Mittwochs im Dickfranzenhaus

Schwalbach. Immer mittwochs ist das Dickfranzenhaus in der Schwalbacher Hauptstraße 102 beliebter Treffpunkt der älteren Generation, die bei Kaffee und Zuckerkuchen in der guten Stube am warmen Ofen hockt - wie früher, und von früher wird auch viel "verzehlt". Ab 15 Uhr treffen sich die Strickdamen vom "Club der heißen Nadeln" zum gemeinsamen Handarbeiten

Schwalbach. Immer mittwochs ist das Dickfranzenhaus in der Schwalbacher Hauptstraße 102 beliebter Treffpunkt der älteren Generation, die bei Kaffee und Zuckerkuchen in der guten Stube am warmen Ofen hockt - wie früher, und von früher wird auch viel "verzehlt". Ab 15 Uhr treffen sich die Strickdamen vom "Club der heißen Nadeln" zum gemeinsamen Handarbeiten. Immer mittwochs bäckt auch der 71-jährige Lothar Denis Brot und Kuchen im 250 Jahre alten gemauerten Ofen, in echter Handarbeit. "Brot rein, Feuer raus" heißt das Prinzip: Erst wird der Ofen ordentlich vorgeheizt auf 300 Grad, dann wird das Feuer rausgeholt und die Brotlaibe hineingeschoben - und der Duft zieht bald durch das ganze Haus.Das Dickfranzenhaus hat eine lange Geschichte: Der Gewölbekeller, vor 1600 erbaut, ist noch im Originalzustand erhalten. In "Schunickels Haus" wohnte um 1600 die Familie des Schumacher Nikolaus. 100 Jahre später Paul Franciskus Jaquemin (Schackmann), dessen Sohn Jakob 1761 Bürgermeister von Schwalbach wurde. Jakob Jaquemins Tochter Barbara lebte Ende des 18. Jahrhunders mit Mann und 14 Kindern in dem kleinen Häuschen "auf der Hühnergass". Seinen heutigen Namen hat das alte Haus vom Dickfranzen, mit bürgerlichem Namen Franz Rupp, der um 1876 dort wohnte. Seit 1965 gehört es Regina Schudell-Rupp, die mittlerweile 88-Jährige hat es dem Förderverein für Denkmalpflege und Heimatkunde Schwalbach mietfrei zur Verfügung gestellt hat.

Helmut Kreutzer gründete diesen Verein 2002, gerade wurde das 100. Mitglied aufgenommen. "Der Verein wächst noch und ist in Bewegung", erklärt Gerhard Gronerad, der Geschäftsführer. Der Stolz der Heimatkundler ist das Archiv mit alten Dokumenten, Schriften, Büchern zur Ortsgeschichte und Mundart.

Das Archiv dient als Quelle zur Familienforschung. Unterlagen über etliche Schwalbacher Familien stehen jedem offen. "Jeder kann sich bei uns über seinen Familiennamen informieren; und was wir nicht da haben, besorgen wir dann", sagt Kreutzer. Die zahlreichen Ordner lagern in Regalen in der guten Stube, daneben steht ein Computer. Ohne moderne Technik geht auch in der Denkmalpflege nichts mehr. Allein das Bildarchiv umfasst rund 9000 Bilder von allen saarländischen Gruben und über 8000 Bilder aus Schwalbach. "Die Daten gehen bei uns nicht verloren", sagt Heimatkundler Bodo Konstroffer.

Bei schönem Wetter ist das Sommercafe hinter dem Dickfranzenhaus geöffnet, im Garten steigt immer im August das beliebte Sommerfest des Vereins. Zum Verein gehören neben dem Bäcker auch ein Winzer und ein Metzger, die gerne ihre Handwerkskunst beitragen. Helfer und spenden kann der rührige Verein übrigens mmer brauchen. "Bei uns wird es die nächsten zehn Jahre nicht langweilig", schmunzelt Gronerad. So soll etwa der obere Teil des uralten Hauses noch ausgebaut werden; finanziell gefördert von der Gemeinde, erledigen die Vereinsmitglieder alles in Eigenarbeit. Im ersten Stock sollen Ausstellungsräume entstehen, einer für die Insektensammlung, einer für bergmännische Geleuchte und Trachten. Unter dem Dach wird dann irgendwann das wachsende Archiv untergebracht sein, für die nächste Generation.

Gerhard Gronerad, Bodo Konstroffer, Anton Raubuch, Martina Bergelt, Christel Konstroffer und Helmut Kreutzer (v.l.). Fotos: Seeber.
Helmut Kreutzer schiebt das Brot in den historischen Backofen.
Gerhard Gronerad, Bodo Konstroffer, Anton Raubuch, Martina Bergelt, Christel Konstroffer und Helmut Kreutzer (v.l.). Fotos: Seeber.

Kontakt: Verein für Denkmalpflege und Heimatkunde Schwalbach e.V., Hauptstraße 211, Tel. (06834) 4689838, E-Mail: HeimatvereinSchwalbach@kabelmail.de

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