Metzgerei Jochem in Schwalbach: Pfandbasiertes Mehrwegsystem "Ecobox"

Kostenpflichtiger Inhalt: Neu in Schwalbach : Fleisch und Wurst kommen in die Box

Einkaufen ohne Verpackungsmüll: Die Schwalbacher Metzgerei Jochem setzt, bislang als einzige im Saarland, seit kurzem auf ein spezielles pfandbasiertes Mehrwegsystem. Den Kunden gefällt’s.

„Ich finde das super“: Christina Meißner steht im Verkaufsraum der Schwalbacher Metzgerei Jochem, blickt auf das Angebot hinter der Scheibe. Rinderhack und Wurst stehen auf dem Einkaufszettel der Schwalbacherin. Soweit nichts Außergewöhnliches. Besonders aber ist das „Drumrum“ für die Lebensmittel, die sie gleich kaufen will. Und eben das lobt die 41-Jährige so: Ihr Fleisch und ihr Aufschnitt werden nämlich nicht Papier und Tüte verpackt, sondern in Frischhalteboxen gelegt. Die zwei Behälter wird sie mit nach Hause nehmen. Und beim nächsten Mal leer und gespült wieder mitbringen.

„Ich versuche, Plastik zu vermeiden und vieles wiederzuverwenden“, sagt sie. „Ich bin kein Ökofreak, aber irgendwann hat es Klick gemacht.“ In der Vergangenheit hätte sie schon öfter gern Verpackungsmaterial eingespart.

Umso mehr freut sich Meißner jetzt über die „Ecoboxen“, die ihre heimische Metzgerei seit dem 11. Oktober anbietet. „Wir sind die ersten im Saarland“, sagt Marco Jochem, Chef der Metzgerei,  „ich hoffe, dass einige dazukommen.“ Er, stellvertretender Landesinnungsmeister der saarländischen Fleischerinnung, will auch bei den Kollegen dafür werben.

Auf das pfandbasierte Mehrwegsystem „Ecobox“, entwickelt von der Weiterstädter Ibonic GmbH (Geschäftssparte „Meisterbote“), war der 33-Jährige bei einem Kollegen in Trier aufmerksam geworden. Und fand es so gut, dass auch er wenig später für seinen eigenen Laden Boxen erwarb. Zumal er schon öfter Nachfragen von Kunden gehabt hatte, die beim Einkauf Verpackungsmüll reduzieren wollten.

Nun stehen die durchsichtigen Frischhaltebehälter mit den grünen Deckeln gut sichtbar in vier Größen (von einem halben bis zu vier Litern Füllvermögen) auf der Theke des gerade frisch renovierten Schwalbacher Ladenlokals bereit. Das speziell auf Metzgereien zugeschnittene System mache gängige Plastikverpackungen wie Menüschalen, Salatboxen, Einschlagpapier und Tüten bis zu 70 Prozent überflüssig – so heißt es in der Pressemitteilung. Marco Jochem hat festgestellt, dass sich pro Kunde durchschnittlich sechs Blatt des (üblicherweise beschichteten) Papiers einsparen lassen.

Der junge Geschäftsmann findet, es sei Zeit für eine solche Innovation. Und, mit Blick auf Umweltschutz, verantwortungsvollen Umgang mit Resourcen und Co., sagt er: „Jeder sollte was tun.“ Darum gehe es hierbei.

So erläutern er und sein Team nun Tag für Tag geduldig, wie man sich den „Ecobox“-Kreislauf vorzustellen hat. Dazu gibt es auch einen anschaulichen Flyer. „Die Boxen kosten, je nach Größe, zwischen zehn und 20 Euro Pfand“, sagt Jochem. Sie sind ihm zufolge aus hochwertigem, lebensmittelechtem, recycelbarem und langlebigem Kunststoff. Fleisch, Wurst, Mittagstisch: Alle möglichen Einkäufe könne man darin verpacken und bei Bedarf auch vakuumieren. Er zeigt auf den Deckel: Hier lässt sich auch das Datum des Einkaufs einstellen.

Die (übrigens auch mikrowellen- und spülmaschinengeeigneten) Boxen können die Kunden im Kühlschrank oder im Gefrierfach aufbewahren. Nach dem Verzehr sollen sie gewaschen wieder gebracht werden. Dann gibt es entweder das Pfand zurück oder man bekomme seinen neuen Einkauf in einem anderen sauberen Behälter. „Die benutzten Boxen reinigen wir hier in der Metzgerei bei 85 Grad“, erläutert Jochem. Dann gelangen sie wieder in den mehrjährigen Zyklus, bis sie aus dem Verkehr genommen und wieder aufbereitet werden.

Dass die Idee nicht nur bei dem Geschäftsführer („sehr durchdacht“) ankommt, zeigt sich auch in den sozialen Medien: Jochem verweist auf die Facebook-Seite der Metzgerei, auf der es jede Menge positive Reaktionen auf den Vorstoß der mittlerweile einzigen „klassischen“ Metzgerei in der Großgemeinde Schwalbach gebe.

Im Laden erklären unter anderem die beiden langjährigen Metzgereifachverkäuferinnen Marianne Jochem und Annemie Klein gern das System, zeigen auch das kompostierbare Papier aus Kieferfasern, das sie nun zum Trennen einzelner Sorten benutzen. Die Kunden seien sehr offen, fragten nach, sagen die beiden Frauen. „Besonders junge Leute sind sehr angetan.“

Bis zu diesem Montag waren bereits gut 80 Prozent der Boxen im Umlauf, berichtet Marco Jochem. „Ich bin mit 150 Boxen gestartet und haben nun nochmal die gleiche Menge nachbestellt.“

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