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Stephan Küpper, DRK-Blutspendedienst West: Blutspende während Corona-Pandemie

Kostenpflichtiger Inhalt: Interview mit Stephan Küpper (DRK) : Kreis Saarlouis: „Blutspende in Corona-Zeiten ist sehr sicher“

Blut zu spenden ist immer wichtig – so auch in diesen coronageprägten Zeiten, sagt Stephan Küpper vom DRK-Blutspendedienst West.

Durch die Corona-Pandemie wurden die allermeisten öffentlichen Termine abgesagt. Blutspenden finden dagegen meistens noch statt. Aber unter welchen Bedingungen? Dies und mehr wollte die SZ vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) wissen. Es antwortete Stephan Küpper (51), Pressesprecher des DRK-Blutspendedienstes West. Der Blutspendedienst West ist für das Saarland, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zuständig.

Stephan Küpper, Pressesprecher des DRK-Blutspendedienstes West Foto: Blutspendedienst West/Daniel Beiser/cyp-Schumacher

Herr Küpper, in Zeiten von Corona stehen Blutspenden bei vielen vermutlich nicht gerade ganz oben auf der Agenda. Warum aber sind gerade jetzt Blutspenden so wichtig - und kann und vor allem darf man bei der aktuell geltenden Ausgangsbeschränkung überhaupt Blut spenden?

Stephan Küpper: Zuerst einmal: Es ist gar nicht so, dass die Leute das nicht im Kopf hätten, im Gegenteil. Wir erfahren eine Welle der Hilfsbereitschaft. Viele wollen spenden. Das ist vielleicht auch darauf zurückzuführen, dass die Menschen nun auch mehr Zeit und Gelegenheit haben und dann etwas Gutes tun wollen. Und eine Blutspende ist eine vergleichsweise einfache Sache, um sich solidarisch zu zeigen. Es kommen nun sogar Menschen zu den Spendenterminen, die vier, fünf Jahre nicht mehr da waren. Generell ist eine Blutspende immer wichtig. Das gespendete Blut ist weniger für Corona-Patienten, sondern vielmehr vor allem für Chronisch Kranke, Krebskranke oder beispielsweise Unfallopfer. Die Blutpräparate werden ja weiter benötigt. Die Ausgangsbeschränkung ist kein Problem, Blutspenden sind in allen Bundesländern davon ausgenommen. Wer Blut spenden will, kann dies tun.

Welche Voraussetzungen müssen Spender erfüllen?

Küpper: Es gilt generell das, was immer gilt: Spender sollten sich fit fühlen, keinen Infekt haben. In diesen Zeiten noch nicht mal das kleinste Kitzeln in der Nase. Und zurzeit gilt auch: Wer in den vergangenen vier Wochen im Ausland war, darf kein Blut spenden. Spenden darf, wer mindestens 18 Jahre alt ist bis höchstens 76 Jahre. Erstspender dürfen höchstens 68 Jahre alt sein. Grundsätzlich sollte man immer den Personalausweis mitnehmen.

Wie sieht es mit den Ehrenamtlern des DRK aus, die im Kreis Saarlouis und anderswo dafür sorgen, dass die Spendetermine reibungslos über die Bühne gehen – ist da die Bereitschaft, zu helfen, gleichbleibend? Und was machen Sie derzeit mit Helfern, die zu Risikogruppen gehören?

Küpper: Auch hier sehen wir, wie die Menschen trotz Corona zusammenstehen. Toll, wie das Ehrenamt auch in dieser Zeit unterstützt! Wir nehmen unsere Fürsorgepflicht ernst: So sollen Helfer über 60 Jahren nicht mehr in direkten Kontakt mit den Spendern kommen. Erfreulich, dass wir auch aus anderen Gliederungen des DRK Hilfe von Jüngeren bekommen. Auch Studenten bieten ihre Hilfe an.

 Welche Vorkehrungen treffen Sie, um bei den Blutspenden alle Beteiligten vor einer möglichen Infektion zu schützen?

Küpper: Dies sind mehrere Punkte. Wir informieren gut. Menschen, die in den letzten vier Wochen im Ausland waren, dürfen nicht spenden. Wir haben entschieden, die Blutspendemobile derzeit nicht zu nutzen, weil hier die Abstandsregel nicht gut funktioniert. Wir haben außerdem bei den Blutspenden die Abläufe geändert. Am Eingangsbereich wird als erstes die Temperatur gemessen – eine Maßnahme, um das letzte Prozent Unsicherheit herauszunehmen. Wir haben bei den Spendeterminen überall Desinfektionsspender stehen, außerdem appellieren Schilder und Marker auf dem Boden daran, Abstand zu halten. Das funktioniert auch in den allermeisten Fällen super. Bei der Messung des Eisenwertes punktieren wir nicht mehr das Ohrläppchen, sondern nun, mit viel Abstand, die Fingerkuppe. Wir ziehen die Spenderliegen weit auseinander. Was natürlich auch bedeutet, dass es weniger Kapazitäten gibt und die Wartezeiten mal länger sein können. Da bitten wir um Geduld. Zu Ende der Blutspende gibt es keinen Kaffeklatsch, sondern ein Lunchpaket zum Mitnehmen. Und natürlich checken sich die Mitarbeiter auch gegenseitig. Das ganze Maßnahmenbündel führt dazu, dass ich sagen kann: Die Blutspende in Corona-Zeiten ist sehr, sehr sicher!

Das (baldige) Fehlen von Schutzkleidung ist ein großes Thema – wie stellt sich die Situation bei Ihnen dar? Und müssen Spender sich irgendwie schützen?

Küpper: Auch auf Blutspendeterminen besteht eine Masken- beziehungsweise Mundschutzpflicht. Wer seinen persönlichen Mundschutz vergessen haben sollte, erhält auf dem Blutspendetermin einen Einmalschutz zur Verwendung. Die Helfer sind mit Schutzkleidung ausgerüstet. Die Beschaffung der Materialien war anfangs ein Problem, nun geht es. Die Mitarbeiter tragen ein Mundvlies. Die, die in engem Kontakt mit den Spendern sind, auch ein Kopfschutzschild. Kittel sowieso. Und an der Anmeldung stehen nun schützende Plexiglasscheiben, vielfach selbst von den Mitarbeitern gebaut. Die Krise fördert die Kreativität!

Werden Blutspender auf Corona getestet?

Küpper: Nein. Auch in der Weiterverarbeitung wird das Blut nicht dahingehend getestet. Blutspender und Blutempfänger brauchen sich aber keine Sorgen zu machen. Denn Covid-19 kann nicht im Rahmen von Bluttransfusionen an Patienten übertragen werden. Und noch ein Hinweis: Bei uns sind keine Plasmaspenden, zum Beispiel von wieder Gesundeten, möglich, sondern nur Vollblutspenden.

Ist das Angebot Ihrer Blutspendetermine im Kreis Saarlouis gleichbleibend oder, wegen Corona, weniger geworden?

Küpper: Wir versuchen, das Angebot gleichbleibend aufrecht zu erhalten. Manchmal gibt es eben Ausfälle, zum Beispiel, weil die geplanten Spendenlokale zu eng sind und man den Abstand nicht einhalten kann.

Die neue Situation bringt viele neue Fragestellungen mit sich. Wo können sich potenzielle Spender weitergehend informieren?

Küpper: Am besten über unsere Homepage, www.blutspendedienst-west.de. Hier kann man sich auch tagesaktuell informieren, ob Blutspendetermine stattfinden. Außerdem gibt es eine Auflistung der am häufigsten gestellten Fragen zum Thema. Wir haben auch eine Hotline, die ist aber momentan sehr stark frequentiert. An einem Tag haben wir mal 1200 Anrufe gezählt.