Ruhe und Frieden

Schwalbach. "Das hat nie ein Happy End." Knapper als Elfi Ziegler bringt man den Abschluss dessen, was sie und elf andere in ihrer Freizeit tun, erstmal nicht auf einen Punkt. Sie sind die "Hospizgruppe Schwalbach." Sie begleiten Sterbende in Schwalbach. Die Gruppe besteht seit zehn Jahren. Es ist die einzige Hospizgruppe im Saarland ohne konfessionellen Hintergrund

Schwalbach. "Das hat nie ein Happy End." Knapper als Elfi Ziegler bringt man den Abschluss dessen, was sie und elf andere in ihrer Freizeit tun, erstmal nicht auf einen Punkt. Sie sind die "Hospizgruppe Schwalbach." Sie begleiten Sterbende in Schwalbach. Die Gruppe besteht seit zehn Jahren. Es ist die einzige Hospizgruppe im Saarland ohne konfessionellen Hintergrund. Angesiedelt ist sie bei der Kommune Schwalbach, bei Seniorenmoderatorin Anja Wrona.Nie ein Happy End sagt aber dann doch nicht alles: Nicht zum Beispiel, dass die Gruppe alles andere als bedrückt daherkommt. Gelassen, fröhlich, echt, das passt eher. "Lasst uns end-lich leben", steht auf einem Plakat derer, die Sterbende begleiten. Leben ohne zu vergessen, dass es ein Ende hat. Das verändert die Hospizgruppe selbst. "Für mich wurde das Leben wertvoller. Die Hospizarbeit hat meine eigene Lebensqualität verbessert", sagt Marianne Kohnen. Intensiver erlebe sie, sehe mit anderen Augen, ergänzt Gudrun Wannemacher. "Aus jeder Begleitung gehe ich gestärkt heraus", sagt eine, und die anderen nicken.Ambulanter Hospizdienst: Das ist die Begleitung von Sterbenden und deren Angehörigen zuhause, auch im Altenheim oder im DRK-Gästehaus. Ungefähr ein Dutzend Begleitungen von Sterbenden oder deren Angehörigen pro Jahr zählt die Schwalbacher Statistik. Die meisten Hospizhelferinnen in Schwalbach kamen zur Gruppe, nachdem sie selbst Zeit mit einem sterbenden Angehörigen verbracht hatten. Was motiviert? "Von Erfolg dieser Arbeit würde ich nicht sprechen. Eher von Frieden und Zufriedenheit", sagt Marianne Kohnen.Worüber reden?Zufrieden heißt: "Jemand ruht in Frieden. Das ist gut." Doch nicht alle Menschen stürben versöhnt und friedlich. Dazu aber könnten die Hospizhelferinnen viel beitragen, berichten sie. Als geschulte Außenstehende brächten sie Angehörige miteinander ins Gespräch. "Es ist gut, wenn am Ende noch etwas gesagt werden konnte und nichts mehr zwischen Sterbendem und Angehörigen steht", sagt Wrona. Wunden gebe es immer. Worüber mit Sterbenden sprechen? "Das weiß man, wenn man genau hinhört", erklärt Roswitha Port.Schweigepflicht Die Hospizhelferinnen haben Schweigepflicht. Sterbende hätten nicht mehr die Kraft zur Verstellung, "und auch wir lernen, anderen nicht den Hut aufzusetzen, den wir für richtig halten", unterstreicht Kohnen. Das Unabwendbare, den Tod, klammern sie im Gespräch nicht aus. Einen Rat geben sie: "Sterbende wollen keinen falschen Mut gemacht bekommen. Besser, man nimmt die letzten Tage bewusst an."Respekt habe sie vor Angehörigen, die Außenstehenden in solchen Situationen ihr Haus öffneten, sagt Wrona. "Wer dann um Hilfe bittet, zeigt, dass er nicht hilflos ist, sondern kompetent handeln kann." Kein Happy End in der Hospizarbeit? Weniger, dass das zuerst zynisch klingt, als dass es doch nicht das letzte Wort ist. Denn am Ende soll stehen: "Ruhen in Frieden" nach einem nicht immer friedlichen Leben, end-lich. Und nicht end-los Unfrieden, auch für die Angehörigen nicht. Und auch für die Helfer nicht: Die Gruppe ist stabil. Verstärkung? "Brauchen wir derzeit nicht, zwölf Leute, das reicht völlig", sagt Wrona.

Auf einen BlickProgramm der Festwoche "Zehn Jahre Hospizgruppe Schwalbach":Ausstellung: Kindergarten-Kinder aus Griesborn zeigen "So sehe und fühle ich das - Mit den Augen eines Kindes. Montag, 17. November, zehn Uhr (Eröffnung), Evangelisches Gemeindezentrum.Ökumenische Feier: Montag, 17. November, 19.30 Uhr, Ev. Gemeindezentrum.Lesung: Elfi Ziegler, Mitglied der Gruppe, liest aus ihrem Tagebuch: Sie hat ein anderes Gruppenmitglied bis zum Tod begleitet. Dienstag, 18. November, 19.30 Uhr, Ev. Gemeindezentrum.Kino: "Kirschblüten-Hanami", Mittwoch, 19. November, 20 Uhr, Thalia Bous (vier Euro; Reservierung unter Telefon (06834) 2246.Kreativ-Angebot: "Wie kann ich ES begreifen?" Gestaltung von Kerzen und Filzen. Ev. Gemeindezentrum. Anmeldung: Telefon (06834) 571160.Agape-Feier: "Mit allen Sinnen - Nachsinnen". Freitag, 21. November, 19.30 Uhr, Ev. Gemeindezentrum. weHintergrundIm Kreis Saarlouis gibt es neun ambulante Hospizgruppen. Sie sind Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz. Kontakt zur Schwalbacher Gruppe: Telefon (06834) 571160. red

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