1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Überherrn

Auf den Spuren der Vergangenheit

Auf den Spuren der Vergangenheit

Wadgassen. Er will einfach nicht aufs Bild. Der stattliche Graureiher steht am Ufer der Bist, nur knapp hundert Meter von der Einmündung in die Saar entfernt. Jeden Versuch ihn zu fotografieren quittiert er mit kräftigen Flügelschlägen, die ihn ein gutes Stück weiter bistaufwärts bringen.Bis über die Stelle hinaus, wo hohe Sandsteinmauern in der Flussaue stehen

Wadgassen. Er will einfach nicht aufs Bild. Der stattliche Graureiher steht am Ufer der Bist, nur knapp hundert Meter von der Einmündung in die Saar entfernt. Jeden Versuch ihn zu fotografieren quittiert er mit kräftigen Flügelschlägen, die ihn ein gutes Stück weiter bistaufwärts bringen.Bis über die Stelle hinaus, wo hohe Sandsteinmauern in der Flussaue stehen. Das sind keine Reste von Gebäuden der alten Abtei, sondern die Überbleibsel einer alten Bahnverbindung. Diese Strecke kam ab 1880 von Bous über die Saar nach Wadgassen und führte weiter bis Überherrn sowie Teterchen in Frankreich.

Zu ihr gehörte eine der wenigen Eisenbahnbrücken über die Saar. Diese wurde im Dezember 1944 von deutschen Truppen gesprengt, ebenso die ehemalige Autobrücke. Letztere entstand wieder zwischen 1950 bis 1951. Nahe der Stelle, wo die Bist in die Saar mündet, steht noch der wuchtige Rest der Eisenbahnbrücke über die Saar. Weiter bistaufwärts wachsen Sträucher und Bäume auf den Resten der alten Brückenanlagen über die Bist, Efeu hängt in langen Ranken herab.

Mitten in der Aue steht dort ein schmaler massiver Pfeiler, beiderseits von ihm liegen die gemauerten Enden des alten Bahndammes. Eine dieser Mauern begrenzt den Wadgasser Friedhof in etwa an der nordöstlichen Ecke. "Die Bahn lief früher mal da lang weiter", sagt ein Mann und weist über Gräber hinweg in Richtung Kreisel in der Lindenstraße.

An der Saar wurden früher einmal Schiffe von schmalen Uferwegen aus flussauf gezogen. Heute flitzen da Radfahrer über einen asphaltierten Weg, eilen Jogger und Skater vorüber. Lange Zeit ging Wadgassen im Osten in Wald und Wiesen über, informierte die Wadgasser Verwaltung. Erst die Saar war die Grenze.

Etwa Anfang der 70er Jahre kam die Autobahn, sie trennt seither Ort und Uferbereich. Gegen Ende der 70er Jahre wurde die Saar begradigt. Als Folge davon liegt gegenüber dem Bouser Stahlwerk ein Altarm. Schildkröten sitzen dort auf alten Stämmen im Wasser, ein Schwan schwimmt näher und biegt parallel zum Ufer ab. Von diesem Saarbogen bis zur Bouser Brücke liegen 14 Hektar Auefläche. Seit 1999 sind sie das Naturschutzgebiet "Saarwiesen".

"Ökologisch besonders wertvoll", sagt Wadgassens Naturschutzbeauftragter Ernst Kollmann dazu. Es sei eine der letzten unverbauten Auewiesen im Saartal. Frösche platschen ins Wasser, eine Ente schwirrt aus dem Dickicht und landet wild schnatternd im Wasser. Das hat der Biber aufgestaut. "Drei Dämme sind es inzwischen", weiß Kollmann. "Damit ist die Wasserhöhe gestiegen." Ein Umfeld, in dem der seltene Eisvogel trotz des strengen Winters überlebt habe.

Südlich der Saarbrücke in Richtung Völklingen liegt eine Schilfzone. In ihr schwimmen Enten, und Zugvögel machen Rast. Die sandigen Uferbereiche sind Rückzugsgebiete für Reptilien. Dieser Bereich ist eine natürlich gestaltete Rückhaltezone, der als Hochwasserschutz für Wadgassen dient.

Den Mittelpfeiler der alten Eisenbahnstrecke Bous-Wadgassen nahe dem Wadgasser Friedhof hat sich die Natur erobert. Foto: Johannes A. Bodwing.

ich-lebe-gern-in.de