1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Schwalbach

"Demenz ist immer noch ein Tabuthema"

"Demenz ist immer noch ein Tabuthema"

Raten Sie, forderte Hartmut Sebastian beim Demenz-Podium am Dienstagabend auf: Wie viel Prozent der über 65-Jährigen leben zuhause? Mindestens 95 Prozent. Und jeder Dritte über 80 und jeder Zweite über 90 leide an Demenz: Eine Herausforderung für die Angehörigen. Im Schnitt dauere die Pflege 4,1 Jahre. Geleistet werde sie zu 73 Prozent von Frauen.

Fraulautern. "Demenz ist immer noch ein Tabu-Thema", stellte Dr. Rosa Adelinde Fehrenbach, Chefärztin für Gerontopsychiatrie auf dem Sonnenberg in Saarbrücken, bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Demenz am Dienstagabend in Fraulautern fest. Fehrenbach, auch Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft, der Leiter der BfW-Altenpflegeschule Schwalbach-Elm, Hartmut Sebastian, die Sozialdezernentin des Kreises Saarlouis, Susanne Schwarz, der Leiter der Demenzberatung Saarlouis, Andreas Sauder, und die Seniorenmoderatorin der Stadt Saarlouis, Birgit Cramaro diskutierten über die Herausforderung Demenz.

"Demenz betrifft nicht nur die Erkrankten, sondern auch die Angehörigen", so Fehrenbach. Die Angehörigen, die sich den Demenzerkrankten widmen, stürzten sich oft in die Arbeit, die die Pflege mit sich bringe. Meist ohne genau zu wissen, was hier zu tun ist.

Gemeinsamer Rat der Podiums-Teilnehmer: Eine Beratung aufsuchen, möglichst früh. Im Kreis Saarlouis seien mehrere Anlaufstellen qualifiziert, darunter das Demenzzentrum, der Pflegestützpunkt des Kreises und die Seniorenmoderatoren, der Kreis habe damit eine ungewöhnlich gute Struktur, bescheinigte Fehrenbach. Die Beratungen sind kostenlos.

Die Krankheit selbst sei derzeit nicht heilbar, könne aber erheblich verzögert werden: "Kognitives Training, Ergotherapie, körperliche Aktivität und nicht zuletzt Medikamente."

Hartmut Sebastian erklärte, dass es vor allem darauf ankommt, die Pflegenden zu unterstützen. Komme man vor die Frage, seinen Ehepartner oder seine Eltern, die an Demenz erkrankt sind, zu Hause zu pflegen, solle man sich Fragen stelle: "Möchte ich sie überhaupt pflegen?, Wie viel Zeit kann ich aufwenden?".

Ein "Nein, ich will nicht" sei manchmal besser als ein halbherziges Ja. Und wenn doch, dann nicht 24 Stunden am Tag. "Angst macht handlungsunfähig und führt auch zu Depression", sagte Fehrenbach.

Viel mehr solle die Krankheit als eine Chance gesehen werden. "Klar ist das für Angehörige schwer", aber je nach Situation und Schwere der Erkrankung, gebe es Möglichkeiten, auf diese so einzugehen, dass beide Seiten gut damit leben könnten. "Ein zufriedener Pflegender macht einen zufriedenen zu Pflegenden", stellt Sebastian klar. Sauder stimmt ihm zu. "Der Pflegende muss sich gesund halten, indem er Belastungen runterschraubt". Die Pflege nicht allein übernehmen, sich mit anderen Betroffenen austauschen, Anlaufstellen aufsuchen, ambulante Dienste, Kurzzeiturlaub - all das kann einer Überforderung vorbeugen.

Wie sich bei der Diskussion herausstellte, sind Betroffene nicht allein in ihrer Situation. Sie können und müssen nur darüber reden.