Stadtrat Saarlouis trägt Alfred Gulden die Würde als Ehrenbürger an

Ehre : Alfred Gulden wird Ehrenbürger von Saarlouis

Ein echter Schöpfer, der Alfred Gulden: In Saarlouis Gehörtes, Gesehenes, Erlebtes, Bestauntes verwandelt er seit Jahrzehnten in Literatur. Liebevoll, kritisch, ohne jede Heimattümelei. Jetzt wird ihm die Ehrenbürgerwürde der Stadt angetragen.

Reiner Zufall, aber ein glücklicher: Der Tag, an dem der Stadtrat Saarlouis einstimmig und erkennbar überzeugt zustimmte, dem Autor Alfred Gulden die Ehrenbürgerwürde anzutragen, dieser Tag war zugleich der internationale Tag der Muttersprache. In dieser, in seiner Muttersprache denkt, liebt und lebt Gulden: Das weiß, wer ihn auch nur einmal aus seinen Werken hat vortragen hören. Seine Muttersprache ist die, die in Roden gesprochen wurde. Gulden wohnt in seiner Sprache.

In der Ratssitzung am Donnerstagabend würdigte Gabriel Mahren (Grüne) Gulden so eindrücklich, dass es Minute um Minute stiller wurde, beendet von einem sehr herzlichen Applaus. Heimat, sagte Mahren, zeichne Gulden nicht als „Ort von Abschottung und Abgrenzung, sondern als Ort von Versöhnung, Menschlichkeit und Toleranz. Heimat als der Ort, an dem niemand dich fragt, wo du herkommst.“ Saarlouis sei durch das Werk Guldens, Bücher, Filme, Theaterstücke, „zum literarischen Ort geworden. Und das ist etwas sehr besonderes.“

Gulden wurde 1944 in Saarlouis geboren, ist soeben 75 geworden. Er wuchs in Saarlouis auf, lebt abwechselnd in Wallerfangen und München. „Die Saarlouiserinnen und Saarlouiser bevölkern seine Geschichten, er setzt ihnen seit lange Jahren literarische Denkmäler“, unterstrich Mahren.

Gulden wuchs auf im kriegszerstörten Saarlouis. Mahren: „Die kritische Sicht von Geschichte kommt hier her, die Sorge um den Menschen, der immer auch Opfer von großer Geschichte wird, gerade die Grenzregion hat davon überreichlich erlebt.“ Dieser frühere Grenzraum, eine Schnittstelle, prägt das Werk Guldens. Seine „Leidinger Hochzeit“ ist ein erstrangiges Beispiel, seine Filme über den Gau ein anderes. Es ist schon so: Gulden mit seiner Frau Karin zwischen Saarlouis und München, zwischen Mundart und Hochdeutsch, zwischen den künstlerischen Gattungen, „Nur auf der Grenze bin ich zu Haus“, wie ein 1982 erschienenes Buch von ihm heißt.

Mahren erzählte, schon früh habe er Guldens Geschichte vom Juden Salomon gelesen. Sie habe ihn beeindruckt, und zwar vor allem, weil sie in Mundart verfasst war. „Das Verbrechen an den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, nicht weit weg in Geschichtsbüchern und Dokumentationen. Hier war es. In unserer eigentlichen Muttersprache, eng mit uns verbunden, unmittelbar. Mit unserer Stadt, unserer Geschichte.“ Alfred Gulden, schloss Mahren, „ist ein großer Sohn unserer Stadt“. Für viele „war das auch das Ende der Sprachlosigkeit“.

Saarlouis wird die Ehrenbürgerschaft mit Alfred Gulden zum 21. Mal seit1880 vergeben. Zuletzt ehrte die Stadt 2014 damit Esther Bejarano. Verliehen werden soll die Auszeichnung an Gulden am 24.März.

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