Amer plant gigantischen Neubau

Überherrn. Der Gemeinderat ist am Donnerstagabend zu einer zweistündigen Sondersitzung zusammengetreten. Denn die Firma Amer Sports brauchte unverzüglich die Zustimmung für ein großes Vorhaben. Der größte Sportartikelanbieter der Welt will in Altforweiler seine Distributionszentrale für ganz Europa, ganz Afrika und halb Asien bauen

Überherrn. Der Gemeinderat ist am Donnerstagabend zu einer zweistündigen Sondersitzung zusammengetreten. Denn die Firma Amer Sports brauchte unverzüglich die Zustimmung für ein großes Vorhaben. Der größte Sportartikelanbieter der Welt will in Altforweiler seine Distributionszentrale für ganz Europa, ganz Afrika und halb Asien bauen. So beeindruckend bei der Vorstellung des Projekts die gekennzeichneten Abnehmerländer auf der Weltkarte waren, so erstaunlich sind die Dimensionen des geplanten Neubaus: Das Hochregallager wird 40 Meter hoch, 100 Meter tief und 85 Meter breit, kostet allein zehn Millionen Euro. Es soll bereits im ersten Bauabschnitt realisiert werden, integriert in einen Hallenbau, der 240 Meter breit und 140 Meter tief sein wird bei einer Höhe von 15 bis 20 Metern. Dieser Baukörper soll im zweiten Bauabschnitt sogar auf 360 Meter Breite erweitert werden. Amer Sports ist seit 2003 im Industriegebiet Häsfeld ansässig. Die Betriebsfläche dort reicht jedoch bei weitem nicht aus, erklärte Kai Bahlmann, bei Amer Sports der Logistik-Verantwortliche. 100 neue ArbeitsplätzeEr kündigte an, die Mitarbeiterzahl werde von den derzeit 100 auf 210 steigen, wenn im Jahr 2010 die Arbeit in zwei Schichten in dem neuen Distributionszentrum anlaufen kann. Laut Bahlmann prüfte der Konzern mehrere Standorte, unter anderem in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Die Entscheidung fiel für Überherrn wegen guter Erfahrungen mit den Mitarbeitern (alle aus der Region) und den Behörden. Außerdem spricht die sehr gute Verkehrsanbindung für diesen Standort, zumal 2010 die B269 neu fertig sein wird. Die Zeit drängt. Das mahnte Ute Petersen, Prokuristin der Saarländischen Bau- und Bodenprojektgesellschaft (SBB) an, die sich um Erwerb und Vermarktung der Flächen kümmert. Es stehen Grundstücksverhandlungen mit 50 Eigentümern an, im Besitz der Gemeinde sind lediglich 20 Prozent. Jan Preußer von der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) betonte, dass die gutachterlich empfohlenen Preise angeboten würden. Laut Preußer wurden drei Flächen im Industriegebiet Häsfeld untersucht. Am besten sei die Fläche "Langlängt" am nordöstlichen Häsfeld-Rand. Es handelt sich, von Neuforweiler kommend, um die derzeit landwirtschaftlich genutzten zwölf Hektar von der Landstraße bis zum Gebäude von Stahlbau Langer, direkt an der Industriestraße. In dem Hang wurden gallorömische Grabstellen gefunden und dokumentiert. Laut Preußer rechnet das Landeskonservatoramt nicht mit weiteren Funden, werde aber vor Beginn der Bauarbeiten das Gelände erneut untersuchen. Probleme für das Vorhaben seien nicht zu erwarten.Einstimmige Beschlüsse Von der Industriestraße aus soll quasi so in den Hang gebaut werden, dass die täglich rund 70 anfahrenden Lkw eine ebenerdige Zufahrt haben. Das bedeutet, dass der Baukörper von Neuforweiler kommend zum großen Teil gar nicht sichtbar sein wird. Nur das Hochregal wird etwa zehn Meter herausragen. Von Westen wird der Neubau allerdings einen gewaltigen Eindruck machen, der durch farbliche Gestaltung abgeschwächt oder sogar betont werden könnte. Bahlmann regte einen Designwettbewerb dazu an.Der Gemeinderat hat ohne längere Debatte einstimmig sein Plazet gegeben, sowohl dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan als auch der dafür notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt. Der Ortsrat Altforweiler hatte es (ebenfalls einstimmig) so empfohlen. Bürgermeister Thomas Burg sagte: "Die Firma Amer Sports hat damit ein Gesicht bekommen. Das ist schon sehr wertvoll." Auf Nachfrage sagte Bahlmann nach der Sitzung, das Investitionsvolumen liege bei 50 Millionen Euro. Bauherr sei eine Investorengruppe; Amer Sports werde als Mieter in das Distributionszentrum einziehen. Das bisherige Firmengebäude im Häsfeld werde dann verkauft.

 Auf diesem Gelände zwischen B 269 neu und alt will die Firma Amer Sports ihr neues Werk errichten. Foto: Hartmann Jenal
Auf diesem Gelände zwischen B 269 neu und alt will die Firma Amer Sports ihr neues Werk errichten. Foto: Hartmann Jenal

Auf einen BlickAmer Sports ist der weltweit größte Sportartikelhersteller. Der finnische Konzern ist an der Börse in Helsinki notiert und weltweit aktiv. Zu den internationalen Sportartikelmarken gehören die amerikanische Wilson (Tennis), die österreichische Atomic (Alpinsport), die finnische Suunto (Armbandcomputer), die amerikanische Precor (Fitness), die französische Mavik (Radsport) und die kanadische ArcTeryx (mehrere Sportarten). Durch Ankauf der französischen Marke Salomon (Wintersport) von Adidas hat Amer Sports seine Produktpalette von 4500 auf 50000 Artikel für nahezu alle Sportarten ausgeweitet. Der Jahresumsatz liegt bei 1,8 Milliarden Euro. gal