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Zum Tod von Siegfried Pollack
Kunstszene trauert um Siegfried Pollack

Siegfried Pollack hat sich als Vertreter der konkreten Kunst einen Namen gemacht.
Siegfried Pollack hat sich als Vertreter der konkreten Kunst einen Namen gemacht. FOTO: Gerhard Alt
Elm. Mit Siegfried Pollack ist ein bedeutender saarländischer Künstler und Kunsterzieher gestorben. Die Beisetzung ist am Freitag, 9. März, um 14 Uhr in Elm. Von Gerhard Alt

„Ach, wissen Sie, manche fangen da an, wo Picasso aufgehört hat, und nennen sich Künstler“, hat Siegfried Pollack einmal gesagt. Er ist einen anderen Weg gegangen, nicht ganz gerade, aber konsequent und – soweit das von außen zu beurteilen ist – selbstbestimmt. Jetzt ist sein Weg zu Ende. Am 19. Februar ist er im Alter von 88 Jahren gestorben. Mit ihm verlässt ein weiterer Absolvent der renommierten ehemaligen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken die Szene.


Pollack wurde 1929 in Forst (Lausitz) geboren, seine Familie zog 1936 nach Bremen; von 1952 an lebte Pollack im Saarland. Er studierte in der Zeichen- und Bildhauerklasse an der Kunstschule in Bremen sowie Metalldesign, Emaille- und Silberschmiedtechnik in Hanau und in Saarbrücken bei Boris Kleint, Oskar Holweck und Hannes Neuner.

Während des Studiums jobbte er am Bau und in der Zeichenabteilung der Saarbrücker Zeitung. Ab 1953 arbeitete er freischaffend in seinem Atelier in Saarbrücken: Werke im öffentlichen Raum sind unter anderem das Kupferkreuz am Friedhof in Wadgassen, die Türen der Katholischen Kirche St. Josef in Elm-Sprengen sowie eine Amtskette für den Saarlouiser Oberbürgermeister (1969). Zu den letzten Arbeiten Pollacks im öffentlichen Raum gehört das große Fenster im Sitzungssaal des neuen Schwalbacher Rathauses von 2005.

Nach einer Zusatzausbildung unterrichtete Pollack ab 1967 in Schulen; bis 1991 war er Kunsterzieher am Albert-Schweitzer-Gymnasium Dillingen. 1980 wurde er Dozent der Schwalbacher Malschule, von 1994 bis 1996 als Leiter. 1981 trat er der Künstlergruppe Untere Saar bei, zeitweise war er Vorsitzender. Roland Schmitt, der bis zuletzt viel mit Pollack zusammen arbeitete, sagt über seinen Künstlerkollegen: „Er konnte sehr pingelig sein. Er arbeitete bis ins kleinste Detail sehr genau. Das lag vielleicht an seiner Ausbildung als Metalldesigner.“ Und Schmitt erwähnt, dass Pollack sogar aus einer alten Jeans Papier gemacht hat.

Tatsächlich legte Pollack seit den 1990er Jahren seinen künstlerischen Schwerpunkt auf das Schöpfen von Papier aus den verschiedensten Materialien. Anlässlich der Verleihung des Kunstpreises Elm (2007) sagte Pollack: „Das Experimentieren interessiert mich am meisten. So kann ich immer wieder Neues versuchen.“



Er war ein Allrounder: Ein sehr präziser Zeichner und Grafiker, ein grandioser Aquarellist und Maler – gegenständlich und ungegenständlich. Und ein sympathischer Zeitgenosse, besonnen, fachkundig, frei von Allüren. Die letzte große Ausstellung war 2011 in der KEB-Galerie in Dillingen mit über 60 Werken aus allen Schaffensperioden von Siegfried Pollack. Damals stand in der Saarbrücker Zeitung: „Pollack schöpft sein Papier selber. Und er lässt dem neu entstandenen Material sein Eigenleben. Wo es ausfranst, entstehen quasi lebendige, unregelmäßige Ränder, in einem Bild leicht wie Federn. Wo mehrere Schichten aufeinander liegen, treten Wülste wie auf alten Buchrücken hervor. Die Strukturen des Papiers nimmt Pollack gestalterisch auf, formt eine Hügellandschaft daraus oder zeichnet sachte Linien und Figuren darauf. (...) Hier erweist sich Pollack als ein bedeutender Vertreter der so genannten konkreten Kunst - nicht von der Realität abstrahierend, sondern Pollack bildet nach seinen Vorstellungen von Kontrast und Harmonie eine neue, wohl überlegte Realität.“ Diese seine Kunstwerke haben Bestand über den Tod hinaus.