Pippi Langstrumpf auf der Freilichtbühne in Hülzweiler: Frech, vorlaut und natürlich liebenswert

Pippi Langstrumpf auf der Freilichtbühne in Hülzweiler : Frech, vorlaut und natürlich liebenswert

Weit über 600 Besucher hatten viel Spaß bei der Premiere von „Pippi Langstrumpf“ auf der Freilichtbühne in Hülzweiler.

„Das ist Pippi“, sagte ein kleiner Fan nach rund drei Stunden Aufführung auf der Freilichtbühne Hülzweiler. Zahlreiche Kinder drängten sich nahe der Bühne für ein Foto mit dem Star der Kinderbuchgeschichten von Astrid Lindgren. Am Sonntag stand dabei Nadine Bednarek im Mittelpunkt. Die roten Haare zu abstehenden Zöpfen gebunden, zwei unterschiedlich gefärbte lange Strümpfe und die Anarchie im Blut. Frech, vorlaut und liebenswert hielt sie die Geschichte im Laufen. Auf die Frage, ob sie vor Beginn schon mal raus aufs Publikum geschaut habe, antwortete Bednarek mit einem Lachen: „Nein. Ich will auch nicht.“

In der ersten Pause saß sie mit zitternden Fingern hinter den Kulissen. „Da sind so viele Faktoren, die man nicht beeinflussen kann“, begründete sie die Nervosität. Denn zum ersten Mal hatte Nadine Bednarek eine solche Rolle, in der sie den ganzen Auftritt über präsent sein musste. Das bewältigte sie auf verspielte Art und immer als eine Art Stachel im Fleisch gesellschaftlicher Konventionen.

Denn ohne Eltern in einer eigenen Villa, das kann nicht sein, urteilten die Tugendwächterinnen. Nach dem Motto: „Ich werde dich so erziehen, wie du zu sein hast.“ Doch das gelang niemandem in den Schauplätzen, die über die rund 50 Meter breite Freilichtbühne verteilt waren. Weder auf dem bunten Jahrmarkt rechts, wo Pippi den starken August auf die Bretter legt, noch links im Klassenraum oder eine Ebene tiefer beim Kaffeekränzchen.

Gut gefüllte waren die Zuschauerränge bei der Premiere von „Pippi Langstrumpf“ auf der Freilichtbühne Hülzweiler. Foto: Johannes A. Bodwing

Mittendrin stand als zentraler Punkt die Villa Kunterbunt in knalligen Farben. Wie eine farbige uneinnehmbare Burg markierte sie die Macht der mädchenhaften Eigenständigkeit gegenüber traditionellen Rollenbildern. Dabei stand Pippi mal oben auf dem Dach, während die Dorfpolizisten mit wackligen Knien die Leiter hinaufstiegen. Mal trickste sie drei Sträflinge aus, die an ihre Goldmünzen wollten. Die spannendsten und interessantesten Geschichten der selbstbewussten Göre breitete die Volksbühne Hülzweiler in bunten oftmals turbulenten Szenen aus. Dabei nutzten sie die Möglichkeiten der Naturbühne unter hohen schattigen Bäumen.

Gleich zu Beginn ritt Pippi auf einem richtigen Pferd ein. Später fuhren die tölpelhaften Dorfpolizisten mit einem Motorrad mit Beiwagen vor. Diesen Oldtimer hatte das Zweiradmuseum Wadgassen zur Verfügung gestellt. Dicken Applaus spendete das Publikum nicht nur am Schluss der Aufführung. Immer wieder klatschten die großen und kleinen Zuschauer nach lustigen und überraschenden Szenen Beifall. Beispielsweise, wenn Pippi die lange Leiter vom Dach wegzog und die beiden Polizisten oben festsetzte.

Pippi mit Annika und Tommy in der Villa Kunterbunt. Foto: Johannes A. Bodwing

Etwa 30 Akteure bereicherten das Stück, sagte der Vorsitzende der Volksbühne Hülzweiler, Hans Georg Bock. Dazu um die 50 Helfer. „Weit über 600 Besucher“, schätzte er am Ende. Und das mitten in den Sommerferien. Eine „sehr, sehr tolle Premiere“.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Premiere von Pippi Langstrumpf auf der Freilichtbühne in Hülzweiler

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