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Tagebuch von Schu über Partnerschaft mit Matiguás

Städtepartnerschaft : „Nach den Projekten warteten wir auf die Projektile“

Die Partnerschaft, die Saarlouis 1986 mit Matiguás in Nicaragua schloss, war genauso ungewöhnlich wie die etwas später mit Eisenhüttenstadt in der damaligen DDR. Jetzt hat Hansjörg Schu ein Tagebuch der ersten Begegnung der Saarlouiser Delegation mit Nicaragua 1988 veröffentlicht.

1988 reiste eine Delegation aus Saarlouis nach Nicaragua, zwei Jahre nachdem der Stadtrat eine Projektpartnerschaft mit Matiguás beschlossen hatte. Die Erlebnisse der Gruppe hielt Hans-Jörg Schu in einem Reisetagebuch fest, das jetzt im Felten-Verlag erschienen ist.

„Die Projekte haben wir gesehen, jetzt warteten wir auf die Projektile.“ Ein Satz der zum Nachdenken anregt. Auf der einen Seite sagt er deutlich: Hier entsteht etwas Positives, aber auch: Sicher ist es nicht, im Gegenteil, die Bedrohung ist spürbar und allgegenwärtig. Noch eine dritte Aussage steckt zwischen den Zeilen, und zwar die der persönlichen Beobachtung, des unmittelbaren Erlebens.

Geschrieben hat diesen Satz Hans Jörg Schu. Vor genau 30 Jahren war er mit einer Gruppe um OB Richard Nospers zu einer Reise ins Unbekannte aufgebrochen, zu einer Reise ins weit entfernte Nicaragua, zu dem aber doch eine damals noch frische Bande zur Stadt Saarlouis bestand.

1986 hatte der Stadtrat mit knapper Mehrheit beschlossen, eine Projektpartnerschaft zu Matiguás zu gründen. Zwei Jahre später reiste eine Saarlouiser Delegation in das zentralamerikanische Land, das damals vom Bürgerkrieg gebeutelt war. Auch Schu war mit dabei. Seine Eindrücke hat er noch vor Ort in einem Tagebuch festgehalten. Sie geben Einblick in die riskante Reise, in die abenteuerliche Route vor Ort und in das Trinkwasserprojekt, das damals mit finanzieller Hilfe aus Saarlouis realisiert wurde. Als aufwendig gestaltetes Buch mit zahlreichen Fotos ist das Tagebuch jetzt im Felten-Verlag erschienen.

Gemeinsam mit Felten und Beigeordnetem Günter Melchior präsentierte Schu sein neuestes Werk im Rahmen einer Lesung im Studio des Theaters am Ring. Den historischen Kontext boten Felten und Melchior: Sie berichteten von den politischen Rahmenbedingungen, den umstrittenen Einsätzen der USA in Lateinamerika und dem Ansatz, auch als Stadt aktiv zu werden, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Mit dabei waren weitere Teilnehmer der Reise, darunter der ehemalige Bürgermeister Alfred Fuß, der Saarlouiser Ehrenbürger Erich Pohl sowie Stadtverordneter und Mitinitiator der Projektpartnerschaft Hubert Ulrich.

In dem authentischen Zeitdokument werden die Erlebnisse nun drei Jahrzehnte später für die Leser nachvollziehbar. Mit seinen Bildern lässt der Autor die Atmosphäre lebendig werden – er berichtet davon, wie die Armut unverhohlen ihr Gesicht zeigte, wie sie die Bedrohung durch die Contras erlebten oder welche Bürde es für die Menschen bedeutete, dass das nächste Lazarett rund dreieinhalb Stunden entfernt lag.

Anschaulich auch das Trinkwasserprojekt in der Partnerstadt: „Beim Ausheben der Leitungsgräben legten wir selbst Hand an“, erzählte Schu. „Wir pickelten und schaufelten in Geröll und Lehm, der Aushub wurde ordentlich abgelagert.“

Auch wenn die Projektpartnerschaft nicht so sehr im Mittelpunkt steht wie die Städtepartnerschaften mit Saint-Nazaire und Eisenhüttenstadt, sind über die Jahre zahlreiche weitere Projekte entstanden, durch finanzielle Unterstützung von Stadt und Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgesellschaft (GBS) sowie durch das Engagement von GBS und der Entwicklungshilfeorganisation DESWOS. Darunter: Wohnungsbau, Renovierung und Schulbau. Seit Jahren trägt eine Siedlung in Matiguás den Namen „Saarlouis“.

Mit seinem nun erschienenen Reisetagebuch erinnert Hans Jörg Schu an die Anfänge dieser außergewöhnlichen Partnerschaft über den Atlantik hinweg und verdeutlicht zugleich: „Die Menschen brauchen weiter unsere Hilfe.“

„Die Reise nach Matiguás. Nicaraguanisches Tagebuch“ von Hans Jörg Schu ist im Felten Verlag erschienen und im Buchhandel sowie bei Autor und Verleger für 19,90 Euro zu erwerben.

(red)