Bunkeranlage: Die Tage des alten Stollens in Hülzweiler sind wohl gezählt

Bunkeranlage : Die Tage des alten Stollens in Hülzweiler sind wohl gezählt

Kurz vor der Verfüllung des Hilder Stollens hat ein Team des Fördervereins Heimatkunde bei einem Ortstermin eine letzte Bestandsaufnahme gemacht.

Ein bisschen aufgeregt war er schon, Hans Günter Groß, der Vorsitzende des Fördervereins Heimatkunde Hülzweiler, als es am Freitagnachmittag in die Gänge des Hilder Stollen ging. Mit einem Stromgenerator, Kabeltrommeln, einigen Lampen, einem Block und einem Maßband bewaffnet, machte er sich auf den Weg in das unterirische System. Mit dabei waren Vereinsmitglied Helmut Strauß, Edgar und Dietmar Theobald, Hans-Jürgen Woll, Leiter der Ortspolizeibehörde, sowie Hans Günters Sohn Philipp Groß.

Hans-Jürgen Woll hatte den Schlüssel zum Eingangstor mitgebracht, war schon vielfach im Stollensystem unterwegs. Auch Edgar Theobald hat die Gänge bereits mehrfach inspiziert, er machte sich als Naturschutzbeauftragter des Gemeindebezirks Hülzweiler auf die Suche nach Fledermäusen. Für sie, erzählte er, wurde im Tor zur Straße extra eine Aussparung gelassen. Doch von Fledermäusen oder anderem Getier sei da unten keine Spur, wusste er zu berichten. Warum sich keine Tiere, aber auch keine Pflanzen in den Gängen angesiedelt haben, wird bereits nach dem Treppenabstieg, der nachträglich eingebaut wurde, deutlich. Es ist absolut karg in den Gängen, nichts wächst, was Nahrung liefern könnte. Lediglich der Staub, der in unzähligen Körnchen vor den Taschenlampen der Männer tanzte, gab sich ein Stelldichein.

Ohne Beleuchtung, das merkte man bereits beim Begehen der ersten Meter, wäre man hier absolut aufgeschmissen, es ist stockdunkel, die Gänge sind verwinkelt, erste Nischen tauchen auf. „Die Bänke, die früher hier dringestanden haben, sind entfernt worden“, weiß Groß zu berichten. Im Zuge seiner Arbeit als Vereinsvorsitzender hat er sich umfassend mit dem Stollensystem Holder Stollen beschäftigt, weiß etwa, dass „ein Hülzweiler Bürger hier unten während eines Fliegeralarms auf die Welt gekommen ist.“ Groß hat die Begehung organisiert und auch die Saarbrücker Zeitung eingeladen, weil es, wie er sagt, vielleicht die letzte Möglichkeit sei, das Stollenwerk noch einmal live zu erleben. So weit will Hans-Jürgen Woll nicht gehen. Das Bauwerk, informierte er, ist im Eigentum der Bundesimmobilienverwaltung. Sie trägt die volle Verantwortung – und auch die Kosten, wie er erklärte.

Das Problem sei der Zustand des Bauwerks, das vor rund 30 Jahren zum letzten Mal saniert wurde. „Eine erneute Sanierung schließen die Eigentümer für sich aus, daher besteht der Wunsch, die Gänge zu verfüllen“, erklärte Woll. Damit stieß er beim Vorsitzenden Groß auf wenig Gegenliebe. Zu gerne würde der nämlich das Bauwerk, wenn auch nur einen kleinen Teil, offenhalten. „Für unseren Verein wäre das etwas ganz Besonderes, wenn wir hier die Vergangenheit anhand des Stollensystems erläutern könnten“, sagte er. Zusammen mit seinem Sohn notierte er akribisch alle Maße, jede Nische wurde ausgemessen, jeder Gang in seiner exakten Länge notiert. „Hier sind etwa zehn Meter Material über uns“, sagte er etwa in der Mitte der Anlage, danach ging es noch einmal deutlich bergab weiter hinunter unter die Massen, auf denen Kindergarten und Schule errichtet sind. All dies, erklärte er, könnte für die Besucher beeindruckend sein. Für die, die lange nach dem Krieg geboren sind, aber auch – und das weiß Groß nur allzu gut – für die, die den Krieg, wenn auch als Kinder, miterlebt haben.

Bild einer Evakuierung im Krieg – aufgenommen in der Hauptstraße von Hülz­-weiler. Foto: Carolin Merkel
Das Bild zeigt eine Evakuierung im Bereich des heutigen Kreisels. Foto: Carolin Merkel
Der Stolleneingang in der Brunnenstraße. Foto: Carolin Merkel
Der Stolleneingang in der Feldstraße. Foto: Carolin Merkel

„So viele Geschichten ranken sich im Dorf um diesen Stollen, da wäre es schade, wenn er komplett zugeschüttet würde“. Auch deshalb hat er die Saarbrücker Zeitung informiert. Er möchte diesen Zeitzeugen für die nachfolgenden Generationen gerne erhalten. Auch wenn er noch nicht so genau weiß, wie.

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