Volksühne Hülzweiler führt Pippi Langstrumpf auf

Pippi Langstrumpf : Villa Kunterbunt steht auf der Freilichtbühne

Die Volksbühne Hülzweiler spielt in diesem Sommer das Theaterstück „Pippi Langstrumpf“. Premiere ist am 21. Juli.

Tosender Beifall bricht los, als Pippi Langstrumpf alias Nadine Bednarek auf ihrem Pferd „Kleiner Onkel“ um die Ecke kommt. Noch läuft die Besitzerin von Schimmel Polly, Angela Reichert, nebenher und gibt Nadine Bednarek wertvolle Tipps. Angst, erklärt sie, hat sie nicht gehabt, doch Respekt vor dem Pferd, der sei schon da. „Angela hilft mir sehr, ich fühle mich schon viel sicherer“, sagt die Akteurin der Volksbühne Hülzweiler, die in diesem Jahr die Hauptrolle spielt.

Beim Probenbesuch strahlt sie mit der Sonne um die Wette - und das hat einen guten Grund. „Endlich mal keine Prinzessin, sondern Pippi Langstrumpf, endlich kann ich lustig sein und machen, was mir gefällt“, scherzt sie. Spätestens zur Premiere von „Pippi Langstrumpf“ am Sonntag, 21. Juli, will sie es mit der 13 Jahre alten Polly allein schaffen. Und so gehört der Applaus am Samstagnachmittag von den Zuschauerrängen auf der Freilichtbühne ebenfalls zum Training dazu. Denn beklatscht wird das Pferd-Reiter-Gespann von den rund 30 Ensemblekollegen. „Sicher merkt man, dass Polly ein bisschen angespannt ist, aber ich gebe ihr ausreichend Zeit, alles kennenzulernen, und die beiden harmonieren sehr gut“, sagt Reichert. Während der weiteren Probenarbeit darf Polly den Hülzweiler Wald kennenlernen, beim Stück wird der Auftritt des Schimmels auf ein paar Minuten begrenzt sein.

Nach zwei Durchgängen mit dem Pferd sind Spielleiter Michael Schwed und Hans Georg Bock, Vorsitzender der Volksbühne Hülzweiler, mehr als zufrieden mit der Leistung. Für alle Fälle ordert Bock gleich für die kommenden Proben als Verpflegung und Motivationsschub für Polly einen zwei Kilo Sack Möhren. Seit Anfang Mai, erzählt der langjährige Spielleiter Michael Schwed, laufen die Proben zum Stück auf der Freilichtbühne. Bereits im Jahr 2003 hat der Verein den Klassiker aus der Feder von Astrid Lindgren aufgeführt. Natürlich, sagt Schwed, habe man sich ganz klar weiterentwickelt. „Doch, gerade wenn man so ein bekanntes Stück spielt, das wohl jeder im Publikum kennt, muss man schon sehr nah am Original bleiben“.

Für Hauptdarstellerin Nadine Bednarek kein Problem – sie klettert flink auf das Dach der Villa Kunterbunt, hält in der Schule die Lehrerin auf Trab und vertreibt sich die Zeit mit Tommy und Annika. Selbst Herr Nilsson, die Meerkatze, darf in Hülzweiler nicht fehlen. Die Dialoge sitzen, die Akteure haben bereits am Probenwochenende die ersten Durchlaufproben sehr gut gemeistert, wie Michael Schwed berichtet.

Zu hören gibt es in diesem Jahr endlich wieder viel Gesang. Geschrieben wurden die Arrangements von Sandra Becker. Sie spielte übrigens 2003 die Pippi.

Nicht nur die Akteure, die im Alter zwischen drei und 75 Jahren die Generationen vereinen, auch die zahlreichen Helfer im Hintergrund, machen den Erfolg der Volksbühne Hülzweiler aus. Besonders sehenswert ist in diesem Jahr die Villa Kunterbunt, die ihrem Namen alle Ehre macht. Viel zu tun hat auch die Technik, die hinter den Kulissen aktuell die Kabel verlegt. „Das gesamte Ensemble brennt nun darauf, das Stück möglichst vielen Zuschauern präsentieren zu können“, sagt Schwed.

Neben den Aufführungen am Nachmittag sind für ihn nach wie vor die Abendveranstaltungen etwas ganz Besonderes. Noch kleine Feinarbeiten bei den Akteuren, noch der letzte Schliff an der Kulisse, dann steht der Premiere nichts entgegen, freut sich Hans Georg Bock, selbst auf der Bühne mit der gesamten Familie dabei. Ganz besonders stolz ist er, dass er es als Vorsitzender in diesem Jahr endlich geschafft hat, in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Schwalbach vier nagelneue Damentoiletten – „Einzelkabinen“ – auf das Gelände zu holen. So wird das Theatererlebnis noch ein bisschen komfortabler, verspricht er.

Nadine Bednarek und Stute Polly haben sich bereits angefreundet. . Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
Ein tolles Team: Annika (Laura Motsch), Pippi Langstrumpf (Nadine Bednarek) und Tommi (Jens Seidel). Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
Bärenkräfte: Pippi hebt die Räuber Philipp Motsch (links) und Björn Roik in die Luft. . Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
Angst vor den Polizisten Uwe Hahner (links) und Bernd Maas hat Pippi Langstrumpf nicht. . Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel

Neben dem Schimmel Polly wird auch Plume beim Theaterstück auf der Freilichtbühne als „Kleiner Onkel“ dabei sein. Bei Plume handelt es sich um einen ehemaligen Zuchthengst aus Frankreich, der auf dem Weg nach Italien zum Schlachter in letzter Minute gerettet wurde. Nun bekommt er sein Gnadenbrot auf dem Hof in Elm und macht ganz nebenbei Karriere als Schauspieler.

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