Der Kreuzweg endet auf der Freilichtbühne

Der Kreuzweg endet auf der Freilichtbühne

Die italienische Gruppe „Via Crucis“ zieht am Karfreitag nicht mehr durch Saarlouis. Die Kreuzigung findet in Hülzweiler statt.

Noch einmal trommelt Giuseppe Di Rosa seine Akteure der Laienspielgruppe "Via Crucis" zusammen. Gut zwei Stunden Arbeit liegen hinter den Darstellern, doch noch, sagt er, ist längst nicht in jeder Szene geklärt, wer wann und von wo die Bühne betritt und wieder verlässt. "Es ist hier alles viel größer als auf dem Marktplatz in Saarlouis, so weitläufig, dazu gibt es die Treppen und gleich mehrere Abgänge und Wege", erzählt Andreas Meder aus Reisbach. Er wird, wie er lachend erzählt, an Karfreitag schon wieder seinen 33. Geburtstag feiern.

"Als ich zur Gruppe kam, war ich tatsächlich 33 Jahre alt und durfte den Jesus spielen", erinnert er sich. Das war im Jahr 2001, seither gehört Meder bei den Passionsspielen die Titelrolle. Er hat, wie er erzählt, schon bei Sonnenschein und schweißtreibenden Temperaturen, aber auch bei eisigem Schneeregen am Kreuz gehangen. Jedes Mal, betont er, war es für ihn ein besonderes Erlebnis. Auch in diesem Jahr, verrät er, wird er vor der Szene des "Vater unser" wohl am nervösesten sein. "Das ist einfach eine Stelle, die jeder kennt."

Dass er einmal für so viele Jahre die Hauptrolle bei der ursprünglich italienischen Theatergruppe spielen würde, hätte er sich nicht vorstellen können. "Ich erinnere mich noch gut, als wir mit ein paar Spielern der Theatergruppe Teufelsburg, allesamt mit langen Haaren und Bärten, die Tür zum Probenraum aufgemacht haben, da meinte Giuseppe nur: "Oh, meine Jünger." Leider, sagt Meder, ist er als Einziger übrig geblieben, könnte sich durchaus einen Nachfolger vorstellen.

Das ergeht dem Regisseur, der in diesem Jahr seine 30. Passionsspiele feiert, ebenso. "Wir haben auf Anregung der italienischen Kirchengemeinden Saarlouis und Merzig im Jahr 1987 die ,Via Crucis' gegründet, wollten die Tradition, die es in Sizilien in jedem Dorf gibt, auch den Italienern in Deutschland nahebringen", erinnert er sich. Theaterspielen, sagt er, ist seine Leidenschaft.

Als Kind hat Di Rosa die Via Crucis oft in Sizilien miterlebt. Nach vielen Jahren, in denen die Passionsspiele im Landkreis Saarlouis und im benachbarten Frankreich Station gemacht hatten, entschied sich die neu formierte Truppe im Jahr 2000 auf Anfrage des Oberbürgermeisters, ab sofort Saarlouis zur Spielstätte zu machen. Verurteilung und Kreuzigung stießen bei vielen Zuschauern mitten in der Innenstadt auf großes Interesse.

Zum Jubiläum, sagt Di Rosa, wollte er gerne noch einmal etwas Neues ausprobieren. Wobei, das verrät er, ganz neu ist die Spielstätte in Hülzweiler nicht. Bereits im Jahr 1995 - "da war Karfreitag ebenfalls am 14. April" - hat die Truppe auf der Freilichtbühne gespielt. Damals wie heute wird die Kreuzigung auf der Bühne stattfinden. Anders als vor mehr als 20 Jahren wird die Prozession aber nicht durch die Straßen von Hülzweiler gehen, sondern sich auf das Waldgebiet rund um die Freilichtbühne beschränken.

"Wir haben mit dem Abendmahl und der Szene Ölberg in diesem Jahr das Spiel durch den neuen Spielort erweitern können", sagt Di Rosa. Er rannte übrigens bei Schwalbachs Bürgermeister Hans-Joachim Neumeyer und seinem Team vom Kulturamt offene Türen ein. "Ich habe die Gruppe mehrfach in Saarlouis gesehen, es ist sehr emotional und begeisternd", schwärmt Neumeyer. Sehr gerne, betont er, ist der Bauhof bereit, die Freilichtbühne auf Vordermann zu bringen und so der "Via Crucis" mit hoffentlich sehr vielen Zuschauern den passenden Rahmen zu bieten.

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Passionsspiel am Karfreitag Die Laienspielgruppe "Via Crucis" führt unter Leitung von Giuseppe Di Rosa am Karfreitag, 14. April, um 16 Uhr auf der Freilichtbühne in Hülzweiler das Passionsspiel "Via Crucis" in deutscher Sprache auf. Weitere Informationen beim Kulturamt unter Telefon (0 68 34) 57 11 28 oder Telefon (0 68 34) 57 11 31 sowie im Internet. www.schwalbach-saar.de