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Möglicher Windpark Hülzweiler Thema im Hülzweiler Ortsrat

Kostenpflichtiger Inhalt: Ortsrat Hülzweiler : „Aber wo soll die Energie herkommen?“

Etwa 100 Menschen verfolgten die Sitzung des Ortsrates Hülzweiler, in der es um einen möglichen Windpark ging.

Die Windenergie bekam am Dienstag auch in Hülzweiler einigen Gegenwind zu spüren. Dort behandelte der Ortsrat im Haus für Kultur die mögliche Aufstellung von Anlagen nördlich des Ortes – die SZ berichtete bereits kurz.

Es gehe nicht um die endgültige Entscheidung, versicherte Ortsvorsteher Georg Maringer. Der Ortsrat treffe bloß eine „Grundsatzentscheidung“, ob solche Anlagen überhaupt entstehen sollen und unter welchen Bedingungen. Ein konkreter Beschluss sei später Sache des Gemeinderates.

Etwa 100 Personen waren gekommen, aus Elm, Schwarzenholz und vor allem Hülzweiler. Etwas mehr als die Hälfte davon Kritiker der Windkraft. Kurz vor der Sitzung hatten die Freien Wähler zum Protest vor der Halle geladen. An einer Informationsveranstaltung im Januar hatten fast 200 Personen teilgenommen.

Maringer ließ Fragen zum Thema außerhalb der regulären Einwohnerfragestunde zu. Zuvor informierte eine Präsentation über das Windkraftgebiet sowie zu Anlagen aufgrund einer ersten Anfrage einer Firma. „Ich würde mich nicht freuen über Windkraftwerke“, sagte eine Zuhörerin, „aber wo soll die Energie herkommen?“ Angesichts der Kritiker mit Schildern und Bannern sagte sie: „Es gibt nicht nur die Windkraftgegner in Hülzweiler.“ Dafür erntete sie lautstarken Protest und Buhrufe.

„Wir sollen die Natur erhalten und kriegen sie vor der Nase weggemacht“, kritisierte Karin Pistorius. Jetzt schon werde genau dort, wo die Standorte der Windkraftanlagen liegen sollen, der Wald gerodet. Durch Bergbau sei der Untergrund ein „Schweizer Käse“, führte Pistorius weiter aus. „Welche Gefahren sind dort zu erwarten?“ Die Rodungen erfolgten im Rahmen der Waldbewirtschaftung, sagte Hans-Joachim Both, Umweltsachbearbeiter der Gemeinde. Dafür gebe es einen „periodischen Betriebsplan“. Zur Situation durch den Bergbau sei die RAG eingebunden. „Das da ist Augenwischerei“, kritisierte ein Bürger Fotomontagen mit Windrädern und Landschaft. Die Anlagen werde man real „wesentlich mehr und prägnanter sehen“, befürchtete er. Andere sprachen gesundheitliche Schäden durch Infraschall, Lärm und Schlagschatten an. Außerdem einen zu geringen Abstand zu Wohngebieten in Hülzweiler und Schwarzenholz.

Die Windvorrangzone hatte der Gemeinderat 2017 einstimmig beschlossen. Diese Fläche ist überwiegend im Besitz der Gemeinde und liegt nördlich der Autobahn 8. Drei bis vier Anlagen könnten dort errichtet werden. In einem Bogen, der sich von östlich des Hochbehälters bis zur A 8 erstreckt. Die Gesamthöhe der Anlagen würde laut Präsentation mit 246 Metern rund 40 Meter über den Windkraftanlagen bei Elm-Sprengen liegen. Die Nennleistung einer einzigen Anlage läge bei 4,6 Megawatt, was pro Jahr Strom für rund 4000 Haushalte liefern könnte. Der Mindestabstand zur geschlossenen Wohnbebauung wurde mit 900 Metern angegeben.

„Keine ausreichende Informationsbasis“, kritisierte der UWG-Vorsitzende Ronny Willms. Zudem gebe es vier weitere Anfragen mit derzeit unbekanntem Inhalt. „Kein Beschluss über die Köpfe der Bürger hinweg“, forderte er. Und eine Vertagung des Beschlusses. Die CDU beantragte Sitzungsunterbrechung. Danach wurde der UWG-Antrag auf Vertagung durch CDU und SPD abgelehnt. Änderungen zum Beschlussvorschlag trug Markus Praum, CDU, vor. Dazu zählte unter anderem, dass der Bau von nur drei Anlagen bevorzugt werde. In einem Mindestabstand von 950 Metern zur Wohnbebauung. Auch dürfe es keine zusätzliche Belastung der Bürger in Schwarzenholz und Hülzweiler geben. Die gesetzlichen Bestimmungen seien einzuhalten, unter anderem bei Brandschutz, Schall und Schattenwurf.

Ausgleichsmaßnahmen hätten mit Priorität in der Umgebung der Anlagen stattzufinden. Dann auf weiterem Hülzweiler Gebiet und schließlich auf Gemeindegebiet. Hier müsse der Ortsrat beteiligt werden. Nach Nutzungsende seien die Anlagen vollständig zurück zu bauen. Für die Finanzierung müssten Sicherheiten vorliegen. Da Hülzweiler die Last trage, solle der Ort „auch in besonderem Maße von den Einnahmen profitieren“, sagte Praum. Hierzu sei ein Beteiligungsmodell für Hülzweiler Bürger zu prüfen. Im weiteren Verfahren sollten die Bürger zeitnah und umfassend beteiligt werden. „Gegen eine Befragung aller Einwohner Hülzweilers durch den Gemeinderat bestehen keine Bedenken, ebensowenig gegen einen Bürgerentscheid.“

Die geänderte Beschlussfassung wurde bei Gegenstimmen von UWG und Linken durch CDU und SPD mehrheitlich beschlossen. Das sei „Makulatur“ hatte Helmut Ney, Linke, schon vor die Entscheidung im Ortsrat kritisiert. Denn CDU und SPD hätten die Mehrheit im Gemeinderat, da sei der Ausgang klar.

Wann der Gemeinderat sich nochmals mit dem Thema befasse, sei bislang nicht terminiert, teilte die Verwaltung auf Anfrage mit.