Tag des Offenen Denkmals: Wasserversorgung Hülzweiler

Blick in die Geschichte : Sauberes Wasser für jeden Haushalt ab 1913

Am Tag des offenen Denk- mals gab es  interessante Einblicke in die Hülzweiler Wasserversorgung. Eine wetterbedingt abgesagte Exkursion wird jetzt nachgeholt.

„Der Normalzustand war, hier die Güllegrube, dort das Plumpsklo und da der Brunnen.“ Die Folge waren immer wieder Seuchen wie Typhus und Cholera. So stellte Hans Günter Groß die frühe Wasserversorgung in seinem Heimatort Hülzweiler dar.

Sauberes Wasser für jeden Haushalt wurde erst ab 1913 möglich. Davor leisteten Brunnen die Versorgung. Wer es sich leisten konnte, hatte so einen am oder im Haus. Viele andere mussten auf öffentliche Brunnen im Dorf zurückgreifen. Wie gegenüber der Pfarrkirche. „Oben war das Becken mit Trinkwasser für die Menschen“, erklärte Groß, „darunter das für Tiere, ganz unten für die Wäsche, weil da auch Seife ins Wasser kam“.

Ein alter Hausbrunnen hingegen befand sich in der Talstraße. Der tauchte beim Bau des DRK-Gästehauses wieder auf. Etwa sechs Meter tief und mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern versorgte er im 18. Jahrhundert ein Bauernhaus.

Wasserversorgung in Hülzweiler, das war eines der Themen beim „Tag des offenen Denkmals“. Ursprünglich wollte Hans Günter Groß das rund ein dutzend Teilnehmer direkt an alte Brunnen und Verteiler führen. Doch wegen kräftiger Regenschauer verlegte der Vorsitzende des Fördervereins der Heimatkunde Hülzweiler die Führung ins Keglerheim nahe dem Marktplatz.

Um 1840 kam es zu Wassermangel im Dorf. Wesentlich verursacht durch verstärkten Kohleabbau. Das machte eine sichere Wasserversorgung dringend erforderlich. Doch vorher zweigte Schwalbach ab 1845 auch noch sauberes Wasser im Osten von Hülzweiler ab. „Die Hülzweiler sahen, wie das Wasser von den Schwalbachern entführt wurde“, sagte Groß. Das passierte über eine Leitung aus Holzstämmen, in die man Löcher gebohrt hatte (Deicheln). Ein Relikt davon ist die Deichelbrücke, die heute unter einer Erdaufschüttung liegt.

Eine erste zentrale Wasserleitung für Hülzweiler entstand 1874. Dazu war auf „Host“ eine ergiebige Quelle eingefasst worden. Das Wasser gelangte in die Brunnenstube des Rodenackerbrunnens am östlichen Ortsrand. Von dort lief es in Holzrohren in neu angelegte Dorfbrunnen. Die befanden sich in der Brunnenstraße, in der Grieß gegenüber der Kirche und am Hindenburgplatz.

Dennoch reichte das Wasser nicht aus, denn die Rohre waren zu klein. Deshalb bohrten die Menschen im Dorf sogar in ihren Gärten sogenannte „Pütze“ (Ziehbrunnen). Wegen mangelnder Hygiene kam es zu Cholera und Typhus, wie beispielsweise 1888 bis 1894. Mehrere hundert Menschen erkrankten schwer, 36 starben, darunter auch der Ortspfarrer Schmitz.

1895 ging der neue Ortsvorsteher, Nikolaus Strauß, die Wasserversorgung gezielt an. Hülzweiler hatte damals 1843 Einwohner (heute um die 4900). 1913 stand schließlich das Konzept, das Quellen im Bereich „Peterborn“ nahe Schwarzenholz nutzte. Dieses Wasser lief von Höhenlagen zwischen 230 und 275 Meter zu einer Pumpstation in der Brunnenstraße (215 Meter). Von dort wurde es zum 240 Meter hoch liegenden Bassin auf dem Schützenberg gepumpt. Das Bassin aus dicken rötlichen Sandsteinen steht heute noch. Im Innern sind zwei Kammern für je 90 Kubikmeter Wasser, das über Leitungen die Haushalte im tiefer liegenden Dorf versorgte.

Bis 1965 baute darauf die Wasserversorgung von Hülzweiler auf. Dann hing der Ort bis 1987 am Ensdorfer Netz. Seit 1987 kommt das Trinkwasser aus dem Bereich Breitenborn zwischen Elm und Bous. Über eine Pumpstation gelangt es in das Hülzweiler System. Der zugehörige Hochbehälter steht Auf Peterborn nahe Schwarzenholz. Jedes seiner beiden Becken kann 1000 Kubikmeter Wasser speichern. „Das waren noch Werte, die vor dem Pillenknick ermittelt wurden“, erklärte Groß. Für die heutige Einwohnerzahl sei das eigentlich zu viel. Die zentrale Wasserversorgung Hülzweilers mit Hausanschlüssen war eine der frühesten dieser Art im Umfeld des Ortes. Sie ist in ihren Grundzügen noch erhalten und wird für die Versorgung von Brunnen genutzt, wie beispielsweise dem Linnbrunnen und dem Brunnen an der Kneippanlage.

Eine neue Führung zur Wasserversorgung von Hülzweiler bietet Hans Günter Groß für Samstag, 21. September, 15 Uhr, an. Die Strecke ist 8,5 Kilometer lang und erfordert geländetaugliches Schuhwerk. Start ist am oberen Ende der Straße Am Schützenberg neben dem Bassin.

Informationen zur Hülzweiler Wasserversorgung finden sich auch auf der Vereinsseite.

Vereinigungsstollen auf Schwarscht nahe A 8; in ihm liefen Leitungen verschiedener Brunnen zusammen. Foto: Hans Günter Groß
Dieser Brunnen steht auf „Höchsten“, an der Grenze von Hülzweiler zu Schwarzenholz. Foto: Hans Günter Groß

www.von-Huelzweiler.de.

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