz des Umweltministeriums in Berus.
Um Chancen für Dörfer und ländliche Regionen sowie Fördermittel ging es bei der Regionalkonferenz des Umweltministeriums in Berus. FOTO: Johannes A. Bodwing
Berus. Bei einer Regionalkonferenz des Umweltministeriums in Berus ging es um die Chancen für den ländlichen Raum.

  Schön wohnen, aber vielfach geht kaum noch etwas ohne Auto. Die Lebensqualität in vielen Dörfern hat in den vergangenen Jahrzehnten gelitten; oftmals sind sie nur noch Wohn- und Schlaforte. Aber „mit etwa 500 000 Bürgerinnen und Bürgern ist der ländliche Raum prägend für unser Land“, brachte Umweltminister Reinhold Jost die Situation im Saarland auf den Punkt. Abgesehen von städtischen Zentren wie Merzig und St. Wendel sowie dem industriellen Gürtel von Saarlouis über Saarbrücken bis Neunkirchen sei der Rest ländlicher Raum. Wegen der Bedeutung der dörflich geprägten Regionen wolle das Ministerium Hilfestellung geben und Wege zu Fördermitteln aufzeigen. „Saarbrücken ist wichtig“, betonte Jost, „aber Saarbrücken ist nicht alles.“ Chancen für den ländlichen Raum waren Thema bei der Konferenz in Berus.


Im Dorfgemeinschaftshaus „Bergfriede“ trafen sich etwa drei Dutzend kommunale Vertreter bei der 4. Regionalkonferenz „Perspektiven der Dorf- und Regionalentwicklung“ des Umweltministeriums. Wie Ideen, Motivation und engagierte Einwohner gegen den Niedergang der Dörfer arbeiten können, präsentierten drei Referenten anhand von Projekten ihrer Orte. Das Ministerium informierte über finanzielle Förderung aus Projekten wie Eler und Leader. „Es geht nur gemeinsam“, sagte Beate Lambert aus Blieskastel-Altheim. Ein Meilenstein in der Entwicklung des 558 Einwohner zählenden Ortes war 2006 der Aufbau des „Bickenalb Centers“. Die frühere Raiffeisenkasse ist nun zentrales Kommunikationszentrum mit Nahversorgung auch für umliegende Dörfer.

Nahezu alles ist weg, stellte Oliver Thomé zum 588 Bewohner zählenden Walhausen bei Nohfelden dar. Seit 2015 treibe der Förderverein „Pro Wal“ ein integriertes Dorfentwicklungskonzept voran. Zentrales Element sei darin eine Wohn-, Lebens- und Arbeitsgemeinschaft für ältere Menschen. Für um die 70 Veranstaltungen pro Jahr sorgten zwölf Vereine, erklärte Thomé. Das größte Fest ist alle fünf Jahre das „Meilerfest“ mit um die 20 000 Besuchern.



„Wir müssen unsere Kommunen sozial, ökonomisch und ökologisch neu ausrichten“, machte Bernd Gard klar, Ortsbürgermeister von Mannebach bei Saarburg/Rheinland-Pfalz. Es gehe um den demografischen Wandel, um Ernährung und Bewegung für Jung und Alt sowie Armut. 350 Einwohner habe er, und „wir müssen enger zusammenrücken und uns gegenseitig helfen“. Elemente dazu sind eine Dorfgesundheitshütte mit Sportgeräten sowie ein aktiver Förderverein. Neben ökologisch schonenden Methoden gehe es auch um die Chancen der Digitalisierung. Deshalb werde Mannebach seit 2009 umstrukturiert und neu aufgebaut. „Aus Landfrust wird Landlust“, machte Gard Mut.

Für die Entwicklung der Dörfer und Regionen sowie Bürgerprojekte gebe es Geld, erläuterte Michael Burr vom Referat Ländlicher Raum des Ministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz. Und in den Töpfen seien noch Millionen. Beispielsweise für Kauf und Aufwertung von Gebäuden, die das Ortsbild prägen. Bis zu 50 000 Euro seien möglich, bei Gehöften sogar bis 150 000 Euro. Im Anschluss stand Umweltminister Jost nicht nur am heißen Rost, sondern auch bereit für weitere Fragen. Das Ministerium biete Beratung und Vermittlung von Kontakten an, sagte Jost. Denn neben der Finanzierung über das Umweltministerium gebe es weitere Möglichkeiten. Informationen zur Förderperiode 2014-20 finden sich im Internet.

(az)