Stadt Saarlouis legt Sozialbericht vor

Statistik : Saarlouis, ein Puzzle aus vielen Zahlen

Der dritte Sozialbericht für Saarlouis liegt vor. Er erlaubt einen kleinteiligeren Einblick als immer nur den auf die gesamten Stadtteile. Und erstmals lassen sich Entwicklungen vergleichen, hier von 2014 bis 2016.

Die Selbstwahrnehmung von Saarlouis ist ziemlich konstant positiv. Das ist nicht bloß ein Gefühl. Bürgermeisterin Marion Jost stellte im Ausschuss den dritten Sozialbericht der Kreisstadt vor. Die Zahlen darin geben dem Saarlouiser Wohlgefühl ein Fakten-Fundament. Der erstmals mögliche Vergleich, hier ist es 2014 mit 2016, zeigt aber auch Veränderungen, die den Stadt- und Sozialplanern im Blick bleiben müssen.

Keine Überraschungen enthalte der Bericht, sagte Jost im Ausschuss. Aber die sind nicht unbedingt das Erfolgskriterium. Wichtiger ist, dass die städtische Politik ein verlässliches Datengerüst hat, wie SPD-Ratsmitglied Andreas Sauder sagte. Grobe Erkenntnislinie: Arbeitslosigkeit bleibt mit 5,6 Prozent im bisherigen Rahmen, der Bezug von sozialen Hilfen („SGB II“, von Hartz IV über Aufstocker und Wohngeld bis zur Unterstützung der Teilhabe an Bildung), also ganz allgemein ein Anzeiger für Armutsrisiko, stieg von 11,4 auf 12,3 Prozent der Bevölkerung; da sind die Rentner noch nicht eingerechnet.

Die Bevölkerung wuchs seit 2014 um 1000 auf jetzt 36 656. Das liegt wesentlich an der Migration. Der Ausländeranteil stieg um zwei Prozent auf 13 Prozent; hinzu kommen weitere 13 Prozent Deutsche mit Migrationshintergrund.

Einige aufschlussreiche Zahlen aus dem Bericht finden sich auf dieser Seite. Vorgelegt hat den Bericht die Forschungsgruppe Bildungs-, Evaluations- und Sozialstudien (ForBES) der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Saarbrücken. ForBES sammelte dazu vorhandene Daten – die zu organisieren, war eine Menge Arbeit, die auf städtischer Seite vor allem das Team des Bürgerbüros von Bernd Bourgeois leistete. Der Ausschuss gab nun 20 000 Euro frei, um den Sozialbericht fortschreiben lassen zu können.

Der Sozialbericht wertet zum Beispiel eine – freilich nicht repräsentative – Umfrage unter 278 Seniorinnen und Senioren aus. Ein Drittel von ihnen lebt seit der Geburt hier. Gut drei Viertel, 76 Prozent, beurteilen ihre Wohn- und Lebensbedingungen in Saarlouis als sehr gut oder gut. Am besten weg kommen Roden, Picard, Steinrausch und Lisdorf mit bis zu 90 Prozent gut oder sehr gut. Nachbarschaft und Sauberkeit fallen insgesamt besonders positiv auf, Parkplatzsituation der Stadt am negativsten. Immerhin sehen sie trotzdem noch 44 Prozent positiv. Am schlechtesten haben übrigens die älteren Beaumaraiser ihren Stadtteil bewertet (58 Prozent gut oder sehr gut). 75 Prozent der befragten Älteren sind mit ihren sozialen Kontakten zufrieden. Und weniger als fünf Prozent finden den sozialen Zusammenhalt in ihrer Gegend schlecht. 80 bis 90 Prozent geben an, dass Einrichtungen für den täglichen Bedarf und alles rund um die Gesundheit sehr gut oder gut erreichbar sind.

Der Bericht schaut sich die Gesamtstadt an, die einzelnen Stadtteile, aber dann bietet er nochmals eine Einteilung an in 29 so genannte Sozialräume innerhalb der Stadtteile. Das wird dem einzelnen Stadtteil viel gerechter. Roden zum Beispiel gliedert sich in sechs Sozialräume. Roden hat mit acht Prozent die höchste Arbeitslosenquote in Saarlouis (Gesamtstadt: 5,6 Prozent). Aber nicht überall. Roden Bahnhof liegt bei 15 Prozent, der Ortskern bei neun Prozent – aber die Sozialräume Oberhöllen nur bei fünf Prozent und Roden Nord nur zwei Prozent. Die niedrigste Quote der Gesamtstadt weist der Sozialraum Beaumarais Siedlung auf. Von den ausländischen Arbeitslosen lebt keiner in Roden Nord, die meisten mit 18 Prozent in Roden Bahnhof. Bei Vergleichen muss man aber aufpassen, weil die Sozialräume verschieden groß sind: Roden Bahnhof als Beispiel hat 959 Bewohner, Roden Ortskern 4111.

Saarlouis hatte 2016 genau 36 656 Einwohner, rund 1000 mehr als 2014, das war vor allem der Zuzug von Migranten. Mehr Menschen haben vor allem Roden und Picard. Wie leben sie? In knapp 24 000 Haushalten, 1000 mehr als 2014. Fast zwei Drittel, 61 Prozent, sind Single-Haushalte. 68 Prozent sind es in der Innenstadt und dort in der Altstadt sogar 78 Prozent. Auf dem Steinrausch sind es nur 50 Prozent. Kleine Beobachtung am Rande: Die meisten Verheirateten mit zwei oder drei Kindern leben im sozial problematischen Bereich Roden Bahnhof und in Picard, dort im Regenbogen sowie auf der Dellt am anderem Ende der sozialen Skala.

Das rechnerische Durchschnittsalter der Saarlouiser ist 45 (Bundesschnitt 44, Saarschnitt etwa 46). In der Innenstadt und auf dem Steinrausch liegt der Schnitt mit 48 am höchsten. Roden und Lisdorf sind die jüngsten Stadtteile (43). Schaut man auf die Sozialräume, so reicht die Bandbreite von 39 Jahren (Altstadt) bis 50 (Beaumarais Siedlung). Über 48 Jahren Altersschnitt liegen auch die Gartenreihen, Teile der Innenstadt, auch der Soutyhof. Der alterte zwischen 2014 und 2016 am schnellsten. Der Ortskern von Lisdorf, Roden Nord, Roden Bahnhof und der Ortskern von Roden gehören zu den jüngsten Wohnbezirken in Saarlouis, Altersschnitt unter 42 Jahre.

Kinder: 14,4 Prozent aller Saarlouiser sind zwischen null und 17 Jahren alt. Den geringsten Anteil an der Bevölkerung haben sie mit sieben Prozent – wen wundert’s – in der Altstadt, fast die Hälfte davon sind Ausländer. Gefolgt vom Soutyhof mit neun Prozent und der Innenstadt. Die meisten Kinder und Jugendlichen leben in Roden (16,4 Prozent): in den Sozialräumen Oberhöllen (18 Prozent), Bahnhof (fast 18 Prozent), Ortskern (17 Prozent) und Röderberg (16 Prozent). Lisdorf ist mit 15,5 Prozent dabei (Bereich Obstgarten 16,5 Prozent).

12 867 Menschen zwischen 15 und 64 in Saarlouis sind sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, zu größten Teilen also angestellt (nicht aber Beamte oder Selbstständige). Besonders viele Schaffer wohnen in Roden Nord (61 Prozent) und Siedlung (61), Fraulautern Hülzweiler Straße (62), Neuforweiler West (62), Lisdorf Ortskern (61) und Obstgarten (65 Prozent, höchster Anteil überhaupt). Der Anteil der Beschäftigten ist besonders niedrig in Roden Bahnhof (43 Prozent) und in den Gartenreihen.

12 Prozent der Saarlouiser bis 64 Jahre beziehen Hilfen zu Sicherung des Lebensunterhaltes, sei es Hartz IV oder Wohngeld oder Mittel zur Teilhabe an Bildung oder andere so genannte soziale Transferleistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II), man darf sagen: das zeigt Armutsrisiken an. In Fraulautern sind das 13 Prozent, in Roden 19 Prozent. Aber: nicht gleichmäßig verteilt. Roden Bahnhof kommt auf 38 Prozent, der Ortskern auf 20 Prozent, Roden Nord auf nur 4,7 Prozent. In Fraulautern liegen das Quartier Siedlung Nord mit 18,4 über und Siedlung Süd mit 9,1 Prozent unter dem Stadtschnitt. In Saarlouis Mitte schwankt der Prozentsatz zwischen 25,7 Prozent in der Altstadt und 3,1 Prozent in den Gartenreihen. In Neuforweiler bewegt sich der Wert zwischen 8,1 (Ortskern) und 1,8 (West). In den Zahlen sind die Rentner noch nicht drin.

Wo stehen eigentlich die Menschen mit Behinderungen im Sozialbericht?, wundert sich der Behindertenbeauftragte der Stadt, Frank Michler. Nirgends. Dazu habe die Stadt keine Daten, räumt Bürgermeisterin Marion Jost ein. Vielleicht klappt’s im nächsten Bericht. Da kommen dann auch Zahlen zum Wohnraum, zu Sport und zur Gesundheit rein.

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