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Das Theater am Ring in Saarlouis in Buchform
175 Seiten starke Szenen eines Theaters

Über die Vorstellung des Buches über die Geschichte des Theaters am Ring in Saarlouis freuen sich (von links): Jo Enzweiler, Anna Valentiny und Peter Demmer.
Über die Vorstellung des Buches über die Geschichte des Theaters am Ring in Saarlouis freuen sich (von links): Jo Enzweiler, Anna Valentiny und Peter Demmer. FOTO: Johannes Bodwing
Saarlouis.. Ein bemerkenswertes neues Buch behandelt das Theater am Ring in Saarlouis. Dieses hat mindestens mal zwei Geschichten. Von Johannes Bodwing

Eine Fundgrube auf rund 175 Seiten ist das Buch „Saarlouis Theater am Ring“. Darin enthalten ist mit zahlreichen Fotos und Plänen die Geschichte des prägnanten Kulturtempels. Die reicht von den ersten Planungen im Jahre 1957 bis zur Fertigstellung des sanierten Gebäudes. Die Texte sind größtenteils auf Deutsch und Französisch.


Vom recht nüchternen Zweckbau früherer Zeiten entwickelte sich das Theater am Ring ab der Sanierung 2013 zu einem Komplex unterschiedlicher Formensprache. Einerseits trägt der markante Turm weiterhin strenge 50er-Jahre-Architektur. Dazu kontrastiert eine organische Variation mit geschwungenen Formen unterhalb des Turms und entlang der Lothringerstraße. Beim lang gestreckten Theaterbau dahinter, mit Saal und mehrstöckigem Bühnenhaus, blieb dessen nostalgisch anmutende Ausprägung bewahrt.

Für den beruflich verhinderten Architekten François Valentiny war Tochter Anna bei der Präsentation anwesend. Auf die Ringstraße als Folge militärischer Nutzung ging sie ein. Entstanden sei dieser Freiraum durch Abriss der Festungsmauern. Daraus ergab sich „Sehen und gesehen werden“, stellte sie eine neue Funktion auf diesen breiten Straßen dar. Wie die Ringstraße in Wien wurde daraus „ein Schauplatz der Repräsentation“. Letzten Endes eine „Inszenierung von Theater“. Doch das Potenzial in Saarlouis sei noch nicht ausgeschöpft, deutete Valentiny an. Zwischen Kaserne und Theater, „dort, wo eine Kulturmeile entstehen könnte, parken immer noch Autos auf Asphalt“.



„Dass das Haus zu Großem bestimmt war“, sei bereits bei der Eröffnung 1959 abzusehen gewesen, sagte Oberbürgermeister Peter Demmer. Es entwickelte sich über Jahrzehnte zum Zentrum kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in Saarlouis. „Das Buch arbeitet erstmals die Geschichte dieses besonderen Ortes in unserer Stadt auf.“ Doch würde das Theater nicht so aussehen wie heute, „wäre Roland nicht gewesen“, erinnerte Demmer an den verstorbenen Amtsvorgänger Roland Henz.

Von einem „Dualismus zwischen Regionalität und Internationalität“, sprach Jo Enzweiler, Direktor des Institutes für aktuelle Kunst im Saarland. Ein Beispiel sei die Architektur, aber auch die zweisprachigen Texte. Als einen „Rechenschaftsbericht zu dem, was gemacht wurde“, sah Denkmalschützer Ruppert Schreiber das Buch. Als Herzstücke des Inhaltes nannte er die Baugeschichte sowie Sanierungsgeschichte. „Sehr informativ“, stufte Schreiber die Darstellungen ein. Damit liefere das Buch „viele Fakten nach, die wir gerne schon vorher gewusst hätten“. Es rege an, sich mit Dingen noch einmal auseinander zu setzen. Außerdem sei es „wunderbar bebildert“.

Etwa 60 Zuhörer waren im Festsaal, wo die Herausgeber ihr Ergebnis vorstellten. Das sind die Stadt, Valentiny Foundation und Institut für aktuelle Kunst. Anwesend waren auch Vertreter der an der Sanierung beteiligten Architekturbüros, Wolfgang Fery und Markus Hollenbach sowie Axel Christmann von Hermann & Valentiny and Partners. Gefördert wurde das Buch von Kultusministerium, Sozialministerium sowie Kreissparkasse Saarlouis. Im Herbst 2019 feiere die Stadt eine große Geburtstagsparty zum 60-jährigen des Theater am Ring, sagte Peter Demmer. Die wesentlichen Informationen gibt es jetzt schon als Buch. „Saarlouis Theater am Ring“ ist mit 1000 Exemplaren im Krüger-Verlag erschienen.

Erhältlich ist das Buch für 25 Euro in allen Buchhandlungen und dem Institut für aktuelle Kunst, Choisyring 10.