Nebenbei noch was Süßes

Bous/Elm. Der Kreisverband der Imker ist alarmiert, weil sich nur noch 240 Imker im Kreis um Bienenvölker kümmern, gerade mal halb so viele wie noch vor 15 Jahren. Er will gegensteuern und trifft dabei offenbar auf Interesse. Das berichten auch einzelne der 19 örtlichen Imker-Vereine im Kreis. Deren Angebote zum "Probe-Imkern" wird rege angenommen, berichten sie in diesem Jahr

Bous/Elm. Der Kreisverband der Imker ist alarmiert, weil sich nur noch 240 Imker im Kreis um Bienenvölker kümmern, gerade mal halb so viele wie noch vor 15 Jahren. Er will gegensteuern und trifft dabei offenbar auf Interesse. Das berichten auch einzelne der 19 örtlichen Imker-Vereine im Kreis. Deren Angebote zum "Probe-Imkern" wird rege angenommen, berichten sie in diesem Jahr.Auf das jüngste Angebot des Kreisverbandes, Neulingen genau zu zeigen, wie man mit Bienen umgeht, hat sich ein Dutzend Männer und Frauen gemeldet. Auftakt war in Bous (Theorie) und Elm (Praxis).

Silvia Brewi zum Beispiel: Sie ist Hausfrau und Mutter eines neun Jahre alten Jungen, der den Waldorfkindergarten in Dillingen besucht hat. Dort haben die Kindergärtnerinnen den Kindern aus einem Buch vorgelesen, was Bienen leisten und wie sie arbeiten. Als Abschluss haben Kinder und Eltern eine Bienenbesichtigung gemacht. Das Buch und die Besichtigung haben bei Silvia Brewi und ihrem Sohn das Interesse an der Honigbiene entfacht. Silvia Brewi: "Es kostete mich Überwindung, nahe an einen Bienenstock heranzugehen. Als ich aber da stand vor den Bienen, wurde mir die angenehme Ruhe bewusst, die von den Bienen ausgeht und die herrlichen Düfte waren fantastisch", schwärmt sie.

Heinz Zöllner, der Kreisvorsitzende der Imker, teilt in dem Kurs seine eigene Erfahrung als Imker mit den Kursteilnehmern. "Früher wurde jeder Neuanfänger als Konkurrenz gesehen", erklärt er "deswegen habe ich mir 1959 alles von Hand zu Fuß selbst beibringen müssen." Seitdem haben ihn die Bienen durch das ganze Leben hindurch begleitet.

Zeitbedarf wächst im Sommer

Zöllner empfiehlt, mit zwei bis drei Bienenvölkern zu beginnen, da über Winter immer ein Volk sterben könnte. Er selbst hat 80 Völker in seiner Obhut. Im Winter besteht ein Volk aus bis zu 20 000 Bienen, aber im Sommer umfasst ein Volk mehr als 50 000 Bienen, erklärte er in Bous. Auch der Zeitbedarf wächst gegen Sommer, je näher die Honigernte rückt. "Wenn nicht gerade Honig geerntet wird, reichen ein bis zwei Stunden pro Woche."

Um eine Grundausstattung mit Kleidung, Handschuhen, Bienenkästen, Abkehrbesen und die Imkerpfeife (Smoker) anzuschaffen, kostet der Kurs zunächst 350 Euro. Dabei bleiben aber die Materialien zur Honigernte außen vor. Die kosten rund 800 Euro. Viel Geld, deswegen werden diese Materialien von Imkerpaten, das sind erfahrene Imker, die je einen Kursteilnehmer betreuen, ausgeliehen. Die Bienen der Neuimker stehen bis Herbst ohnehin beim Imkerpaten.

Auch Thorsten Sänder wird Hobby-Imker. Er ist 33 Jahre alt und seit drei Jahren Fahrlehrer. Er hat einen Garten am Waldrand. "Wir alle leben in der Natur, aber ich möchte gerne mit der Natur leben." Mit dem Imkern hat Thorsten Sänder noch keine Erfahrungen gemacht. Aber er sieht schon lange das Wunder in der Biene: "So ein kleines Tier ist für das Leben auf der großen Welt verantwortlich. Wenn die Biene die Blüten nicht befruchten würde, dann gäbe es keine Früchte und Pflanzen in voller Entwicklung. Die werden aber wiederum von Tieren und Menschen zur Ernährung gebraucht", erklärte er seine Faszination. "Es gibt keine Biologie oder Chemie, die Pflanzen befruchtet, das kann nur die Biene."

Herbert Kirch ist 57 Jahre alt und Geschäftsstellenleiter bei der Sparkasse Saarbrücken. Nebenbei hat er vor 30 Jahren begonnen, Schafe zu züchten. Auch da wollte er schon gerne imkern, aber erst eine schwere Krankheit vor sieben Jahren hat ihm den tatsächlichen Anstoß gegeben. "Ich war auf Medikamente angewiesen, wollte meinen Körper aber nicht zu lange mit Chemie füttern. Die Natur bietet so viele Heilmittel." Und bei der Imkerei, sagte er, "bekommt man nebenbei doch noch etwas Süßes!"

Meinung

Imkern ist ein

Ja zum Leben

Von SZ-RedakteurJohannes Werres

Silvia Brewi (rechts) hat zum Üben einen Schutzanzug angezogen. Foto: Jenny Schwind.
Imker Dietmar Woll leitet den Kurs für Anfänger in Elm, der der Kreisverband anbietet. Foto: Hartmann Jenal.
Silvia Brewi (rechts) hat zum Üben einen Schutzanzug angezogen. Foto: Jenny Schwind.

Imkern ist Ja zum Leben. Auf diese Formel lässt sich bringen, worauf sich derzeit junge und alte Menschen neu einlassen. Bienenvölker erwarten viel Arbeit, sie sind lebenswichtig für die Landschaften des Kreises, für die Streuobstwiesen auf dem Gau, für die Gärten in den Städten. Ohne Bienen verkümmerte der Reichtum an Wild- und Nutzpflanzen um uns herum. Und Honig aus der eigenen Umgebung gäbe es auch nicht. Es ist gut zu sehen, dass Vereine Leute anleiten können, die Natur vor der Haustür nicht nur loben, sondern auch mit ihr leben zu wollen.

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