Der vor-letzte Morgensternler

Morgenstern. Der Morgenstern, das sind etwa 900 Meter oder 36 Häuser in Elm. Wenn es nach Nikolaus Hoen gegangen wäre, wäre der Morgenstern aber längst eigenständiger Ortsteil der Gemeinde Schwalbach. Im Jahr 1980 rief er die IG ins Leben und wurde dann sogar inoffizieller Bürgermeister

 Armin Altmeyer im Morgenstern. Foto: Thomas Seeber
Armin Altmeyer im Morgenstern. Foto: Thomas Seeber

Morgenstern. Der Morgenstern, das sind etwa 900 Meter oder 36 Häuser in Elm. Wenn es nach Nikolaus Hoen gegangen wäre, wäre der Morgenstern aber längst eigenständiger Ortsteil der Gemeinde Schwalbach. Im Jahr 1980 rief er die IG ins Leben und wurde dann sogar inoffizieller Bürgermeister. Gegründet wurde die IG, weil es für die vielen Kinder der Anwohner in der Straße damals keinen geeigneten Spielplatz gab. "Die Gemeinde lehnte ab, weil kein Geld da war." Also legten die Anwohner zusammen, trafen sich im heute längst geschlossenen Gasthaus "Zum Morgenstern" und jeder legte 100 Mark auf den Tisch - sozusagen als Pfand, falls ihr Plan nicht aufgehen sollte. Der lautete: Ein Fest auf die Beine stellen und mit den Einnahmen einen Spielplatz finanzieren. Aber der Plan ging auf, das erste von vielen Festen wurde 1981 groß gefeiert und es kam genug Geld zusammen, das der Gemeinde zum Bau übergeben wurde. Von da an stellte die IG Morgenstern jedes Jahr ein Fest auf die Beine. Über 70 000 Euro kamen so im Laufe der Zeit zusammen, die für soziale oder auch kirchliche Zwecke in der ganzen Gemeinde gespendet wurden. "Die IG Morgenstern ist kein offizieller Verein, mehr ein Zusammenschluss", erklärt Altmeyer, seit mehr als zehn Jahren Vorsitzender. Der Vorstand hat elf Mitglieder, diese planen jährlich vier feste Aktionen: Neben dem Sommerfest sind die Palmsonntagsfahrt, die Winterwanderung und der Weihnachtsmarkt in Schwalbach feste Termine. Die Hilfe beim Pfarrfest ist Ehrensache.Die IG Morgenstern zeugt nicht nur von engagierten Bürgern, sondern auch von einer vorbildlichen Nachbarschaft: "Das Schöne ist, dass jedem geholfen wird, der ein Problem hat. Und wenn der Nachbar morgens um sieben klingelt, weil sein Auto nicht anspringt, hilft man halt", sagt Altmeyer. Der Name Morgenstern geht übrigens zurück bis in die Zeit Marechal Neys: Im französischen Manövergebiet gab es ein Statut, dass alles, was in einer Nacht erbaut wurde, stehen bleiben durfte. Und als ein Offizier durch das Dorf ritt, stand da plötzlich ein Haus, das in keiner Karte verzeichnet war. Just in diesem Moment soll der Morgenstern am Himmel über dem Haus gestanden haben, erzählt Armin Altmeyer die Legende. Seitdem trug zunächst das Haus, das wohl erste eine Holzhütte war und später von innen ausgemauert wurde, und später dann die ganze Umgebung, den Namen Morgenstern. Das Haus steht lange nicht mehr, die heutige Adresse lautet Püttlingerstraße 31. Armin Altmeyer ist der vorletzte waschechte Morgensterner, danach kam nur noch sein Bruder im kleinsten Nicht-Ortsteil zur Welt. In seinem Geburtshaus Am Morgenstern 16 lebt er noch heute mit seiner Familie. Trotz der kaum vorhandenen Infrastruktur: Die nächste - schlechte - Busverbindung ist rund 300 Meter entfernt, die letzten Läden im Wohngebiet schlossen Ende der Siebziger. "Aber ich möchte nicht woanders leben", sagt Armin Altmeyer, der vorletzte Morgensterner, überzeugt.